Schön, dass ihr dabei seid!
Hier schreibt heute Nicole. Ich möchte euch kurz erzählen, wie wir mit der Magazinplanung vorankommen. Dank eurer Teilnahme an unserer Umfrage, euren Mails, DMs und Online-Kommentaren wissen wir ja (und haben es auch vorher schon vermutet), dass eure Aufmerksamkeitsspanne länger anhält als eine Hydration Break und ihr euch tiefergehende Stories statt reißerischer Aufmachungen wünscht.
Eine solche effekthascherische Schlagzeile, die mir erst diese Woche auffiel, war diese: “Trotz des WM-Misserfolgs der Nationalelf” (Anm.: der Männer) habe der DFB mehr neue Mitglieder verzeichnet, insbesondere im Mädchenbereich.
Hier wurde versucht, eine Aktualität herzustellen, die kausal gar nicht gegeben ist. Leider begegnet einem immer wieder die unterschwellige Meinung, dass der Sport der Frauen abhängig von dem der Männer oder ihren sportlichen Leistungen ist. Vielleicht liegt der Grund für den weiblichen Nachwuchsboom in diesem Fall aber vielmehr an der immer größer werdenden Sichtbarkeit der Fußballerinnen und der Anerkennung ihrer Leistung (über das Jule-Brand-Stadion beispielsweise hatten wir ja zuletzt geschrieben).
Rekordtransfers für Fußballerinnen – und Support für ERSTE
Fakt ist: Das Interesse am Fußball der Frauen steigt – was auch die gerade erst gezahlte Transferrekordsumme von 600.000 Euro für RB-Leipzig-Spielerin Lisa Baum zeigt. Das 19-jährige Talent wechselt zum FC Arsenal in die englische Women’s Super League. Was diese Entwicklung bedeutet und was sie über die Qualität der deutschen Liga aussagt, das wollen wir zu einem späteren Zeitpunkt noch diskutieren.
Der Punkt ist: Die Zeit, ausgewogen und nicht effekthascherisch zu berichten, möchten wir uns nehmen – um zu recherchieren, nachzuhaken, zu analysieren und euch dann fundierte Geschichten zu präsentieren. Dass Wasserball nicht nur Härte ist. Dass Frauen im Radsport gemeinsam bessere Verträge aushandeln. Und dass die Überwindung von (vermeintlichen) körperlichen Grenzen nur möglich ist, wenn Frauengesundheit mit berücksichtigt wird.
An Ideen mangelt es uns nicht. Weder für den Newsletter noch das Magazin. Und wir möchten natürlich vielen Sportarten und insbesondere Themen Raum geben. Da Katalina und ich in erster Linie Journalistinnen sind, haben wir uns Verstärkung im kaufmännischen Bereich geholt. Außerdem haben wir andere Magazinmacher*innen gelöchert, Druckereien kontaktiert und Vertriebswege definiert. Erste Layouts und Moods füllen unsere Laptopspeicher. Wir organisieren, planen, kalkulieren. All das, was man ehrlicherweise als Journalistin sonst oft eher nicht auf dem Schirm hat. Aber es wird! Step by step, wie wir uns gegenseitig immer wieder zurufen.
Parallel – so viel darf ich hier schon verraten – planen wir unser erstes ERSTE-Event zur Basketball-WM, die im September in Berlin stattfindet. Mit tollen Partnerinnen. Yeah!
Und nun zum Sport
Wir hören oft von Leistungssportlerinnen, die sich bis ans Limit pushen. Oder darüber hinaus. Extremsportlerin Caro North lehrt uns, dass Anhalten und Umkehren ebenso wichtig sein können. Es zeugt von enormer mentaler Stärke, kurz vor dem Ziel umzudrehen, nur 100 Meter vor dem Gipfel abzubrechen, weil die Bedingungen ein Weitergehen nicht zulassen. Ob Fels, Eis oder gemischtes Terrain: Die Kletterin und Profibergsteigerin war von den Anden bis zum Ewigen Eis schon so ziemlich überall. Sie ist eine der wenigen alpinen Bergführerinnen in der Schweiz – und anspruchsvolle Kletterstrecken begeht sie vorzugsweise in reinen Frauenseilschaften (by the way: den Begriff lieben wir!). Warum das so ist, lest ihr im Interview, das Katharina Köhler für uns mit Caro geführt hat.
Mission: ERSTE
ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN, kurz: ERSTE, ist ein Newsletter, eine Community, eine Mission. Wir wollen ein Magazin auf den Markt bringen, das sich einzig und allein dem Sport der Frauen widmet. Weil wir Sportlerinnen Aufmerksamkeit schenken wollen, ohne stereotype Zuschreibungen, aber in angemessener Würdigung ihrer Leistung.
ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN – das heißt auch: Wir brauchen euch. Teilt den Newsletter mit anderen Kletterbegeisterten, mit eurem Cycling Club, euren Bolzplatz-Kolleg*innen, eurer Hockeymannschaft oder eurer Freiplatz-Crew. Je mehr Menschen wir werden, desto besser. Wir freuen uns über jede (und jeden!), die (oder der) mitliest. Und auf eure Ideen, Gedanken und Vorschläge unter: [email protected]
Ready, set, go!

Foto: Sebastian Wolf
“Angst ist meine Lebensversicherung.”
Bei ihrer ersten richtigen Expedition war Caro North gerade mal 16 Jahre alt: Auf dem knapp 7000 Meter hohen Aconcagua, dem höchsten Berg Amerikas, schaffte sie es bis etwa 100 Meter unter den Gipfel. Obwohl ihr kurz vor dem Ziel die Höhenluft zu schaffen machte, spornen Abenteuerlust und Entdeckergeist sie seitdem immer wieder zu Höchstleistungen an – die man unter anderem auf ihrem Instagram-Kanal bewundern kann.
Als Alpinistin, Kletterin und Profibergsteigerin war sie in den entlegensten Gebieten der Welt, von den Anden bis ins ewige Eis. Ihre Spezialität sind dabei Erstbegehungen mit langen, anspruchsvollen Kletterstrecken – und das vorzugsweise in reinen Frauenseilschaften. Dieses Jahr war Caro auf einer ihrer bisher härtesten Expeditionen unterwegs. Und als eine der wenigen weiblichen Bergführerinnen der Schweiz ermöglicht sie außerdem anderen Menschen mit weniger Erfahrung, sich den Traum vom Gipfel zu erfüllen.
Unser Fotograf Sebastian Wolf hat Caro in der Nähe von Chamonix getroffen und eine kleinere Klettertour mit ihr unternommen. Außerdem hat Caro uns noch einige Fotos von ihrer Besteigung der Torres del Paine über die South African Route geschickt. Ihr findet sie ganz am Ende des Newsletters – und sie sind nichts für schwache Nerven!
Liebe Caro, du hast schon viele extreme Expeditionen unternommen. Warum bist du dabei so oft in Frauenseilschaften unterwegs?
Am Anfang bin ich vor allem deshalb schwere Routen nur mit Frauen geklettert, weil sonst immer Leute gesagt haben: Die schweren Stellen hat bestimmt der Mann geklettert. Inzwischen muss ich mich nicht mehr so beweisen, weil die Leute wissen, was ich kann. Aber ich bin immer noch sehr gern mit Frauenseilschaften unterwegs. Auf der einen Seite habe ich viele Freundinnen, die sehr stark am Berg sind. Auf der anderen Seite glaube ich, dass wir unter Frauen sehr aufeinander schauen. Wir haben eine gute Kommunikation. Ich habe nicht unbedingt negative Erfahrungen mit Männern gemacht – aber einfach sehr positive Erfahrungen mit Frauen.
Es gibt im Schweizer Bergführerverband rund 1500 männliche Bergführer und 42 Bergführerinnen. Eine davon bist du. Warum ist das Ungleichgewicht so groß?
In der Schweiz hat das Bergführerdasein eine große Tradition, es ist ein sehr anerkannter Beruf. Aber es gibt dieses Bild, dass der Bergführer ein Mann ist. Das ist verankert in den Köpfen. Für viele Frauen ist das eine große Hürde. Ich habe den Eindruck, dass sich auf die Bergführerausbildung viele Männer bewerben, die es einfach mal probieren wollen. Die Frauen bewerben sich oft erst, wenn sie schon ein viel höheres Niveau erreicht haben. Zum Teil limitieren wir Frauen uns da selbst. Es gibt aber auch immer wieder Geschichten, dass Frauen sich in der Ausbildung mehr beweisen müssen als Männer.
War das bei dir auch so?
Ich hatte in meiner Bergführerprüfung einen Prüfer, der mir die ganze Zeit blöde Fragen gestellt hat: Warum ich etwas mache, wie dieser und jener Berg heißt. Dabei wusste er, dass ich das alles kann, ich hatte ja auch schon zwei Jahre lang geführt. Irgendwann habe ich aus Trotz mal so richtig Gas gegeben, bis weder er noch der Gast, der dabei war, hinterher kamen. Als Bergführer solltest du genau das eigentlich nicht machen – sondern ein Tempo gehen, bei dem deine Gäste den ganzen Tag laufen können. So lernt man es auch in der Ausbildung. Aber als der Prüfer gemerkt hat, dass ich fitter bin als er, hat er mich plötzlich mit Respekt behandelt. Da denke ich mir: Das ist einfach bescheuert.

Foto: Sebastian Wolf
Du warst in deiner Karriere schon oft die Erste. 2011 zum Beispiel warst du im ersten Frauen-Expedkader des Deutschen Alpenvereins (DAV).
Der Expedkader ist ein Förderprogramm für junge, starke Alpinisten. Am Anfang gab es ein gemischtes Team mit nur einer einzigen Frau. Als wir dann mal mehrere Frauen bei einer Sichtung waren [Anm.: dem Auswahlverfahren], haben sie einen Frauenkader aufgemacht. Dort lernt man alle Spielarten des Bergsteigens und das logistische Know-how, um eine Expedition vorzubereiten. Der Abschluss war meine erste Expedition ins Himalaya.
Du und zwei deiner Kolleginnen werden in einem Artikel des DAV über den Expedkader als die „furchtlosen Drei“ bezeichnet. Woher nimmst du deine Furchtlosigkeit?
Gute Frage. Ich habe auf jeden Fall einen starken Kopf. Und das Mentale ist am Berg mindestens so wichtig wie Kraft oder Technik. Wobei das nicht heißt, dass ich keine Angst habe – Angst ist meine Lebensversicherung. Aber eine Panik, also eine unkontrollierbare Angst, habe ich zum Glück nicht. Es ist eher eine Angst, die mir dann zeigt: Jetzt muss ich aufpassen und voll konzentriert sein, hier darf nichts schiefgehen. Und im Zweifel sagt sie mir, ich muss umdrehen. Denn wenn am Berg etwas passiert, kann das fatale Folgen haben.
Fällt es dir leicht, umzudrehen?
Das kommt drauf an. Es ist vor allem dann schwierig, wenn die Situation nicht eindeutig ist und man nicht weiß: Kann ich noch weiter pushen oder nicht? Aber wenn es klar keinen Sinn mehr macht, dann ist die Entscheidung easy. Das gehört zum Risikomanagement dazu.
Vielen Leuten ist nicht bewusst, dass wir am Berg Tausende Male umdrehen. Man sieht immer die großen Erfolge. Nur wenn man nicht oben war, interessiert es niemanden. Aber ich habe zu viele Freunde am Berg verloren, deswegen ist das Umdrehen für mich auf keinen Fall etwas Negatives.
WISSEN TO GO: Der DAV-Expedkader
Der DAV-Expedkader (kurz für: Expeditionskader) ist ein dreijähriges Förderprogramm des Deutschen Alpenvereins für besonders leistungsstarke Alpinist*innen. Caro North war Teil des allerersten Frauen-Expedkaders, der 2010 unter Pionierin Dörte Pietron in die Ausbildung startete. Erklärtes Ziel des Programms ist es, den Nachwuchs für den leistungsorientierten Alpinismus auszubilden – und den Einstieg in eine professionelle Laufbahn als Expeditionsbergsteigerin zu fördern. Den Abschluss der Ausbildung bildet eine Expedition ins anspruchsvolle Hochgebirge, bei der das Team alpine Herausforderungen wie Erstbegehungen oder Erstbesteigungen meistert. Caros Abschlussexpedition führte sie 2013 in den Garhwal-Himalaya in Nordindien, wo sie gemeinsam mit ihrer Gruppe mehrere Erstbegehungen absolvierte.
Bei deiner letzten großen Expedition warst du in Patagonien, um mit der ersten Frauenseilschaft überhaupt die „South African Route“ an der Ostwand des Torre Central del Paine zu klettern. Wie muss man sich diese Wand vorstellen, wenn man davor steht?
Sie ragt 1200 Meter vertikal über einem in die Luft. Ziemlich steil und ziemlich anspruchsvoll. Gerade die ersten Seillängen waren schwieriger zu klettern, als wir gedacht hatten. Der Fels war schlechter als es auf dem Papier hieß, und es war schwierig, abzusichern.
Wie seid ihr vorgegangen?
Das Besondere an Patagonien ist, dass man viel schlechtes Wetter mit Wind, Regen und Schnee hat. Dadurch ergibt sich meist nur ein Zeitfenster von maximal ein bis drei Tagen. Gleichzeitig sind die Berge sehr anspruchsvoll. Normalerweise klettert man also sehr schnell eine lange Strecke. Dieses Jahr haben wir eine andere Technik angewandt, bei der man tagelang in der Wand bleibt und schlechtes Wetter aussitzt. Selbst wenn man nur wenige Stunden gutes Wetter am Tag hat, kann man die nutzen. So haben wir insgesamt 13 Tage in der Wand verbracht, bis wir oben waren.

Foto: Sebastian Wolf
Wie habt ihr Equipment und Verpflegung mitgenommen und in der Wand übernachtet?
Alles, was man braucht, zieht man über Seile hoch in die Wand. Man schläft in sogenannten Portaledges. Das sind Zelte, die man in die Wand hängt.
Und wie arbeitet man sich dann im Laufe der 13 Tage hoch?
Eine Person steigt eine Seillänge vor und dann kommt jemand hinterher und holt auf dem Weg die Sicherungsmittel wieder aus der Wand. Dann bringen wir ein statisches Seil an, das Fixseil. Das erlaubt uns, das Stück bis zum Portaledge wieder zurückzukommen, dort zu übernachten und in den nächsten Tagen am Fixseil immer wieder aufzusteigen.
Irgendwann muss man das Portaledge weiter hochverlegen. Dafür haben wir uns den besten Wettertag ausgesucht, denn während dieser Zeit ist man ohne Rückzugsort voll ausgesetzt. Ausgerechnet an dem Tag hat es aber angefangen zu schneien und es wurde immer schlimmer. In so einem Moment darf nichts schief gehen. Man muss sich weiterbewegen, sonst bekommt man schnell Erfrierungen. Wir konnten das Camp dann wie geplant am nächsten Platz aufbauen. Trotzdem wussten wir zwischenzeitlich nicht, ob wir es überhaupt auf den Gipfel schaffen.
Als wir tatsächlich oben waren, haben wir uns voll gefreut. Wir wussten aber auch, dass wir den ganzen Weg wieder runter müssen. Letztendlich haben wir vielleicht zehn Minuten auf dem Gipfel verbracht.
Von diesem Schneesturm gibt es auch ein Video von dir auf Instagram. Darauf sieht man dich lachend in der Wand hängen, während dir der Schnee um den Kopf wirbelt. Überhaupt sieht es auf deinem Account immer so aus, als hättest du den Spaß deines Lebens. Wie geht das in so einer Extremsituation?
Wir nennen das beim Klettern “Type-Two-Fun”. Es ist nicht die Art von Spaß, die man hat, wenn man auf der Couch sitzt und Filme schaut. Sondern es ist sauhart und anstrengend. Aber wenn du in solchen Momenten die gute Laune und Energie verlierst, wird es noch viel schwieriger. Denn wir haben ja keine Wahl: Wir müssen da durch. Das geht besser mit einer positiven Einstellung, die einen motiviert.
Du könntest in deinem Content auch mit deinen Erfolgen angeben, stattdessen steht immer die Abenteuerlust im Fokus. Ist das eine bewusste Entscheidung?
Das ist einfach mein Typ. Ich mache das alles aus einer extremen Leidenschaft. Ich habe so viel Feuer in mir für das, was ich mache. Und es geht mir nicht darum, irgendwem etwas zu beweisen.
Ich würde gern noch mit dir über eine andere Expedition sprechen: 2022 bist du mit einem Team aus Frauen nach Grönland gesegelt. Dort habt ihr die Ostwand des Northern Sun Spire erklettert, was vor euch noch nie jemand gemacht hat.
Das war eine wahnsinnig krasse Expedition. Wir waren drei Monate unterwegs. Durch die Reisen ist der Bergsport nicht der klimafreundlichste Sport, gleichzeitig sehen wir die Auswirkungen des Klimawandels in den Bergen ständig. Deshalb hatten wir uns vorgenommen, ohne Flugzeug nach Grönland zu kommen.
Eine Freundin von mir ist Kapitänin und schon mal nach Grönland gesegelt. Herausfordernd war es, ein Team zu finden, das sich drei Monate freinehmen konnte – und ein Boot. Die Eisberge machen das Segeln relativ gefährlich. Da will dir keiner sein Boot vermieten. Irgendwann haben wir einen Franzosen gefunden, der ganz begeistert von unserem Projekt war. Im Endeffekt haben wir zwei Jahre gebraucht, um diese Expedition auf die Beine zu stellen, um zu trainieren, alles vorzubereiten, aber auch um Sponsoren zu finden.
Wie steht es allgemein um Finanzierungsmöglichkeiten in deinem Sport?
Es ist ganz klar, dass die Männer viel mehr kriegen als die Frauen. Es ist verdammt schwer, als Athletin davon leben zu können. Auch das war lange mit ein Grund für mich, nebenher als Bergführerin zu arbeiten. Mittlerweile habe ich ganz gute Sponsorenverträge. Bergführerin bin ich immer noch, weil es einfach saumäßig Spaß macht. Und dadurch bin ich auch nicht allein von meinen Sponsoren abhängig.
Den zweiten Teil des Interviews lest ihr nach den Spotlights. Caro erzählt noch mehr von ihrem Abenteuer in Grönland, spricht über die Herausforderung, loszulassen – und über die Personen, die ihren Weg am meisten geprägt haben.
SPOTLIGHTS
Finale, Finale, Finale, Finale! Achtung, Medaillen-Overload incoming! “Die Finals” sind ein Multisport-Event, bei dem die unterschiedlichsten Sportarten – vor allem all jene, die sonst eher um Aufmerksamkeit kämpfen müssen – ihre deutschen Meisterschaften ausrichten. In Hannover messen sich vom 23.-26. Juli fast 4.000 Athletinnen und Athleten in über 20 Sportarten – darunter Breakdance, 3×3-Basketball, 7er-Rugby, Flag Football, Windsurfen, Rhythmische Sportgymnastik und Segeln. Insgesamt werden 143 deutsche Meistertitel vergeben. ARD und ZDF übertragen ausgiebigst im Livestream: Hier findet ihr die Streams der ARD, hier die des ZDF.
Watch the Femmes 18.795 Höhenmeter: Diese Herausforderung wartet auf die 154 Starterinnen der Tour de France Femmes, die am 1. August in der Schweiz beginnt und in Nizza endet. Auf neun Etappen durch Jura, Massif Central und Alpen zählt die fünfte Ausgabe zu den härtesten der Geschichte. Schon im Vorfeld sorgt ein Hauptsponsor für Aufmerksamkeit – indem er Vandalismus in Kunstwerke verwandelt. Aus Hunderten von unnötig expliziten Graffiti, die sogenannte “Fans“ entlang der Strecke der Männertour hinterlassen haben (Stichwort: Dickpic, nur eben auf Asphalt gesprayt), entstehen Kunstwerke, die das Frauenrennen feiern. Die sogenannten “Eraser Men” übermalen sie mit Schablonen von Künstlerinnen – und verwandeln sie so, noch vor der offiziellen TV-Ausstrahlung der Rennen, in kreative Kunstwerke und Werbeflächen für die Tour de France Femmes. Lieben wir. #watchthefemmes? Das geht in der ARD (ganz linear, im TV!) und in der ARD-Mediathek.
Die Allererste Sigrid Eichner, Jahrgang 1940, hat bereits 2434 Marathonläufe hinter sich. Das SZ-Magazin hat sie getroffen, um nachzuspüren, was sie antreibt. Noch schöner: Lena Giovanazzi, die für uns Svenja Brunckhorst für unseren Newsletter #3 fotografiert hat, hat die Fotos von Sigrid beigesteuert.

Foto: Sebastian Wolf
“Die Achttausender motivieren mich gar nicht.”
Hier kommt der zweite Teil des Interviews mit Caro. Es geht um das Geschlechterverhältnis am Berg und um die Berge und Expeditionen, die Caro am meisten reizen.
Durch starke Stürme auf dem Nordatlantik habt ihr länger nach Grönland gebraucht als geplant. Auch dort hattet ihr wegen schlechtem Wetter nur ein kurzes Zeitfenster. Wie habt ihr trotzdem eure Erstbegehung geschafft?
Wenn wir nicht so ein geniales Team gewesen wären, hätten wir wahrscheinlich in Island aufgegeben. Aber wir haben uns untereinander alle unterstützt. Die ganze Expedition war ein Geduldsspiel. Am Ende hatten wir dreieinhalb Tage gutes Wetter, in denen wir in die Wand einsteigen konnten. Wir haben uns eine Linie ausgeschaut, die aussah, als könnten wir dort hochkommen. Denn der Fels braucht genug Strukturen oder Risse, damit man klettern kann. Wenn du irgendwann vor einer blanken Wand stehst, kommst du nicht weiter. Und wir hatten keine zweite Chance.
Wir haben wieder in der Wand geschlafen. Am letzten Tag war klar, dass abends das Wetter schlecht werden würde und wir um 12 Uhr umdrehen müssen – egal wo wir dann sind. Wir haben Gas gegeben und irgendwann habe ich geahnt: Wir können das schaffen. Und tatsächlich standen wir um Punkt 12 oben.
Wie hat sich das angefühlt?
Das war ein krasses Glücksgefühl. Wir hatten so lang daraufhin gearbeitet: zwei Jahre Planung, sechs Wochen Segeln plus der Weg zur Wand. Es war ein Erfolg vom ganzen Team. Unsere befreundeten Seglerinnen, die nicht mit geklettert sind, haben uns mit dorthin gebracht.
Was reizt dich an den ausgesetzten Gegenden und Erstbegehungen? Du könntest dir ja auch die Achttausender vornehmen. Warum stattdessen die Wand in Grönland?
Die Achttausender motivieren mich gar nicht. Da sind 10.000 Leute am Berg, und technisch ist es nicht anspruchsvoll. Ich klettere am liebsten möglichst steil und möglichst lang. Das geht an niedrigen Bergen besser, denn bei den hohen ist die Luft zu dünn. Ich liebe das Abenteuer und das Erkunden von Orten, wo noch niemand war. So etwas motiviert mich.
Eure Route auf den Northern Sun Spire durftet ihr benennen. Warum habt ihr euch für „Via Sedna“ entschieden?
Sedna ist die Göttin des Meeres in Grönland. Das passte natürlich wunderbar, weil wir die meiste Zeit auf dem Meer unterwegs waren und Sedna auch noch eine Frau ist. Wir haben unser ganzes Projekt Via Sedna genannt. Uns war klar, dass die Route auch so heißen muss.
Hat sich beim Geschlechterverhältnis am Berg im Vergleich zu früher etwas getan?
Auf jeden Fall. Heutzutage gibt es viel mehr Frauenseilschaften. Auch bei den Expeditionsteams bewerben sich mittlerweile viele Frauen, von denen hinterher auch viele Bergführerinnen werden. Aber wir sind noch weit entfernt von einem ausgeglichenen Verhältnis.

Foto: Sebastian Wolf
Unser Projekt heißt ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN. Wer hat dich auf deinem Weg begleitet?
Sehr viele Menschen. Es ist wirklich so, allein schafft man es nicht. Gerade am Anfang waren meine Eltern sehr wichtig. Damit ich mit 16 Jahren meine erste Expedition in Patagonien machen konnte, haben sie mir sämtliche Papiere beim Notar unterschrieben, weil ich noch minderjährig war. Sie haben nie gesagt: Oh Gott, wie gefährlich, bitte mach das nicht. Ich hatte immer ihren Rückhalt. Erst viel später haben sie mir gesagt, wie viel Angst sie auch hatten und wie hart das zum Teil für sie ist.
Mittlerweile bist du auch Trainerin beim Schweizer Expeditionsteam – dem Pendant zum deutschen Expedkader – und bildest dort junge Alpinistinnen aus. Wie ist diese neue Rolle für dich?
Das ist total schön. Ich habe viel Erfahrung, die ich weitergeben kann. Aber es ist auch verdammt stressig. Denn wenn ich sonst bergführen gehe, habe ich meinen Gast am Seil und kümmere mich um seine Sicherheit. Ich gehe voraus und er kommt hinterher. Beim Expeditionsteam versuche ich, den Mädels eine gute Ausbildung zu geben, durch die sie möglichst sicher sind und alles können. Ab dann gehen sie voraus und ich hinterher. Da loszulassen, ihnen zu vertrauen und eine gewisse Kontrolle abzugeben, war für mich auch eine anspruchsvolle Rollenveränderung.

Foto: Sebastian Wolf
Katharina Köhler hat vor einigen Wochen mit Caro gesprochen. Katharina ist eine der ersten Journalistinnen, der wir im vergangenen Jahr von ERSTE erzählt haben. Sie war sofort Feuer und Flamme – und hat ausgiebig mit uns gebrainstormt. Schon früh warf sie Caros Namen in den Ring – oder eher: ins Google Doc –, als eine der Athletinnen, die wir unbedingt interviewen sollten. Damals noch im Volontariat, wurde ihr dann eine feste Stelle angeboten (die gibt es noch im Journalismus!), sie musste ihr Engagement für ERSTE also zunächst zurückschrauben. Dass sie trotzdem mit Caro gesprochen hat, freut uns ungemein. Gleiches gilt für den Antrieb von Fotograf Sebastian Wolf, der mit Caro losgezogen ist, um Fotos von ihr am Berg zu machen. Und eigens dafür seinen Sommerurlaub nach Chamonix verlegt hat. Redaktion und Lektorat: Nicole McDermott, Katharina Köhler, Katalina Farkas, Aron Farkas. Fotos: Sebastian Wolf. Layout: Anna Kraus
PS: Caro hat uns einige Fotos von ihren Expeditionen zur Verfügung gestellt. Sie sind wirklich beeindruckend! Und nichts für schwache Nerven.

Foto: Caro North

Foto: Caro North

Foto: Caro North

Belèn Prados, Amelie Kühne, Caro North und Julia Cassou. Foto: Caro North
ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN, kurz: ERSTE, ist ein Newsletter, ein Magazin, ein Podcast, eine Mission. Wir schreiben die Geschichten des Sports der Frauen neu. Abonniert diesen Newsletter, wenn ihr ebenfalls findet, dass Profisportlerinnen mehr Sichtbarkeit verdient haben. Und schreibt uns! Wir freuen uns über jegliche Hinweise, Ideen und Vorschläge – und über neue, noch nicht erzählte Geschichten. [email protected]
Der nächste Newsletter erscheint am Donnerstag, den 6. August. Danke, dass ihr am Start seid <3
