This website uses cookies

Read our Privacy policy and Terms of use for more information.

Schön, dass du dabei bist!

Hier schreibt Katalina von ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN. Am vergangenen Samstag war ich beim American Football – und nicht bei irgendeinem Spiel, sondern beim Finale der deutschen Meisterschaften.

Ich muss gestehen: Ich war überrascht, wie voll es auf den Tribünen im Stadion in Berlin-Wilmersdorf war. Ebenso überrascht hat mich, mit welcher Ernsthaftigkeit die nicht wenigen schrankgroßen Männer im Publikum über Interceptions und Line Play auf dem Spielfeld gefachsimpelt haben, und dass der Schiedsrichter, ganz nach US-amerikanischem Vorbild, seine Entscheidungen über den Stadionlautsprecher verkündet hat.

Nach dem Finale musste ich mich innerlich selber schelten – anscheinend war ich mit dem Vorurteil im Hinterkopf angereist, dass das Spiel vor leeren Rängen ausgetragen werden würde. Es scheint, als hätte ich den Sport insgeheim als Kuriosum abgestempelt. Wie doof von mir – und wie fantastisch, dass ich eines Besseren belehrt wurde.

Dass die deutsche Football-Community vielleicht nicht riesig, aber alive and kicking ist, hat ja schon die Crowdfunding-Aktion bewiesen, mit der die Spielerinnen der Football-Nationalmannschaft ihre Reisekosten zur EM finanziert haben. Die Community live und in Aktion zu erleben, war umso schöner. Wer sich selbst einen Eindruck vom Spiel verschaffen möchte, kann dies mit diesem Video von Christian Schneider tun.

Ebenfalls vor vollen Rängen spielten die Fußballerinnen vom FC Viktoria Berlin am Sonntag im DFB-Pokal gegen die Erstliga-Gegnerinnen aus Leverkusen. 2.033 Zuschauer*innen waren in Berlin-Lichterfelde, ich war eine davon, und lange sah es so aus, als könnten die Zweitligistinnen die Gäste aus Nordrhein-Westfalen düpieren (was vor allem den fantastischen Paraden von Keeperin Michèle Tschudin zu verdanken war). Am Ende siegte Leverkusen mit 0:2 nach Verlängerung, und in allen anderen Pokalspielen hatten am Ende die Favoritinnen die Nase vorn. Der DFB-Pokal-Upset blieb erst einmal aus, unterhaltsam war das Spiel allemal.

Es gibt keinen Plot Twist in dieser Geschichte, kein schlaues Take-away – es war einfach nur ein schönes Sportwochenende bei bestem Herbstwetter, bei dem ich mich sehr darüber gefreut habe, dass ich in einer Stadt lebe, in der diese Art von Sportereignissen möglich ist. Entspannt und unterhaltsam, ohne Pöbeleien oder Streit unter den Fans, dafür mit Menschen, die den Sport der Frauen und seine Protagonistinnen ernst nehmen.

Ich bin übrigens überzeugt, dass Berlin nicht die einzige Stadt ist, die ihre Sportlerinnen feiert. Wer Lust hat, mir von ähnlichen Erlebnissen aus anderen Städten zu berichten, kann das gerne tun: [email protected] – ich lese alles, versprochen! Vielleicht machen wir auch eine Instagram-Serie dazu, who knows – alles kann, nichts muss. ERSTE ist ein Magazinprojekt, aber eben auch eine grüne Wiese, auf der man sich ausprobieren darf. Schön, oder?

Und jetzt zum (Rad-)Sport

Wir reisen mit unserer Interviewpartnerin in dieser Woche noch einmal zurück in den Sommer, und zwar nach Frankreich, zum denkbar größten Radrennen der Welt – der Tour de France Femmes, die in diesem Jahr im August stattfand. Irrerweise gibt es die Tour de France Femmes in ihrer jetzigen Form erst seit wenigen Jahren, umso beeindruckender ist, wie viel Widerhall sie findet (wenn wir einen Wunsch äußern dürften: Wann kommt die dazugehörige Netflix-Serie?).

Außerdem gibt es wohl kaum einen Sport, der den Titel ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN so sehr verkörpert wie der Radrennsport. Wer bei einem der großen Rennen – der Vuelta, dem Giro oder der Tour de France Femmes – als Erste die Ziellinie quert, hat alles und noch mehr aus den eigenen Waden geholt. Und wahrscheinlich auch die besten Helferinnen gehabt.

Alles für das Team

Jenen Helferinnen widmen wir uns heute – weil wir ihre Aufgabe faszinierend finden. Ihre Rolle ist es, ihre Kapitäninnen zu unterstützen. Sie geben Windschatten, ziehen sie am Berg mit – oder holen Wasserflaschen aus dem Teamfahrzeug. Die eigenen Ambitionen ordnen sie unter: Sie fahren im Dienst des Teams, sind Teamspielerinnen in einer Sportart, in der sich die mediale Aufmerksamkeit nur auf die Fahrerinnen richtet, die ganz vorne fahren.

Eine dieser unverzichtbaren Teamfahrerinnen ist Antonia Niedermaier, mit der wir für diese Ausgabe gesprochen haben. Antonia ist 23 und gilt als eine der talentiertesten Radfahrerinnen ihrer Zeit. Bei der diesjährigen Tour de France Femmes war es ihre Aufgabe, Kapitänin Kasia Niewiadoma-Phinney bestmöglich zu positionieren. Kasia gewann 2024 die Tour und wurde in diesem Jahr Zweite – und hat vor zwei Tagen angekündigt, das Team von Canyon-SRAM zu verlassen, um künftig für Lidl-Trek zu fahren.

Antonia hingegen landete auf dem vierten Platz der Gesamtwertung – eine kleine Sensation für sich – und sicherte sich das Weiße Trikot, das den besten Nachwuchsfahrerinnen vorbehalten ist.

Was der Weggang von Kasia Niewiadoma-Phinney für Antonias Karriere bedeutet, wird sich zeigen – es könnte aber heißen, dass die beiden sich im kommenden Jahr schon Kopf-an-Kopf-Rennen liefern dürften. Kasia hat über Antonia gesagt, dass sie eines Tages die Tour gewinnen wird. Über diese Aussage und den Druck, den sie mit sich bringt, hat ERSTE-Autorin Lena Krey mit Antonia gesprochen.

Ready, set, go!

❝

PROJEKT: ERSTE

Wir sind Journalistinnen, Fotografinnen, Sportlerinnen und Fans – und im Begriff, mit euch zusammen eine wundervolle Community aufzubauen. Wir lieben Sport, insbesondere den Sport der Frauen. Und wir haben ERSTE gestartet, weil gerade etwas Großes passiert. Wir haben es während der Basketball-WM erlebt, der Fußball-EM und der Handball-WM 2025, sowie in Stadien und Hallen in Hamburg, München, Dortmund oder Köln. Ein kribbelndes Gefühl, das sich überall ausbreitet und vermittelt: Everyone watches women’s sports.

Der Sport der Frauen ist kein Trend mehr, kein Hype. Das hier – die Sportlerinnen, die Teams, die Leidenschaft, der Einsatz, die Leistung – das alles bleibt. Die Fans sind da. Sie schauen hin. Und sie wollen mehr.

Eine Medienmarke für den Sport der Frauen ist überfällig. Unser Newsletter erscheint alle zwei Wochen, im kommenden Jahr wollen wir mit eurer Hilfe ein gedrucktes Magazin auf den Markt bringen.

ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN – das heißt auch: Wir brauchen euch. Teilt den Newsletter mit anderen Sportbegeisterten, mit eurem Basketballteam, euren Bolzplatz-Kolleginnen, eurer Hockeymannschaft. Wir freuen uns über jede (und jeden!), die (oder der) mitliest. Und auf eure Ideen und Gedanken unter: [email protected]

Foto: Lucas Abad

“Die Rennen werden schneller und aggressiver.”

Antonia Niedermaier ist der Shootingstar des deutschen Radsports. Die 23-Jährige fährt erst seit wenigen Jahren im Profipeloton und mischt schon jetzt ganz vorne mit. Im August bestritt sie ihre erste Tour de France Femmes (TDFF) und schrieb dort gleich Geschichte: Nach neun Etappen sicherte sie sich das Weiße Trikot der besten Nachwuchsfahrerin und brachte damit als erste deutsche Radsportlerin überhaupt ein Wertungstrikot von der Frankreich-Rundfahrt mit nach Hause. In der Gesamtwertung wurde sie Vierte.

Aus dem Nichts kam dieser Coup keineswegs. Schon beim Giro d'Italia im Frühsommer war Niedermaier als Zweite aufs Podium gefahren, ihr bis dahin bestes Ergebnis bei einer großen Rundfahrt. Seitdem ist sie auf der großen Bühne des Radsports angekommen. Bemerkenswert ist dabei, wie schnell ihr Weg nach oben verlief: Bevor sie aufs Rad umstieg, sorgte sie im Berglauf für Aufsehen und schaffte es im Skibergsteigen bis in den Weltcup.

ERSTE-Autorin Lena Krey hat wenige Wochen nach der Tour de France Femmes mit ihr gesprochen – also vor den Weltmeisterschaften, die am vergangenen Wochenende in Montréal stattfanden. Dort wurde Antonia im Einzelzeitfahren Siebte, während Nationalmannschaftskollegin Franzi Koch Bronze holte.

Die Saison ist für Antonia aber noch nicht vorbei: In wenigen Tagen geht sie bei den Straßenradsport-Europameisterschaften im slowenischen Ljubljana an den Start. Die EM startet am 3. Oktober. Die Fotos für diesen Newsletter hat Lucas Abad gemacht, der die Tour de France Femmes in diesem Jahr begleitet hat.

Antonia, du hast bei der Tour de France Femmes Geschichte geschrieben und die Rundfahrt als erste Deutsche im Weißen Trikot beendet. Konntest du schon realisieren, was dir da gelungen ist?

Die freie Woche danach hat mir geholfen, ein Stück weit zu begreifen, was da
eigentlich passiert ist. Aber ich glaube, richtig ankommen wird das erst in der
Nebensaison, wenn ich etwas Abstand habe und auf die ganze Saison zurückblicken kann. Bis so etwas wirklich verarbeitet ist, dauert es bei mir immer eine Weile.

Hat es dich selbst überrascht, wie stark du bei der Tour unterwegs warst?

Mit diesem Ergebnis habe ich definitiv nicht gerechnet! Meine Aufgabe war es, Kasia (Katarzyna Niewiadoma-Phinney) zu unterstützen – deswegen habe ich gar nicht darauf geschaut, wie ich selbst in der Gesamtwertung dastehe. Ich wusste natürlich, dass ich gute Beine habe, das habe ich schon nach dem Giro d’Italia gemerkt. Aber ich hatte auch keinen richtigen Plan.

Foto: Lucas Abad

Beim Giro d’Italia bist du in diesem Jahr Zweite geworden, dein bestes
Ergebnis bei einer großen Rundfahrt. Das dürfte dich ordentlich beflügelt haben, oder?

Auf jeden Fall. Es ist einfach ein cooles Gefühl, mit so einer Form in die Tour zu gehen und zu wissen: Ich kann vorne mitmischen. Das gibt einem einfach mehr Selbstvertrauen. Trotzdem war für mich klar, dass ich als Helferin fahre, diese Rolle war für mich völlig okay. Wenn dann zwei Fahrerinnen aus einem Team unter den Top 5 landen, ist das nochmal umso schöner. Das ist natürlich auch fürs Team ein super Gefühl.

Bei den Bergetappen hast du wieder einmal bewiesen, was für eine starke Kletterin du bist. Woher kommt das?

Ich glaube, das liegt einfach in der Natur der Dinge. Ich bin in den Bergen
aufgewachsen und war schon immer dort unterwegs – ein Stück weit gehört das einfach zu meiner DNA, zu meiner Kindheit und meinem natürlichen Charakter.

❝

WISSEN TO GO

Grand Tours im Frauenradsport Als Grand Tours bezeichnet man die drei großen Etappenrennen im Straßenradsport: den Giro d'Italia Women, die Tour de France Femmes und die Vuelta a España Femenina. Entschieden wird eine Rundfahrt in der Gesamtwertung, im Fachjargon GC (General Classification). Wer in der Gesamtwertung vorne mitfahren will, wird als GC-Fahrerin bezeichnet.

Die Rollen im Team In jedem Team steht vor einem Rennen ganz klar fest, wer auf Sieg, Einzel- oder Gesamtwertung fahren soll. Diese Fahrerin ist die Kapitänin, auch Leaderin genannt. Die übrigen Fahrerinnen sind Helferinnen: Sie beschützen ihre Kapitänin, holen Verpflegung aus dem Teamfahrzeug und bringen sie in die beste Position.

Kannst du dich trotzdem gut mit der Helferinnen-Rolle identifizieren, obwohl du selbst das Zeug hättest, ganz vorne mitzufahren?

Ich habe damit überhaupt kein Problem. Ich bin froh, wenn ich als Helferin fahren kann, und werde da nicht egoistisch und denke: Ich bin doch Zweite beim Giro geworden, jetzt muss auch für mich etwas rausspringen. 

Kasia hat einmal gesagt, dass sie fest davon ausgeht, dass du eines Tages die Tour de France gewinnen wirst. Wie gehst du mit so einem Vertrauensvorschuss um?

Das ist natürlich eine sehr ambitionierte Aussage. Aber klar: Der größte Traum jeder Radsportlerin ist es, irgendwann die Tour de France zu gewinnen, und das wäre auch für mich das Ziel für die Zukunft. Ich habe noch ein paar Jahre vor mir, und wir schauen einfach, wohin der Weg führt.

Setzt dich diese Erwartung unter Druck?

Nein. Ich bin generell niemand, der sich extrem unter Druck setzen lässt. Klar, einen gewissen Druck spürt man immer, aber ich sehe das eher als Privileg, dass man diesen Druck überhaupt spüren darf.

Antonia Niedermaier und Kasia Niewiadoma-Phinney, Siegerin der Tour 2024.
Foto: Lucas Abad

Wenn man auf deinen Werdegang blickt, fällt auf: Du scheinst in allem erfolgreich zu sein, was du anpackst. Erst starke Ergebnisse im Berglauf, dann das Nationalteam im Skibergsteigen bis in den Weltcup, und auch im Radsport ging es dann erstaunlich schnell. Hast du dir selbst schon mal die Frage gestellt, woran das liegt?

Ehrlich gesagt weiß ich es auch nicht genau. Ich denke, ich bin einfach ein sehr ehrgeiziger Mensch, dabei aber nicht verbissen, und das hilft mir enorm. Dadurch bleibe ich im Kopf klar und gehe die Sache locker an, dann läuft es fast von selbst. Gleichzeitig will ich als zielstrebiger Mensch alles möglichst perfekt umsetzen, auch im Training. Am Ende macht mir das, was ich tue, aber einfach so viel Freude. Ohne diesen Spaß würde ich es gar nicht machen, und ich glaube, ich wäre auch nicht annähernd so gut darin.

Wenn aus einer Leidenschaft ein Beruf wird, ist es ja nicht immer leicht, sich diesen Spaß zu erhalten.

Ich denke, das ist vor allem eine Mindset-Sache. Man muss sich immer wieder vor Augen führen, warum man überhaupt damit angefangen hat, und die Momente bewusst genießen – es als Privileg begreifen, dass man Leistungssport zum Beruf machen darf. Wenn ich im Training bei uns durch die Landschaft und durch die Berge fahre, wird mir das oft besonders bewusst: was für ein Geschenk das eigentlich ist.

Foto: Lucas Abad

Was hat dir dein Hintergrund im Skibergsteigen für den Radsport mitgegeben?

Gerade bei den Vertical-Rennen, aber auch bei den Individualrennen ist man komplett auf sich allein gestellt und muss wirklich durchziehen, selbst wenn es weh tut, und wirklich ans Limit gehen. Das hat mir für den Radsport sehr viel gebracht. Und weil man beim Skibergsteigen keine Wattwerte hat, nach denen man trainieren kann, muss man sehr auf sein Körpergefühl achten. Das habe ich dadurch sehr gut gelernt. Ich finde, das geht im Radsport manchmal ein bisschen unter, gerade bei jungen Fahrerinnen, die nur noch auf Wattwerte und Watt pro Kilo fixiert sind. Dabei sollte man nicht vergessen, auch auf sein Körpergefühl zu hören.

Also bist du auch gerne mal ganz ohne Uhr und Tracking unterwegs?

Definitiv! In meiner freien Woche war ich mountainbiken, laufen oder am Berg unterwegs – ohne Uhr, einfach nach Gefühl, so wie es mir Spaß macht. Und selbst im Rennen schaue ich eigentlich nie auf meine Wattwerte. Ich fahre so, wie es sich für mich richtig anfühlt, und ich glaube, gerade in den Zeitfahren ist das schon etwas Besonderes. Ich finde es wichtig, dieses Körpergefühl wieder mehr zurückzubringen, weil viele Sportlerinnen es inzwischen kaum noch haben. Das ist schade. 

Warum Antonia denkt, dass Radsportlerinnen wie Prinzessinnen behandelt werden und warum die Tour de France der Frauen beliebter wird als die der Männer, lest ihr nach dem Spotlight.

❝

SPOTLIGHTS

Don’t try this at home Am vergangenen Wochenende hat die Äthiopierin Tigst Assefa beim Berlin-Marathon nach einem dramatischen Finish den Weltrekord knapp verpasst. Es sah aus, als litte die 29-Jährige auf den letzten Kilometern an Krämpfen – sie humpelte, sie kämpfte (und wir litten vor dem Fernseher mit ihr). Später stellte sich heraus: Sie hatte sich die Achillessehne gerissen – und zwar schon lange vor dem Zielsprint, bei Kilometer 31. Wir rufen ganz ausdrücklich nicht zur Nachahmung auf, finden es jedoch auch immer wieder faszinierend, wie sehr Ausdauersportlerinnen an ihre Grenzen gehen können – und scheinbar auch darüber hinaus. Tigst hat aus dem Krankenhaus übrigens schon ihre Rückkehr angemeldet: 2027 will sie wieder fit sein.

Auf Meisterschaftskurs In der US-amerikanischen WNBA laufen die Playoffs um die Meisterschaft – und Leonie Fiebich hat mit der New York Liberty gerade Historisches geschaffen: Nach einer durchwachsenen Saison starteten Fiebich und Co. auf dem achten Platz in die Playoffs – und warfen dort nach zwei Spielen die erstplatzierten Minnesota Lynx aus dem Rennen. Ihr fragt euch: WTF sind die WNBA-Playoffs? Wir haben die Antwort: Die acht besten Teams der regulären Saison ziehen in die Playoffs ein, wobei die erste Runde im Best-of-3-, das Halbfinale im Best-of-5- und die Finals im Best-of-7-Modus ausgetragen werden. Die Halbfinals starten am Sonntag, den 4. Oktober 2026 – für wen wir rooten, könnt ihr euch denken.

Die Familienplanung auf Eis legen Der spanische Fußballverband RFEF hat sich mit einer Kinderwunschklinik zusammengetan, um es Nationalspielerinnen und Teammitgliedern zu ermöglichen, Eizellen einfrieren zu lassen. Die Maßnahme soll es ihnen ermöglichen, den Zeitpunkt einer möglichen Mutterschaft selbst zu bestimmen, so der Verband. Wir nehmen die Entscheidung mit gemischten Gefühlen auf. Klar, es ist immer gut, eine Wahl zu haben. Aber: Eine Eizellentnahme ist kein Spaziergang, sondern geht mit einer langwierigen Prozedur einher – und garantiert auch keine spätere Schwangerschaft. Sinnvoller wäre es, bessere Bedingungen für Sportlerinnen zu schaffen, die während ihrer aktiven Karriere schwanger werden und Mutter sein möchten – etwa besseren Mutterschutz, finanzielle Absicherung und Unterstützung beim Wiedereinstieg. Annika Becker und Mara Pfeiffer diskutieren die Nachricht in ihrem gleichnamigen Fußball-Podcast, den wir euch eh schon lange empfehlen wollten.

Termine, Termine, Termine! Die leidigen Montagsspiele der Fußball-Bundesliga werden schon alsbald Geschichte sein. Nun ja, zumindest ab der Saison 27/28. Das hat die FBL e.V. angekündigt, die ja bekanntlich die Neuausrichtung der Frauen-Bundesliga vorantreiben will. Ein wichtiger Punkt: die Montagsspiele abschaffen. Die konkurrieren nämlich nicht nur mit der Ballon-d-Or-Verleihung, wie wir dank der Bolztribüne wissen, sondern auch mit privaten oder beruflichen Verpflichtungen der Fans – vor allem, wenn es darum geht, das eigene Team auswärts zu unterstützen. Mit dem Move will die FBL den Fans entgegenkommen, die Montagsspiele bekanntlich seit Anbeginn der Zeitrechnung ablehnen. Außerdem soll es “Leuchtturm-Spieltage” geben und Sonntags-Konferenzen, berichtet der Kicker.

Poetry in Motion Die niederländische Fotografin Melissa Schriek – eine ehemalige Tänzerin – wirft einen ganz eigenen Blick auf junge Sportlerinnen: “Mich fasziniert die Vielfalt, in der Frauen Sport erleben, verkörpern und ihren Raum darin finden”, schreibt sie auf Instagram. Ihre Fotos widmen sich “dem Erleben von Frauen im Sport – von Athletik und Leistung bis hin zu Freundschaft, Leichtigkeit, Spiel und der Poesie der Bewegung.” Wir lieben vor allem die Serien “Basketball Girlhood”, ihre Fotos von Skaterinnen und Fußballspielerinnen – und möchten euch ihre Arbeit einfach nur aus vollster Überzeugung ans Herz legen.

Foto: Lucas Abad

“Ich glaube, man sollte Sportlerinnen nicht zu sehr verwöhnen.”

Du hast einmal gesagt, im Radsport werde man wie eine Prinzessin behandelt. Was hast du im Vergleich zum Skibergsteigen im Umgang mit Athletinnen gelernt?

Dieses Princess-Treatment erlebt man im Radsport auf jeden Fall. Im Skibergsteigen gibt es diese Strukturen, wie man sie im Radsport hat, gar nicht in dem Maße. Man macht wahnsinnig viel selbst, es ist viel Eigeninitiative gefragt, gerade in solchen Nischensportarten. Als ich angefangen habe, mussten wir noch fast alles allein organisieren, mal war ein Physio dabei, mal nicht, man hat sich gegenseitig geholfen. Das Nationalteam war dadurch fast wie eine Familie, was auch schön war. Im Radsport dagegen ist inzwischen alles extrem professionell geworden, gerade in den letzten Jahren habe ich gemerkt, wie sehr sich das gewandelt hat. Das hat schöne Seiten, aber auch negative.

Was sind die negativen Seiten?

Man ist nicht mehr so selbstständig. Es gibt Athletinnen und Athleten, die wirklich sehr verhätschelt werden und wenn sie dann irgendwann wieder ins ganz normale Leben kommen, merken sie, wie viel man eigentlich selbst machen muss. Das ist natürlich nicht bei allen so, aber ich glaube, man sollte Sportlerinnen nicht zu sehr verwöhnen und ihnen ruhig manche Dinge selbst überlassen. 

Ein anderer Gegensatz zeigt sich auch am Ende einer Grand Tour: Wochenlang bist du rundum betreut, mittendrin im Trubel – und dann ist plötzlich, von einem Tag auf den anderen, alles vorbei. Wie erlebst du diesen Bruch, wenn zuhause auf einmal Stille herrscht?

Ich genieße diese Stille wirklich sehr. Ich bin dann gerne mal ganz für mich, mit meinem Hund, meinem Freund und meinen Pferden. Diese freie Woche nach der Tour habe ich wirklich genossen, weil ich einfach das machen konnte, worauf ich Lust hatte. Auch meine Tiere erden mich danach immer total, egal ob ich bei der Tour Vierte, 24. oder 44. werde: Sie sind einfach für mich da und haben mich genauso lieb, so wie ich bin.

Foto: Lucas Abad

Du hast nach der Tour gesagt, du hoffst, viele Mädchen inspiriert zu haben. Siehst du dich selbst als Vorbild?

Ich hoffe sehr, dass ich für junge Mädels eine Inspiration bin, aber eigentlich für alle Frauen. Als ich selbst noch jung war, gab es den Frauenradsport in diesem Sinne noch gar nicht so stark. Deshalb freut es mich heute umso mehr, wenn ich junge Mädels auf dem Rad sehe, die total begeistert sind oder mich nach einem Autogramm fragen. Es ist schön zu sehen, dass ich ein Feuer entfachen kann.

Bei der diesjährigen Tour ist deutlich klar geworden, wie viele Fans der Frauenradsport anzieht. Trotzdem kämpft ihr medial noch um Aufmerksamkeit. Frustriert dich das manchmal?

Ich finde, es entwickelt sich schon in eine sehr gute Richtung, aber man muss dem Ganzen noch etwas Zeit geben. Ich hoffe, dass wir künftig mehr Aufmerksamkeit von den Medien bekommen und dass die Rennen komplett übertragen werden, nicht nur die letzten zwei Stunden – das finde ich immer etwas schade. Aber ich glaube, es geht in die richtige Richtung, und die Gesellschaft braucht dafür einfach noch ein bisschen Zeit. Das Interesse ist jedenfalls da, das stimmt mich positiv.

Ich habe zuletzt öfter gehört, dass viele inzwischen lieber die Tour de France der Frauen schauen als die der Männer. Woran liegt das?

Ich glaube, unser Rennen ist einfach spannender, weil es kürzer ist und nicht drei Wochen dauert – dadurch sind auch die Zeitabstände enger. Es wird aggressiver gefahren, und bis jetzt war bei jeder Grand Tour der Frauen bis zum letzten Tag noch nichts entschieden. Das ist der Reiz, den viele Leute dabei spüren.

Foto: Lucas Abad

Diese Entwicklung – schneller, aggressiver – hat bestimmt auch eine Kehrseite.

Man muss aufpassen, dass man es damit nicht übertreibt. Bei manchen Zielankünften der Tour waren die Finals schon sehr gefährlich. Dass bei einer Grand Tour von Tag eins bis zum letzten Tag hart gefahren wird, wissen wir alle und sind darauf eingestellt, bei dieser Tour war es aber nochmal besonders, weil praktisch jeder Tag ein GC-Tag war, es wurde uns wirklich nichts geschenkt. Die Rennen werden schneller und aggressiver, deshalb muss man bei der Streckenführung genau überlegen, wie sich zusätzliche Gefahren vermeiden lassen. Es passiert leider wahnsinnig viel, und hätte ich dafür eine Lösung, würde ich selbst zur UCI gehen. Aber ich denke, dort sitzen Leute, die das besser einschätzen können und sich gut darum kümmern.

Die WeFemmes-Aktion von Canyon greift einen Gedanken auf, der auch uns bei ERSTE sehr am Herzen liegt: Jede Fahrerin bringt eine Frau mit, die noch nicht Rad fährt. Wer hat dich damals zum Radsport gebracht?

Das war auf jeden Fall meine Familie. Meine Mama fährt viel Rad, mein Papa auch, aber meine Inspiration war vor allem mein Opa. Er ist mit 88 Jahren immer noch ohne E-Bike unterwegs und hat mir als Kind das Radfahren beigebracht. Wir haben früh gelernt, so viel wie möglich mit dem Rad unterwegs zu sein, auch der Umwelt zuliebe. Und ich merke selbst, wie ansteckend der Sport ist: Auch meine Schwester hat irgendwann mein altes Rad bekommen und fährt jetzt total begeistert. 

Kasia Niewiadoma-Phinney und Antonia Niedermaier.
Foto: Lucas Abad

❝

WHAT TO WATCH

4.10. | Basketball | Bundesliga Die Basketball-Bundesliga (DBBL) startet am Wochenende – Alba Berlin empfängt Marburg, die amtierenden Meisterinnen aus Keltern treten gegen die Eigner Angels Nördlingen an. DYN überträgt die Spiele kostenfrei auf YouTube, auch wenn wir euch natürlich den Besuch in der Halle ans Herz legen.

9.10. | Tischfußball | Lesung Auf Instagram haben wir bereits über die Autobiografie von Linh Tran geschrieben, der fünfmaligen Weltmeisterin im Tischfußball. “Aus dem Handgelenk – Warum ich Weltmeisterin im Tischkickern werden musste”, heißt das Buch, in dem es natürlich nicht nur um den Sport geht, sondern auch um Linhs ganz besondere Geschichte. Gemeinsam mit Co-Autorin Mara Pfeiffer liest Linh am 9.10. im Kulturpalast Harburg. Hin da!

14.10. | Rudern | Dokumentation Über die Kinoreihe “Ready, Steady, Go Ladies!” haben wir bereits berichtet – am 14. Oktober zeigen die Veranstalterinnen die Dokumentation Pink Power im Cinema Münster. Es geht ums Rudern, um den unbedingten Willen, an einer Europameisterschaft teilzunehmen – und um das Leben nach einer Krebsdiagnose. Hier geht’s zur Website der Reihe.

ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN, kurz: ERSTE, ist ein Newsletter, ein Magazin, ein Podcast, eine Mission. Abonniert diesen Newsletter, wenn ihr findet, dass Profisportlerinnen mehr Sichtbarkeit verdient haben. Und schreibt uns! Wir freuen uns über jegliche Hinweise, Ideen und Vorschläge – und über neue, noch nicht erzählte Geschichten. [email protected]

Redaktion und Lektorat: Katalina Farkas, Nicole McDermott, Aron Farkas. Fotos: Lucas Abad

Unser nächster Newsletter erscheint am Donnerstag, den 15. Oktober.