Schön, dass du dabei bist!
Es geht in dieser Ausgabe um Basketball, Goldmedaillen, veraltete Strukturen und die Last der Olympischen Spiele.
Aber first things first. Auch, wenn die öffentliche Debatte schon wieder abflacht: Wir müssen weiter darüber sprechen, wie wir über Frauen sprechen. Und wir dürfen nicht aufhören, Kommentare zu benennen, die – ob bewusst oder nicht – abwertend oder misogyn sind.
Wait, what?!
Die Olympischen Spiele sind vorbei. Und wir haben sie so sehr gefeiert! Die vielen großen und kleinen Momente der Athletinnen, von denen so viele wie nie zuvor bei den Winterspielen angetreten sind. Aber ein präsidialer Kabinenwitz auf Kosten der US-Eishockeyspielerinnen nach ihrem erneuten Olympiasieg sowie die überholte Wortwahl einiger Kommentatoren während des Turniers zeigen: Wir sind noch lange nicht am Ziel.
US-Eishockey-Kapitänin Hilary Knight brachte es später auf den Punkt: Man müsse hinschauen, wie über Frauen im Sport – und in anderen Branchen – gesprochen werde. Frauen seien nicht weniger wert, ihre Leistungen dürften nicht relativiert oder überlagert werden. Und doch lag die Last der Erklärung mal wieder bei… dreimal dürft ihr raten.
Was hilft? Aufmerken. Widersprechen. Immer wieder. Das gilt auch und vor allem für Männer.
Und jetzt zum Sport
Dabei gibt es so viel Gutes zu berichten. 12.000 Menschen schauten das Volleyball-Pokalfinale in Mannheim. In Australien wurde eine Formel-1-Kurve nach der Ingenieurin Laura Müller benannt. Und US-Musiker Flavor Flav (über dessen fragwürdige Reality-TV-Karriere wir an dieser Stelle hinwegsehen) lädt die US-Eishockeyspielerinnen nach Las Vegas ein – zusammen mit allen anderen weiblichen US-amerikanischen Athletinnen und Para-Athletinnen. Er nutzt seine Reichweite außerdem, um all jene Brands, die jetzt eine perfekte Marketinggelegenheit wittern und auf den Zug aufspringen, dazu aufzufordern, die Athletinnen künftig auch finanziell zu fördern – und nicht nur mit Produkten. Lieben wir.
Schauen wir nach Berlin
In Charlottenburg wurde am vergangenen Wochenende ein kleines Basketballfest gefeiert: das DBBL-Pokal-Top 4, das Finalturnier um den deutschen Pokal im Frauenbasketball – gewissermaßen das Pendant zum DFB-Pokal. Vier Teams, zwei Halbfinals, Spiel um den dritten Platz und Finale an einem Ort. Die Underdogs vom BC Marburg feierten ihren dritten Platz wie einen Titel. Das Finale zwischen Alba Berlin und Keltern entwickelte sich vor voller Halle zu einem echten Krimi, den Alba erst in der Overtime für sich entschied. Dramaturgie? Check. Atmosphäre? Check. Storytelling-Potenzial? Riesig.
Eine, die jetzt schon daran arbeitet, Basketball in Deutschland nach vorne zu bringen, ist Svenja Brunckhorst. Basketballerin, Olympiagold-Gewinnerin, Managerin für Mädchen- und Frauenbasketball bei Alba Berlin. Während des Turniers hat sie sich viel Zeit genommen, um mit uns zu sprechen – auch, weil sie ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN schon von Beginn an unterstützt hat. Im vergangenen Dezember haben wir uns zum ersten Mal darüber ausgetauscht, und ihre direkte Reaktion war: Let’s do this.
Als Vertreterin einer wachsenden, aber immer noch kleinen Sportart, weiß sie aus erster Hand, wie wichtig es ist, den Sportlerinnen eine Bühne zu bereiten – dort hinzuschauen, wo es andere vielleicht nicht tun.
Projekt: ERSTE
Das tun wir mit ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN. Im Newsletter, der alle zwei Wochen erscheint. Und im Magazin, für das wir gerade die ersten Geschichten konzipieren. Es ist das erste in Deutschland, das sich einzig und allein dem Sport der Frauen widmet. Auf unserer Website erfahrt ihr bald mehr über unsere Pläne. Dort könnt ihr euch auch für den Newsletter anmelden, sollte euch diese Ausgabe von anderswo zugespielt worden sein.
Ansonsten gilt wie immer: Unterstützt uns, in dem ihr anderen vom Projekt erzählt. Leitet den Newsletter an Sportbegeisterte und Fans weiter, folgt uns bei Instagram, tauscht euch mit uns aus. Wir freuen uns über jede und jeden, der oder die mitliest. Und auf eure Ideen, Gedanken und Vorschläge unter: [email protected]
Ready, set, go!

Foto: Lena Giovanazzi
“Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen.”
Svenja Brunckhorst wird 2024 auf die ganz große sportliche Bühne katapultiert: Im 3x3-Basketball gewinnt sie bei den Olympischen Spielen in Paris zusammen mit Sonja Greinacher, Marie Reichert und Elisa Mevius die Goldmedaille. Als langjährige Stammspielerin des TSV Wasserburg – früher regelmäßiger Meisterschaftsgarant, heute zweitklassig unterwegs – und als Kapitänin der deutschen Basketball-Nationalmannschaft prägt sie schon während ihrer aktiven Karriere den deutschen Basketball. Jetzt, im spielerischen Ruhestand angekommen, arbeitet sie für Alba Berlin als Managerin für Frauen- und Mädchenbasketball.
Svenja, das Finale am Sonntag war ein echter Krimi mit einem Überraschungssieg für Alba. Wie hast du dich beim Abpfiff gefühlt?
Es war unglaublich. Ich bin so stolz auf das Team. Es war eine wahnsinnige Stimmung in der Halle, ich war einfach nur überglücklich. Das Team und alle drum herum haben es sehr verdient, und daher war die Freude über den Sieg wirklich sehr, sehr groß.
Die Halle war an beiden Tagen fast voll, am Sonntag waren knapp 2400 Fans da, darunter viele Kids. Was macht das mit dir?
Extrem viel. Wir haben am Samstag vor dem Turnier ein Basketballcamp für Mädchen veranstaltet und mussten die Anmeldungen irgendwann stoppen, weil so viel Interesse da war. Die Kinder kamen aus Berlin, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und haben diesen Weg auf sich genommen, um so ein Wochenende zu erleben. Und als diese 120 Mädels dann später in der Viertelpause auf dem Spielfeld standen, war das schon sehr besonders.
Schaust du manchmal in die Ränge und denkst: Wow, wie weit sind wir gekommen? So gut besucht waren die Pokal-Wochenenden ja sicher nicht immer.
Ich habe gestern noch mit Marie Gülich (der aktuellen Nationalmannschaftskapitänin), darüber gesprochen, dass wir mal in Wolfenbüttel vor 500 Leuten gegen Belgien gespielt haben. Den amtierenden Europameister! Und dass dieses Turnier vor fast zweieinhalbtausend Menschen größer ist als manches Länderspiel der letzten Jahre. Das macht mich sehr stolz. Wir haben einen langen Weg hinter uns.
Ist das echter Wandel, den wir gerade sehen, oder eher eine Momentaufnahme?
Es fühlt sich an wie Wandel. Der ist immer noch schleppend. Aber in vielen Landesverbänden passiert was. Es gibt Stellen, die geschaffen werden, kleine Vereine und Initiativen, die sich neu gründen und richtig Bock darauf haben.

Foto: Lena Giovanazzi
Wenn ich jetzt fragen würde, ob wir alle schon genug über den Basketball der Frauen sprechen, würde ich als Fan direkt selbst die Antwort geben und sagen: Nein. Wie siehst du das?
Vor einem Jahr hätte ich klar Nein gesagt. Jetzt sage ich: Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen. Aber im Jahr der Heim-WM in Berlin und seit der Europameisterschaft im letzten Jahr habe ich schon das Gefühl, dass es mehr geworden ist. Vielleicht bin ich da auch zu sehr in meiner Blase. Aber in diesem Jahr sind auch viel mehr Medienvertreter hier, dazu Influencer, Ehrengäste und coole Leute, die Content machen.
Meinst du, dass die Vereine da auch noch mehr machen könnten?
Das wollen bestimmt viele, weil sie verstanden haben, dass das der nächste Schritt ist, aber es scheitert an den Ressourcen.
Die DBBL versucht, sich zu professionalisieren, und hat sich ein paar Auflagen verpasst: hauptamtliche Mitarbeiter*innen, LED-Bandenwerbung, kommentierte Übertragungen, Förderung deutscher Spielerinnen und des weiblichen Nachwuchses. Vereine wie Alba gehen voran, kleinere halten sich eher zurück und sagen: Das wollen wir nicht.
Ja, und ich glaube, das müssen wir auch verstehen. Es bringt nichts, wenn wir allein vorangehen. Bei Alba Berlin konzentrieren wir uns nicht nur darauf, ein Profiteam zu schaffen, wir investieren auch in den Nachwuchs. Wir wollen die Liga voranbringen. Aber wir müssen auch erstmal unsere eigenen Hausaufgaben machen. Und wir müssen auch die respektieren, die geringere Ressourcen haben. Es bringt nichts, wenn wir übers Ziel hinausschießen. Wir müssen denselben Pace gehen. Ich wünsche mir manchmal, dass wir Dinge schneller umsetzen könnten, dass man nicht so in den Strukturen gefangen ist. Aber es ist eben auch schwierig, über Jahrzehnte gewachsene Strukturen aufzubrechen.
In diesem Jahr findet die Basketball-WM in Berlin statt. Deutschland hat ein starkes Team, aber die Leistungsträgerinnen spielen im Ausland. Was müsste sich tun, damit Ausnahme-Basketballerinnen wie Leonie Fiebich oder Satou Sabally künftig auch in Deutschland bleiben?
Die Spielerinnen spielen in den besten Ligen, in der WNBA oder in Teams der EuroLeague, weil sie super competitive sind. Sie wollen sich auf dem höchsten Level weiterentwickeln. Die deutsche Liga ist noch nicht stark genug, um sie hier zu halten. Dazu kommen natürlich die Finanzen.
Wie viele Vollzeit-Profibasketballerinnen gibt es eigentlich in Deutschland?
Einige, aber noch viel zu wenige.
Im zweiten Teil des Interviews geht es um das Ende von Svenjas Sportkarriere und um ihren Übergang in den Berufsalltag. Der Umstieg war kein leichter, zumal er direkt nach den Olympischen Spielen erfolgte, dem Höhepunkt ihrer sportlichen Karriere. Aber zuerst einmal die Spotlights.
SPOTLIGHT I
Fußball: WM-Quali? Läuft! Die Fußballnationalmannschaft der Frauen ist mit einem Ausrufezeichen in die WM-Qualifikation gestartet. Im Auftaktspiel siegte die DFB-Elf Dienstagabend mit 5:0 gegen Slowenien. Besonders schön: Die erst vergangene Woche nachnominierte Larissa Mühlhaus feierte gleich doppelt – erster Einsatz, erstes Tor. Da freuen sich nicht nur die mitgereisten Fans aus Bremen. Am Samstag geht es dann nach Stavanger zum zweiten Gruppenspiel gegen Norwegen.
Eishockey: Playoffs, Baby! Die amtierenden Meisterinnen vom ECDC Memmingen haben schon beim ersten Playoffs-Wochenende ihre Favoritenrolle klar unter Beweis gestellt. Gegen die ERC Ingolstadt Panther hat das Team aus dem Allgäu mit zwei Siegen den Weg in Richtung Finale geebnet. In der Best-of-Five-Serie fehlt Memmingen jetzt nur noch ein Sieg. Wer im Finale warten wird, bleibt spannend. HK Budapest und die Eisbären Juniors Berlin haben je einen Sieg verbucht.
Volleyball: Doppelt hält besser. Wegen der hohen Nachfrage nach Tickets für das Vorbereitungsspiel der Volleyballerinnen gegen die Niederlande im Mai, haben die Verantwortlichen kurzerhand ein weiteres Länderspiel für den darauffolgenden Tag vereinbart. Ein weiteres Indiz, dass Volleyball boomt: 450.000 Mitglieder, ein Plus von 70.000 in drei Jahren. Besonders schön: Im Volleyball sind Frauen fast genauso stark vertreten wie Männer. Und beim Pokalfinale in Mannheim holten sich am 28.2. die Volleyballerinnen vom VfB Suhl nach 18 Jahren wieder den Titel – vor 12.000 Zuschauer*innen.
Formel 1: In Her Corner Die erste weibliche Renningenieurin Laura Müller vom Rennstall Haas bekommt ihre eigene Kurve. Als Teil der Initiative “In Her Corner”, die Mädchen für MINT-Berufe begeistern soll, werden ihr und Red-Bull-Rennstrategin Hannah Smitz beim Großen Preis von Australien Kurve 6 gewidmet. Wer hätte gedacht, dass eine Karriere im MINT-Bereich dazu führen würde?
Rugby in Deutschland: Wait what? Richtig gelesen. Der ursprünglich angelsächsische Sport, der mit Wucht, Matsch und Laufduellen assoziiert wird, hat seine Nationalmannschaft in die Europe Womens Trophy geschickt. Die deutschen Phönixe schlugen zum Auftakt Finnland beeindruckend mit 68:0. Am 4. April heißt es dann gegen Schweden: the winner takes it all! Auch wenn der Sport (noch) klein ist, sind Aufwand und Leistungsbereitschaft der Spielerinnen beachtenswert.
“Dieser Olympiasieg hat uns auf einen Sockel gehoben, für den wir nicht bereit waren.”
Ihr seid noch dabei, toll! Im zweiten Teil des Interviews spricht Svenja über die Olympia – und das Achterbahnjahr danach. Es geht darum, wo sie sich Hilfe gewünscht hätte, und wer bis heute ihr großes Vorbild ist.
Du hast deine aktive Karriere 2024 nach deinem Olympiasieg beendet und bist jetzt Managerin für Frauen- und Mädchenbasketball bei Alba. Wie hast du den Übergang erlebt? Wie geht es dir in einem Alltag voller Meetings?
Das war eine riesige Umstellung. Aber auch ein Thema, über das viel zu wenig gesprochen wird. Du definierst dich dein Leben lang als Athletin. Das ist eine sehr intensive Zeit. Und dann fällt das auf einmal weg. Ich glaube, dass Athletinnen und Athleten stärker in diesem Prozess begleitet werden müssen.
Gerade wird viel darüber gesprochen, wie es Athletinnen und Athleten nach den Olympischen Spielen geht, was mental passiert. Wie ging es dir damals?
Das Jahr nach Olympia war mein Rollercoaster-Jahr. Zuerst war ich wie auf einer Wolke, dann bin ich gleich in den Arbeitsalltag eingestiegen und nach Berlin gezogen. Ich war aber auch total viel unterwegs für Interviews und Events, weil sich nach Olympia so viele Türen geöffnet haben. Ich hatte gar keine Zeit, darüber nachzudenken oder runterzukommen. Ich konnte gar nicht damit abschließen, mit diesem krassen Ereignis. Aber irgendwann hat es mich eingeholt, und ich habe wirklich gekämpft.
Wie hat sich das gezeigt?
Ich war fertig, körperlich und mental, das haben auch viele aus meinem Umfeld bemerkt. Sie meinten, ich müsse mehr auf mich achten, aber ich war wie im Hamsterrad. Der Olympiasieg ist größer als alles andere. Wenn wir Weltmeisterinnen im 3x3 geworden wären, hätte es wahrscheinlich niemanden interessiert. Dieser Olympiasieg, diese große Bühne und dass diese Sportart so on display war in Paris, hat uns auf einen Sockel gehoben, für den wir nicht bereit waren. Wir haben fantastische Dinge erlebt. Dinge, die ich nicht missen wollen würde. Es war auch ein riesiger Türöffner, eine ganz besondere Zeit. Aber vorher hatten wir bei Spielen vielleicht mal zwei Leute von der Presse da. Und da hängen dir auf einmal hunderte Kameras im Gesicht. Und du musst immer irgendwie da sein. Da wird man schon sehr müde.
Was hat dir geholfen?
Ich war letztes Jahr im Urlaub und für zwei Wochen komplett raus, war nicht erreichbar, kein Social Media, keine Benachrichtigungen. Ich kriege es sonst gar nicht mehr hin, nicht aufs Handy zu gucken. Das war wichtig. Ich habe die Alarmglocken schon sehr deutlich gehört.

Foto: Lena Giovanazzi
Glaubst du, dass es hilft, dass jetzt mehr über das Thema mentale Gesundheit gesprochen wird?
Total, und daher bin ich auch so offen und ehrlich mit dem Thema. Ich denke, viele trauen sich nicht, das anzusprechen oder reden nicht darüber. Aber es braucht diese Stimmen. Ich sehe es auch gar nicht als Schwäche. Ich sehe es als normalen Prozess in meinem Leben und als menschlich an. Wir sind keine Maschinen. Obwohl ich jung bin, habe ich gemerkt: Es gibt ein Limit. Und ich wusste nicht, wie ich mich darauf vorbereiten kann. Ich hätte mir da auch mehr Hilfe von außen gewünscht.
Die langjährige Fechterin Léa Krüger hat es letztens so zusammengefasst: Bei einem Kreuzbandriss gibt es ein Supportsystem, um in den Sport zurückzukommen. Im mentalen Bereich gibt es das nicht.
Ich wurde nach Olympia noch ein Jahr von meiner Sportpsychologin vom Olympiastützpunkt in Niedersachsen begleitet. Das Angebot habe ich am Anfang gar nicht so wahrgenommen, weil ich keine Zeit hatte. Aber es ist halt auf ein Jahr begrenzt. Ich hätte mir schon noch ein bisschen mehr gewünscht, auch eine sportmedizinische Kontrolle beim Abtrainieren, ob alles in Ordnung ist. So etwas fehlt.

Fotos: Lena Giovanazzi
Wie denkst du heute über den Moment des Olympiasiegs?
All good. Das wird immer da sein, mein Leben lang. Ich sehe es auch täglich an meinem Tattoo. Aber es ist halt ein Prozess. Die Zeit hilft, so etwas zu verarbeiten. Aber es war der beste sportliche Moment, den ich in meinem Leben hatte, und der wird für immer bleiben. Auch mit meinem Team, das ich immer in meinem Herzen trage.
Unser Newsletter heißt ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN: Wer oder was hat dir da am meisten geholfen auf deinem Weg dahin?
Anne Delafosse, früher Breitreiner. Sie war die Spielerin, zu der ich aufgeschaut habe, als ich zehn war. Sie hat mich begleitet und ist heute noch in meinem Umfeld. Sie war mein sportliches und mein privates Vorbild, als Stütze, als Inspiration. Ich habe jeden Schritt meiner Karriere mit ihr besprochen, sie hat mir geholfen, meinen Verein in Frankreich zu finden, und so weiter. Wir haben auch vor Olympia kurz über die Diskussion 3x3 oder 5 gegen 5 geredet. Ich habe mir ihre Meinung angehört. Wir stimmen nicht immer überein, aber es war mir einfach wichtig, ihre Perspektive zu hören.
Du hast ERSTE von Anfang an unterstützt – was hat dich dazu bewogen?
Ich finde das Format toll und die Leute, die dahinterstecken, und war vom ersten Moment an überzeugt. Mir war sofort klar, dass ich da gerne dabei sein möchte. Das ist so wichtig, hat eine riesige Relevanz und wir sind einfach so weit, dass wir so etwas brauchen.
Vor den Olympischen Spielen von Paris 2024 stand Svenja sowohl im regulären Basketball-Nationalmannschaftskader als auch im 3x3-Kader, musste sich aber aus logistischen Gründen für eine Variante entscheiden. Sie wählte 3x3 und spielte ein überragendes Turnier auf dem Place de la Concorde. Der Rest ist Geschichte. Interview: Katalina Farkas. Redaktion und Lektorat: Katalina Farkas, Nicole McDermott, Nina Probst, Fred Grimm. Fotos: Lena Giovanazzi. Fotoredaktion: Katrin Binner.
SPOTLIGHT II
Keltern? Keltern.
Wenn die Basketballerinnen nicht wären, wäre Keltern im Schwarzwald wahrscheinlich allerhöchstens Weinkenner*innen ein Begriff. Aktuell aber führen die Rutronik Stars Keltern nach 20 Spielen mit lediglich einer Niederlage die Bundesliga klar an. Und auch weitere Statistiken haben Keltern längst auf die Basketball-Landkarte gerückt: sei es bei der Dreierquote oder den verwandelten Freiwürfen.
Mit 299 Punkten insgesamt ist Alex Wilke die Top-Scorerin der Liga. Die langjährige Nationalspielerin und Kapitänin der Rutronik Stars ist Leistungsträgerin und Aushängeschild der Mannschaft, die sonst viel auf ausländische Stars setzt. Aber die Lehrerin hat in Keltern ihre zweite Heimat gefunden.
Wie ist es einem mit 850 Mitgliedern vergleichsweise kleinen Sportverein gelungen, die Mannschaft auf Erfolgskurs zu bringen? Finanziell unterstützt wird Keltern vom langjährigen Sponsor und Namensgeber Rutronik Elektronische Bauelemente GmbH. Im deutschen Frauenbasketball, wo das Geld häufig knapp ist, ist das ein Vorteil. So kann der Verein den Spielerinnen annähernd professionelle Bedingungen bieten – auch, wenn die Heimspielstätte eine Schulturnhalle ist. Das hohe spielerische Niveau ermöglicht Keltern seit Jahren immer wieder Auftritte auf internationalem Parkett. Im EuroCup hat Keltern in dieser Saison ungeschlagen die Gruppe F gewonnen, eine Premiere im deutschen Basketball. In den Playoffs war dann aber in der ersten Runde Schluss.
Bis Keltern den amtierenden Rekordmeister Agon 08 Düsseldorf in der Bundesliga ablöst (12 Titel, mittlerweile in der Versenkung verschwunden), wird es zwar noch eine Weile dauern, doch seit dem Aufstieg 2015 ist die Mannschaft auf einem guten Weg. Vier Meistertitel sind schon geholt, ein fünfter könnte bald folgen. Nach dem Dämpfer beim Pokalwochenende in Berlin dürfte die Motivation groß sein, die Saison mit einem weiteren Meistertitel zu krönen.
WHAT TO WATCH
Wenn am Freitag (06.03.) die Eröffnungsfeier der Paralympischen Spiele stattfindet, werden Para-Athletinnen aus aller Welt für knapp zwei Wochen im Rampenlicht stehen. Das ZDF überträgt die Eröffnungsfeier (ohne deutsche Beteiligung) und die Wettbewerbe vom 06. bis 10. März im Livestream und TV, gefolgt von der ARD, die ab dem 11. März übernimmt. Eurosport ergänzt und überträgt die sportlichen Highlights.
Curling lovers, unite! Wir gehen fest davon aus, dass neue und alte Fans in Scharen nach Calgary pilgern werden, um die anstehenden BKT World Women’s Curling Championships 2026 vor Ort zu verfolgen. Die Deutschen sind nach der knapp verpassten Teilnahme an Olympia auch hier nicht vertreten, nervenaufreibende Spitzenpartien sind trotzdem vorprogrammiert. Ab dem 14.03., Curling Channel.
Bevor im September die Basketball-WM ansteht, spielen die deutschen Gastgeberinnen um Leonie Fiebich und Nyara Sabally ein Qualifikationsturnier in Lyon (auch wenn sie bereits qualifiziert sind). Es geht darum, als Team zusammenzufinden und Spielpraxis zu sammeln. Auftakt: Deutschland – Korea, 11.03., 17:00 Uhr, Magenta Sport.
ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN, kurz: ERSTE, ist ein Newsletter, ein Magazin, ein Podcast, eine Mission. Wir schreiben die Geschichten des Sports der Frauen neu. Abonniert diesen Newsletter, wenn ihr ebenfalls findet, dass Profisportlerinnen mehr Sichtbarkeit verdient haben. Und schreibt uns! Wir freuen uns über jegliche Hinweise, Ideen und Vorschläge – und über neue, noch nicht erzählte Geschichten. [email protected]
Unser nächster Newsletter erscheint am Donnerstag, den 19. März.
