
Schön, dass du dabei bist!
Hier schreibt Katalina von ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN. Bevor wir heute zum Sport kommen, muss ich ein kleines heart-to-heart loswerden.
Denn: Manchmal kann ich es kaum glauben, dass wir diesen Newsletter wirklich in die Welt gesetzt haben – und dass es so viele Menschen gibt, die ihn lesen. Wir gehen auf die 1000 Newsletter-Abos zu und ich fände es fantastisch, wenn wir die magische Zahl in diesem Jahr noch knacken würden.
In diesem Sinne kommt der Call to Action heute ganz am Anfang: Bitte leitet den Newsletter an eine Person weiter, von der ihr denkt, dass sie den Sport der Frauen genau so wichtig findet wie wir. Schaffen wir das? 💛💜
It’s the people!
Noch toller finde ich, dass hinter all diesen Abos und Mail-Adressen wirklich Menschen stecken. So richtig bewusst wurde mir das, als wir vor Kurzem zu einer Vernetzungsveranstaltung der Grünen Fraktion in den Bayerischen Landtag eingeladen wurden, um ERSTE dort vorzustellen.
Neben uns waren rund 300 andere Frauen vor Ort, deren gemeinsames Ziel es war, den Sport der Frauen (und Frauen im Sport) zu stärken. Allen voran Kathrin Lehmann, die ihrer an jenem Tag bereits mittelschwer lädierten Stimme voller Eifer den Rest gegeben hat, um ein paar wichtige Punkte zu machen. Die da wären: Es ist in Ordnung, die Beste sein zu wollen. Oder auch: die Erste. Wir dürfen Mut wagen. Wir sollten uns weniger entschuldigen. Uns besser vernetzen. Und vor allem: Seilschaften bilden. Viele Dinge, die wir uns hinter die Ohren schreiben werden. Unsere Autorin und Wegbegleiterin Nina Probst war mit am ERSTE-Stand und hat ihre Eindrücke des Abends auf LinkedIn aufgeschrieben.
Besonders schön fand ich es, dass viele neue Menschen an unseren Stand gekommen sind – aber auch viele, die ERSTE schon kannten und einfach mal Hallo sagen wollten. Das war wirklich, wirklich (wirklich!) fantastisch. Manchmal bin ich frustriert, wenn die Dinge nicht schnell genug vorangehen, weil wir euch nicht schon längst einen Shop präsentieren können, in dem ihr euer ERSTE-Abo abschließen könnt, weil wir nicht schon zehn Anzeigen-Deals abgeschlossen haben und weil wir mit unseren Kapazitäten immer wieder an unsere Grenzen geraten.
Dann muss ich mich daran erinnern, dass das, was wir tun, Wirkung hat. Weil es eben Menschen gibt, die unser Produkt gerne lesen. Menschen, die es wertschätzen, dass wir eine neue Art des Sportjournalismus wagen. Und die es genau so wichtig finden wie wir, Sportlerinnen in den Mittelpunkt zu stellen. Womit wir beim Thema wären:
(Ball-)Sport
Wir betreten heute eine sportliche Welt, die ich vor langer Zeit verlassen habe – weil ich, zumindest nach meinem Dafürhalten, wirklich nicht dafür gemacht bin. David Foster-Wallace hat es als existenzielle Prüfung beschrieben, Andrea Petković als griechische Tragödie. Es geht, ihr ahnt es vielleicht schon, um Tennis.
Als Kind wurde ich zum Tennistraining angemeldet, hatte scheinbar eine solide Rückhand und einen passablen Aufschlag und sollte irgendwann dreimal in der Woche trainieren. Dazu kamen Spiele (am Wochenende? Unter der Woche? Ich weiß es nicht mehr). Es können nicht besonders viele Spiele gewesen sein aber ich habe schnell gemerkt: I’m not made for this.
Stundenlang auf dem Platz stehen, nur auf mich allein gestellt? Die Nerven behalten, auch wenn man zurückliegt? Keine Schwäche zeigen? Da bin ich raus. Ich verbannte den Tennisschläger in den Keller, probierte Judo (war auch nichts für mich) und fand dann – ihr wisst es ja – zum Basketball, wo man glücklicherweise zwischendurch auf der Bank sitzen und anfeuern darf.
Zuletzt hat Tennis mich allerdings immer mal wieder angelacht. Vielleicht auch, weil es mittlerweile Angebote wie The Beyond Berlin gibt, die Tennis ganz niedrigschwellig in Berlin anbieten – ohne Clubmitgliedschaft, ohne Warteliste, ohne Vorkenntnisse. Dafür mit sehr viel Begeisterung für die Schönheit des Sports.
Schöne, heile Tenniswelt?
Ich finde die Tenniswelt unheimlich faszinierend. Aufgrund ihrer strengen Codes. Der Outfits. Der Obsession mit der Weltrangliste. Der konzentrierten Stille im Stadion. Tennis wirkt wie die Antithese zu Entertainment-überladenen Hallensportarten, in denen einem in jeder noch so kurzen Pause Musik um die Ohren geknallt und man zum rhythmischen Klatschen oder zur La Ola aufgefordert wird. Tennis wirkt dagegen wundervoll puristisch (wobei ich mich, um ganz ehrlich zu sein, der La Ola auch nie verwehre, die ich irgendwie immer ganz rührend finde).
Die Protagonistinnen der Tenniswelt scheinen anderen Sportlerinnen mitunter Lichtjahre voraus zu sein, was Aufmerksamkeit, Inszenierung, Preisgelder und Sponsoring-Verdienste angeht. Klar: bei einem Grand-Slam-Sieg geht die Gewinnerin mit einem siebenstelligen Betrag nach Hause (der Gewinner übrigens auch. 1973 erkämpfte Billie Jean King gleiche Preisgelder bei den US Open, danach zogen die anderen Majors nach). Und die Spielerinnen werden wie Ikonen inszeniert, man denke nur an die Outfits von Naomi Osaka, oder auch an die von Serena Williams.
Schaut man genauer hin, merkt man: Sich auf Naomi Osaka, Aryna Sabalenka oder Serena Williams zu konzentrieren, ist klassische Verfügbarkeitsheuristik – man nimmt an, weil es einige finanziell erfolgreiche Spielerinnen gibt, müsse es doch allen gut gehen.
Die Sache mit dem Geld
Dabei ist das mitnichten so. Die Preisgelder sind noch lange nicht überall angeglichen. Die Reisen sind teuer. Tennis hat eine unheimlich lange Saison, die von Januar bis November geht, die Spielerinnen sind also bis zu 48 Wochen lang unterwegs. Sie müssen Flüge, Hotels, Trainer*innen und Physiotherapeut*innen in der Regel selbst finanzieren.
Dazu kommt, dass auch Favoritinnen nicht vor herben Niederlagen gefeit sind. Nur, weil man in der Weltrangliste ganz vorne steht, sollte man nicht davon ausgehen, die Siegprämie nach Hause zu tragen. Zum Tennis gehören viele, viele Niederlagen und unzählige verlorene Punkte. Für alle.
Außerdem besteht die Tenniswelt nicht nur aus Majors, die in den großen Metropolen der Welt stattfinden. Sondern auch aus vielen kleinen, etwas bodenständigeren Turnieren. Schaut man in die Biografie von Noma Noha Akugue, unserer heutigen Interviewpartnerin, merkt man schnell: Die meisten Protagonistinnen messen sich nicht nur in Melbourne, New York und Paris, sondern an Orten wie Altenkirchen, Hannover, Bruchköbel oder Wiesbaden. Dort hat Noma in diesem Jahr übrigens den bislang größten Sieg ihrer Karriere eingefahren. Derzeit steht sie auf Platz 126 der Weltrangliste.
ERSTE-Autorin Valerie Präkelt hat Noma im Sommer während der Berlin Tennis Open getroffen und mit ihr über die vielen Niederlagen gesprochen, die man im Laufe einer Tenniskarriere einstecken muss – aber auch über den Sog, den Siege ausüben, und die einen immer wieder auf den Platz treiben.
Valerie schreibt eigentlich vor allem über Design, hat aber ihr Herz an Tennis verloren, seit sie vor vier Jahren wieder angefangen hat, zu spielen (fragt sie nach ihren Anfängen und sie werden fast deckungsgleich mit den meinen sein, aber das ist eine andere Geschichte): “Die Fortschritte, die man am Anfang macht, sind riesengroß. Und dann wird es irgendwann frustrierend, weil es Tage gibt, an denen jeder Ball im Netz landet. Das ist der Punkt, an dem man beginnen muss, richtig Arbeit reinzustecken.”
Was soll man sagen: Tennis ist eben eine existenzielle Prüfung.
Ready, set, go!
PROJEKT: ERSTE
Wir sind Journalistinnen, Fotografinnen, Sportlerinnen und Fans – und im Begriff, mit euch zusammen eine wundervolle Community aufzubauen. Wir lieben Sport, vor allem den Sport der Frauen. Und wir haben ERSTE gestartet, weil gerade etwas Großes passiert. Wir haben es während der Basketball-WM erlebt, der Fußball-EM und der Handball-WM 2025, in Hamburg, München, Dortmund oder Bietigheim. Ein kribbelndes Gefühl, das sich ausbreitet und vermittelt: Everyone watches women’s sports.
Der Sport der Frauen ist kein Trend mehr, kein Hype. Das hier – die Sportlerinnen, die Teams, die Leidenschaft, der Einsatz, die Leistung – das alles bleibt. Die Fans sind da. Sie schauen hin. Sie wollen mehr.
Eine Medienmarke für den Sport der Frauen ist überfällig. Unser Newsletter erscheint alle zwei Wochen, im kommenden Jahr wollen wir mit eurer Hilfe ein gedrucktes Magazin auf den Markt bringen.
ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN – das heißt auch: Wir brauchen euch. Teilt den Newsletter mit anderen Sportbegeisterten, mit eurem Basketballteam, euren Tennis-Kolleginnen, eurer Fußballmannschaft. Wir freuen uns über alle, die mitlesen. Und auf eure Ideen und Gedanken unter: [email protected]

Foto: bett1/Chris Puttins
“Gewinnen macht süchtig.”
Noma Noha Akugue wurde 2003 in Reinbek bei Hamburg geboren und hatte bereits mit drei Jahren das erste Mal einen Tennisschläger in der Hand. Schon als Jugendliche feierte sie erste Erfolge – und direkt große: 2018 gewann sie die Norddeutschen Meisterschaften und fuhr erste ITF-Siege bei den Juniorinnen ein, 2020 wurde sie in Biberach Deutsche Meisterin.
Ihren bisherigen Höhepunkt auf der WTA-Tour erreichte sie 2023, als sie mit einer Wildcard das Finale der Hamburg European Open erreichte – damals noch als Nummer 207 der Weltrangliste und nach längerer Verletzungspause.
Auch in diesem Jahr spielt Noma eine starke Saison – und lebt den Tennis-Jetset par excellence. Sie gewann die Wiesbaden Tennis Open und das ITF-W75-Tennisturnier in Altenkirchen. Bei den French Open, den Berlin Tennis Open und den US Open ging sie an den Start, schied aber früh aus.
Momentan spielt sie die Mallorca Women's Championships, ein Turnier der WTA-Serie. Während ihre Reise im Einzel dort im Viertelfinale endete, spielt sie am Freitag im Doppel mit Joëlle Steur um den Einzug ins Finale.
Noma, wie entscheidest du eigentlich, welche Turniere du spielst?
Meist kommt es vor allem darauf an, ob ich verletzt oder fit bin – und was für ein Ranking ich gerade habe. Ich versuche natürlich, die Turniere zu spielen, bei denen ich eine Chance habe. Es kommt aber auch darauf an, was für Ziele man gerade hat. Auf kleineren Turnieren kann man vielleicht leichter Punkte machen, aber die größeren zählen mehr. Man guckt auch immer auf die Grand-Slam-Deadlines: Wie viele Punkte brauche ich, um in die Top-X zu kommen?
Wie viele Turniere spielst du im Jahr?
20 bis 30. Wenn ich eine gute Saison habe, spiele ich weniger, wenn es nicht so gut läuft, dann sind es 30 oder sogar 35 Turniere im Jahr.
In Berlin bist du in der Qualifikation ausgeschieden. Kannst du festmachen, was schiefgelaufen ist?
Ja, leider – ich habe den ersten Satz gewonnen und den dritten knapp verloren. Zum Ende hin habe ich nicht mehr so richtig daran geglaubt, dass ich das noch gewinnen kann, und nachgelassen. Allerdings konnte ich mich in Berlin gut für London vorbereiten, weil beides Rasenturniere sind. Das war also trotzdem eine gute Trainingswoche für mich – als Turnierteilnehmerin darf man die freien Plätze weiter fürs Training nutzen.
Das klingt sehr reflektiert – merkst du auch während des Spiels, wenn etwas nicht ganz so läuft, wie du es dir vorstellst?
Nein, gar nicht (lacht). Das kommt erst danach. Im zweiten Satz habe ich vor allem am Anfang unnötig verloren – ich hatte Breakbälle und habe die Chance nicht genutzt. Das hat meine Gegnerin (Anm. d. Red. Nikola Bartunkova) wieder ins Spiel gebracht. Im Match selbst wusste ich zwar, dass die vertane Chance ärgerlich war, aber ich versuche immer, mich auf den Moment zu konzentrieren.

Foto: Jozek Diesing
Wie sieht deine Vorbereitung auf ein Turnier wie die Berlin Open aus?
Ich hatte leider gar keine richtige Vorbereitung, was ich auch gemerkt habe. Normalerweise habe ich ungefähr eine Woche Zeit, hier bin ich erst zwei Tage vor dem Match ohne Rasenvorbereitung angekommen.
Nur eine Woche?
Manchmal hat man etwas länger Zeit, aber die French Open sind erst vor zwei Wochen zu Ende gegangen und dann wechseln die meisten Spielerinnen direkt auf Rasen, um ihre Rasenvorbereitung zu machen. Bei mir war eigentlich geplant, auf Sand zu bleiben und in Berlin gar nicht mitzuspielen.
Was hat deine Meinung geändert?
Ich mag das Turnier hier sehr und wollte unbedingt mitspielen. Meine Sponsoren sind vor Ort und ich kenne viele Spielerinnen. Mein Trainer war erst einmal gar nicht happy mit meiner Spontanität (lacht).
Hast du bei der Vorbereitung auf ein Turnier bestimmte Rituale?
Ja, Essen! Wenn ich in der ersten Runde gewonnen habe, muss ich am nächsten Tag oder noch am selben Abend ins gleiche Restaurant gehen wie am Tag zuvor. Alles, was ich am Abend vor einem Sieg gemacht habe, mache ich genau gleich wieder – wie ich meine Tasche packe oder auf welcher Seite ich den Ohrring zuerst anziehe. Das hilft mir dabei, dass sich auch auf dem Platz alles gleich anfühlt. Auf dem Platz falte ich sogar mein Handtuch wie am Vortag (lacht). Da bin ich extrem.
WISSEN TO GO: TENNIS-TURNIERE
It’s not rocket science… oder doch? Für Außenstehende mag Tennis wirken wir ein anderes Universum – vor allem aufgrund der verschiedenen Touren. Wir schlüsseln sie für euch auf:
Die WTA (Women’s Tennis Association) organisiert die professionelle Damentour und bildet die Bühne für viele der besten Spielerinnen der Welt. Hier sammeln die Spielerinnen bis zu 1000 Weltranglistenpunkte. Es gibt Turniere der Kategorie WTA 250, WTA 500 und WTA 1000, in der WTA Challenger-Series werden 125 Punkte vergeben.
Die ITF (International Tennis Federation) ist der internationale Tennis-Weltverband. Sie verantwortet unter anderem den internationalen Turnierbetrieb unterhalb der großen Profitouren und organisiert mit der ITF Women’s World Tennis Tour Turniere, die wichtig sind für Nachwuchsspielerinnen und Spielerinnen, die sich in der Weltrangliste nach oben arbeiten wollen. Bei ITF-Turnieren gibt es bis zu 100 WTA-Weltranglistenpunkte.
Die Grand Slams (oder auch: Majors) sind die prestigeträchtigsten Turniere im Tennis: die Australian Open, Roland-Garros (French Open), Wimbledon und die US Open. Sie stehen für die größten Titel, besonders viel Aufmerksamkeit und jeweils 2000 Weltranglistenpunkte für den Sieg im Einzel.
Bei allen vier Grand Slams erhalten Frauen und Männer im Einzel gleich hohe Preisgelder. Bei den WTA-500-Turnieren und darunter besteht weiterhin eine große Lücke zu den Serien der Männer, was Preisgelder angeht. Ein Beispiel: Während Linda Nosková, die Siegerin der Berlin Tennis Open, für ihren Sieg rund 161.000 Euro erhielt, hat Frances Tiafoe, der das parallel stattfindende Turnier im westfälischen Halle gewonnen hat, etwa 483.000 Euro erhalten, berichtete der Tagesspiegel. Beide Turniere gehören zur 500er-Kategorie.
Mit dem WTA-Finale 2023 in Hamburg standest du mit 19 Jahren auf einmal in der Öffentlichkeit. Wie fühlt es sich an, als deutsche Tennis-Hoffnung betitelt zu werden?
Ich finde es manchmal schwierig, als „Hoffnung" bezeichnet zu werden, weil es genügend andere Spielerinnen gibt, die man genauso nennen könnte. Wenn es auf dem Platz dann nicht so gut läuft, baut sich schnell extremer Druck auf, dem gerecht zu werden. Beim WTA-Turnier damals habe ich gar nicht so richtig realisiert, was gerade passiert. Dann wollten immer mehr Leute etwas von mir, Interviews oder Fotos zum Beispiel. Nach dem Turnier habe ich schon den Erwartungsdruck gespürt, dass jetzt mein Sprung in die Top-Ränge folgen muss. Mit dem Druck konnte ich nicht gut umgehen und eine Zeit lang ging es bergab. Deswegen habe ich mit meinem Mentaltrainer gearbeitet, einem neutralen Coach, bei dem ich alles rauslassen kann. Das war die beste Entscheidung. Ich kann mit ihm über alle Tennis-Themen reden: was mir auf dem Platz durch den Kopf geht, über Erwartungen oder Druck, all die Dinge, die ich so mit mir rumtrage.
Du hast in den letzten Jahren mit einer Schulterverletzung gekämpft. Wie geht man damit um, wenn der Körper ein entscheidendes Werkzeug ist und der Kopf schon längst wieder auf dem Platz sein will?
Wegen meiner linken Schulter war ich fast neun Monate raus. Das war eine harte Zeit, vor allem, weil man natürlich sieht, dass die anderen Spielerinnen alle spielen, während man zu Hause sitzen und warten muss, bis der eigene Körper wieder ready ist. Das war frustrierend, jeden Tag zu Hause zu sein und zu sehen, wie die anderen sich weiterentwickeln. Ich habe dann viel Reha gemacht. Aber das gehört zum Sport dazu. Nach einer Verletzung braucht der Körper eine Pause.
Konntest du während der Zeit Tennis schauen?
Nein (lacht). Das war die Hölle für mich, weil ich unbedingt zurück auf den Platz wollte.

Foto: Jozek Diesing
Im Damentennis unterscheidet man zwischen ITF- und WTA-Turnieren – die WTA Tour gehört zur höchsten Spielklasse, die ITF-Tour gilt als Sprungbrett in den Profisport. Anfang Mai hast du in Wiesbaden das ITF-W100-Turnier gewonnen. Welche Unterschiede spürst du als Spielerin zwischen den Touren?
Der Druck ist anders. In Berlin zum Beispiel sind viel mehr Zuschauer – und vor denen möchte man gut spielen. ITF-Turniere sind Außenstehenden eher egal. Da spiele ich freier. Das Niveau der Spielerinnen ist dort etwas niedriger als bei den WTA-Turnieren, wo du natürlich Top-Spielerinnen aus der ganzen Welt hast. Für mich ist ein Turnier wie Berlin absoluter Luxus, auch, weil ich gerne vor Publikum spiele und eigentlich besser spiele, wenn das Niveau um mich herum hoch ist. Hier sind Sponsoren, Trainer, Bundestrainerinnen, einfach insgesamt mehr Aufmerksamkeit, Öffentlichkeit und Interesse.
Apropos Öffentlichkeit: Tennis ist natürlich kein Nischensport, erlebt aber gerade definitiv einen Moment, wird noch beliebter. Was macht das mit dir – der Sport ist ja schließlich dein Beruf?
Ich finde das total cool. Ich habe das Gefühl, dass Tennis durch die Medien globaler wird, dass sich mehr Leute dafür interessieren – nicht nur fürs Spiel selbst, sondern auch fürs Drumherum, zum Beispiel für die Mode. Mir macht es total viel Spaß zu sehen, dass die Zuschauer und Zuschauerinnen sich für die Matches stylen.
Nach deinem Sieg in Wiesbaden bist du in der Weltrangliste auf Platz 166 aufgerückt, gerade rankt dich die WTA auf Platz 126. Wie wichtig ist eigentlich die Weltranglisten-Position im Tennis-Alltag?
Man kann sich nicht jeden Tag damit beschäftigen – wenn es gut läuft, ist es cool, wenn nicht, ist es nicht so cool. Aber es hängt auch mit dem Turnierkalender zusammen: Mit gutem Ranking spielst du übers Jahr ausgeglichener – ohne gutes Ranking ist alles ein bisschen anstrengender.
Inwiefern?
Mit einem guten Ranking kommt man direkt ins Hauptfeld. Wenn man gut spielt und ein gutes Turnier hat, kann man dadurch auch mal eine Pause einlegen oder es ruhiger angehen, Zeit mit der Familie verbringen. Das macht schon einen großen Unterschied.
Den zweiten Teil des Interviews findet ihr nach den Spotlights.
SPOTLIGHT
Honey, honey, honey Mit dem Honeyball Club will Christina Eckstein Orte schaffen, an denen man ganz entspannt Frauensport schauen kann. Vor einem halben Jahr ist sie an den Start gegangen, mittlerweile hat sie ausverkaufte Events in Köln und München organisiert. Um den Honeyball Club zu erhalten, hat sie nun ein Crowdfunding gestartet, das noch bis zum 4.11. läuft. Das supporten wir natürlich!
Die Eiskönigin macht weiter Zuletzt hatte es in der Wintersport-Szene Spekulationen über Anna Gassers Karriere-Ende gegeben, nun hat Freestyle-Snowboarderin offiziell widersprochen: “Es wird mir schwer gemacht aufzuhören, wenn am Anfang meiner Karriere kein einziges Event in Österreich ist und jetzt sind es drei.” Die 35-jährige Doppel-Olympiasiegerin gab sich beim ÖSV-Einkleidungstermin kämpferisch: “Ich habe eine offene Rechnung mit Tricks, die ich noch nicht im Wettkampf gezeigt habe, aber die letzten Jahre schon hart trainiert habe.” Die Österreicherin betonte aber auch: “Ich werde es nicht mehr erzwingen. Ich muss gesund bleiben, muss fit bleiben und mich sicher fühlen. Wenn alles passt, und zurzeit fühle ich mich gut, dann bin ich bei den Österreich-Sachen dabei. Sonst nicht.” Erster Heim-Termin ist der Airdrenaline (ehemals Air&Style) Big Air Cup am Bergisel in Innsbruck, der im späten November stattfindet.
Auf geht’s Der DHB-Kader bricht am 19. Oktober zur EM-Vorbereitung auf. Für das Trainingslager hat Bundestrainer Markus Gaugisch 17 Spielerinnen nominiert. 14 Spielerinnen standen bei den ersten beiden Länderspielen der Saison in Spanien auf der Platte, außerdem sind die beiden U20-Weltmeisterinnen Marlene Tucholke und Farrelle Njinkeu dabei. Vom Trainingslager geht es weiter ins dänische Odense zur Golden League, wo die Mannschaft am 24. Oktober gegen Dänemark und tags darauf gegen die Niederlande antritt. Nationalmannschaftsmanagerin Anja Althaus ist hoffnungsvoll: “Beim vergangenen Lehrgang haben wir bei jeder Spielerin gespürt: Da sind unfassbar viel Power und Lust, endlich wieder bei der Nationalmannschaft sein zu dürfen. Dieses Mindset und diese Begeisterung brauchen wir auch jetzt wieder, um die nächsten Entwicklungsschritte anzugehen.“ Die Handball-EM findet vom 3. bis 20. Dezember in Polen, Rumänien, Tschechien, Slowakei und der Türkei statt. PS: Natürlich ist auch Emily Vogel wieder mit dabei, die uns schon im Newsletter beehrt hat.
Round and round In Shanghai ist die Bahnrad-WM gestartet – und die deutschen Teamsprinterinnen haben direkt Bronze geholt: Clara Schneider, Lea Sophie Friedrich und Pauline Grabosch fuhren am Mittwoch auf Rang drei. Auch ihre Kolleginnen aus dem Frauen-Vierer legten rasant los: Franziska Brauße, Lisa Klein, Mieke Kröger und Messane Bräutigam fuhren in der Qualifikation die zweitbeste Zeit. Sie fahren am Donnerstag um den Einzug ins Finale.
Eiserne Lady Laura Philipp hat mit einem sensationellen zweiten Platz beim Ironman auf Hawaii die Ironman Pro Series gewonnen. Die Ausdauer hat sich hier im doppelten Sinne bezahlt gemacht: Für den Gesamtsieg gibt es eine Prämie von 200 000 US-Dollar. Die 39-Jährige lieferte sich ein dramatisches Rennen mit der US-Amerikanerin Taylor Knibb und kämpfte sich nach einem schwierigen Schwimmstart bis auf den dritten Rang vor. Dann taumelte Titelverteidigerin Solveig Løvseth kurz vor Schluss, stürzte mehrfach. Knibb zog vorbei, Philipp ebenfalls. Wir ziehen den Hut vor so viel eiserner Ausdauer (natürlich auch von der von Solveig Løvseth). Und möchten euch noch einmal unser Interview mit Laura Philipp ans Herz legen.

Foto: Jozek Diesing
“Eigentlich verlierst du fast jede Woche.”
Noma, wie gehst du mit Konkurrenz um? Vielen Spielerinnen begegnet man sicherlich immer wieder und freundet sich an, oder?
Auf internationalen Turnieren ist das noch nicht so oft der Fall, unter uns deutschen Spielerinnen schon. Wir chillen fast immer zusammen. Wenn man dann in der Auslosung sieht, dass man gegen eine andere Deutsche spielt, ist das schon ein komisches Gefühl. Aber es ist jetzt auch nicht so, dass wir uns dann nicht mehr treffen, weil wir morgen gegeneinander spielen.
Auf dem Platz merkt man aber schon eine gewisse Anspannung, weil beide gewinnen wollen. Schwierig wird es, wenn man im Doppel zusammen spielt und am nächsten Tag im Einzel gegeneinander antritt. Das ist das Schlimmste, weil die Chemie dann nicht passt. Im Doppel verrät man sich seine Schwächen. Abgesehen davon kann man super viel aus einem Doppel mitnehmen, gemeinsam fighten und ein bisschen Spannung abbauen. Man hat jemanden an seiner Seite, der einen pusht – das ist schon etwas Schönes.

Foto: Jozek Diesing
Hast du Vorbilder?
Nicht wirklich. Ich mag Spielerinnen mit einer guten Einstellung, die jüngere Spielerinnen inspirieren. Aber eine konkrete Person habe ich nicht im Kopf.
Bei den Grand Slams spielen die Männer ja drei Gewinnsätze, die Frauen zwei – findest du, das sollte angepasst werden?
Nein, ich bin einfach froh, dass wir nur zwei Sätze spielen müssen (lacht). Wenn ich sehe, dass die Männer fünf Sätze spielen – ich persönlich weiß nicht, ob ich das könnte.
Du spielst auch im Billie Jean King Cup, so etwas wie die Damentennis-Weltmeisterschaft für Nationalmannschaften. Wie kann man sich das vorstellen? Wie unterscheidet sich das im Gegensatz zu Einzelturnieren?
Beim Billie Jean King Cup bist du fast nie allein auf dem Platz. Du hast dein Team hinter dir, und nach jedem Punkt feiert ihr zusammen. Das finde ich total schön – bei den meisten Turnieren ist man ganz allein auf dem Platz, aber dort hast du wirklich Unterstützung. Du spielst in einem Team und hast sowohl eigene Matches als auch Doppelspiele.
Ich war dieses Jahr zum ersten Mal dabei und fand es toll, dass man für etwas Größeres und nicht nur für sich spielt. Wir müssen uns als Team noch ein bisschen einspielen, aber fürs erste Mal war es nicht schlecht; das Ergebnis hat nicht gestimmt, aber die Chemie unter uns allen war echt gut.
Es heißt, dass man im Tennis viel öfter verliert, als dass man gewinnt. Ist das so?
Ja, eigentlich verlierst du fast jede Woche (lacht). Aber aus den wenigen Matches, die man gewinnt, zieht man besonders viel Positives. Wenn ich zwei Matches gewonnen und eins verloren habe, ist das viel wert. Ich versuche, mich auf die Gewinne zu konzentrieren.

Foto: Jozek Diesing
Hast du auch manchmal Tage, an denen du denkst: Was mache ich hier eigentlich?
Hundert Prozent. Das habe ich mir erst gestern wieder gedacht (lacht).
Was zieht dich immer zurück auf den Platz?
Das Gewinnen. Das macht süchtig. Man möchte einfach die Beste sein, möchte gewinnen, möchte gesehen werden. Das ist es, was mich jede Woche antreibt, hart zu arbeiten. Wenn man ein Turnier gewinnt und sieht, dass die Arbeit etwas gebracht hat, will man mehr – und arbeitet noch härter.
Unser Newsletter heißt ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN. Wer hat dich auf deinem Weg supportet?
Meine Eltern. Ich bin überhaupt erst wegen meines Papas zum Tennis gekommen. Meine Eltern haben mich die ganze Zeit begleitet und sind anfangs auch immer mit mir gereist. Jetzt reise ich oft alleine, aber bis ich 18 geworden bin, waren sie immer dabei.
Das erste Foto von Noma ist im Rahmen der Berlin Tennis Open entstanden (Dank geht raus an bett1!), außerdem hat Jozek Diesing Noma in beim WTA-Turnier in Warschau getroffen. Dabei sind die tollen Fotos auf dem Court entstanden, die wir unbedingt mit in den Newsletter nehmen wollten. “Tennisfotografie ist für mich vor allem eines: eine Herzensangelegenheit”, sagt er. Details und Emotionen stehen für ihn im Mittelpunkt, “denn gerade in diesen Momenten zeigt sich die Schönheit dieses Sports am deutlichsten.” Word, Jozek!

Foto: Jozek Diesing
WHAT TO WATCH
15.10.–15.11. | Rugby-League | Weltmeisterschaft Am Wochenende startet die Rugby-League-Weltmeisterschaft in Australien, Neuseeland und Papua-Neuguinea. Anders als bei der Rugby-Union-Variante stehen bei League 13 statt 15 Spieler pro Team auf dem Feld – und nach sechs Tackles wechselt der Ballbesitz. Drei Turniere laufen parallel: Frauen, Rollstuhl-Rugby und Männer. Sportdigital überträgt.
18.10. | Basketball | DBBL | ALBA Berlin vs. Saarlouis Royals Die Basketball-Bundesliga nimmt Fahrt auf, das Spiel in der Sömmeringhalle ist ein guter früher Gradmesser für zwei Teams mit Titel-Ambitionen. Saarlouis kommt mit Rückenwind aus Freiburg; ALBA will sich vor heimischem Publikum beweisen. Dyn überträgt.
18.10. | Tennis | WTA 1000 | Finale Beim WTA-1000-Turnier in Wuhan schied Favoritin Aryna Sabalenka bereits in der ersten Runde aus. Das gleiche Schicksal erlitten die einzige österreichische Spielerin, die 18-jährige Lilli Tagger, und die Schweizerin Belinda Bencic. Eine deutsche Spielerin ist in Wuhan nicht am Start. Spannend wird das Finale am 18.10. trotzdem. Sky Q und WOW übertragen.
18.10. | Fußball | Zweite Bundesliga Berlin ist im Höhenflug: Der FC Viktoria Berlin und Hertha BSC stehen nach acht Spieltagen mit jeweils 21 Punkten an der Spitze der 2. Frauen-Bundesliga. Am Sonntag empfängt Viktoria den FC Ingolstadt, Hertha tritt beim SC Sand an. Das direkte Duell der beiden Berliner Konkurrentinnen steigt am 8. November – das wird spannend! Die Spiele gibt es bei Leagues als Livestream.
24.–25.10. | Handball | Golden League Die DHB-Equipe misst sich in zwei Länderspielen im dänischen Odense mit dem Gastgeber. Für Torhüterin Katharina Filter ist es ein Beinahe-Heimspiel: Sie spielt in der dänischen Liga für das Team Esbjerg. Dyn überträgt.
ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN, kurz: ERSTE, ist ein Newsletter, ein Magazin, ein Podcast, eine Mission. Abonniert diesen Newsletter, wenn ihr findet, dass Profisportlerinnen mehr Sichtbarkeit verdient haben. Und schreibt uns! Wir freuen uns über jegliche Hinweise, Ideen und Vorschläge – und über neue, noch nicht erzählte Geschichten. [email protected]
Redaktion und Lektorat: Valerie Präkelt, Katalina Farkas, Nicole McDermott, Aron Farkas. Fotos: Jozek Diesing
Unser nächster Newsletter erscheint am Donnerstag, den 29. Oktober.