Schön, dass du dabei bist!
Hier schreibt Katalina von ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN. Zusammen mit meinen Mitstreiter*innen möchte ich ein Printmagazin auf den Markt bringen, das sich einzig und allein dem Sport der Frauen widmet. Wir schaffen eine Bühne für Spitzensportlerinnen und die Menschen, die sie auf ihrem Weg begleiten – weil ein solches Produkt längst überfällig ist.
Dazu suchen wir weitere Partner*innen! Meldet euch bei uns, wenn ihr für Pitchdecks brennt, euch in KPIs verlieren könnt, liebend gerne Sponsor*innen akquiriert oder Lust habt, die unternehmerische Entwicklung des Magazins mitzugestalten.
Außerdem stellen wir euch demnächst ein paar Fragen. Wir möchten erfahren, was ihr lesen wollt – und was auf gar keinen Fall fehlen darf. Denn letztendlich wird es ein Magazin für euch, für all die Sportler*innen und Sportbegeisterten, für Profi-Trainer*innen und Hobby-Coaches – für all jene, die den Sport (der Frauen) ebenso feiern wie wir.
ERSTE is a team effort
Kurzer Rückblick: 2012 habe ich, Katalina, für die Süddeutsche Zeitung gearbeitet – und damals einen großen Bogen um die sehr männlich besetzte Sportredaktion gemacht. Ganz anders Nicole: Sie schrieb über alle Sportarten, über Athletinnen und Athleten, über Wacker Burghausen und den EM-Triumph der Fußballerinnen 2013 ebenso wie über die junge Gewichtheberin, die über Sprungkraft und Techniken fachsimpelte: “Der Schweiß im Haar, das Feuer in ihren Augen, das Zupacken, die Wucht: All das wollte ich beschreiben. Weil ich als Sportlerin selbst diese Passion und Genugtuung nachempfinden konnte.” – So die Worte von Nicole, warum es sie in den Sport getrieben hat.
Ich kam eher zufällig zu meinem ersten Sporttext. Es ging um die Basketballerinnen vom FC Bayern, die trotz sportlicher Erfolge nicht aufsteigen durften und dann in meinen Verein wechselten, zum BC Hellenen. Ich hatte das Gefühl, dass das eine Story sein könnte – und schrieb dann eben doch eine Geschichte für den Sport. So haben Nicole und ich uns damals über den Sport kennengelernt – und jetzt zusammen ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN gegründet. Wenn das kein Full Circle Moment ist?
Warum erzählen wir euch das? In den kommenden Newsletter-Ausgaben wollen wir euch die Menschen vorstellen, die hinter ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN stehen. Und euch immer mal wieder mitnehmen in den Prozess, eine Medienmarke aufzubauen. Einiges geht schnell voran, anderes dauert länger. Das ist oft lehrreich und manchmal frustrierend. Schön wird es immer dann, wenn wir merken, dass wir tatsächlich nicht allein sind auf unserem Weg. Oder auch dann, wenn wir einfach zusammen ein Fußballspiel schauen. Das haben wir nämlich vor wenigen Wochen beim FC Viktoria Berlin gemacht, obwohl Nicole mittlerweile in Irland lebt.
Und jetzt zum Sport
Es geht in dieser Ausgabe um Fußball. Es geht aber auch um die Frage, wie unabhängig der Fußball der Frauen in Deutschland eigentlich noch sein kann.
Ein Blick auf die Bundesliga-Tabelle scheint die Frage zu beantworten. Sportlich ist vor dem letzten Spieltag der Bundesliga-Saison schon vieles entschieden: Der FC Bayern hat sich frühzeitig den vierten Meistertitel in Folge gesichert, der VfL Wolfsburg steht erneut auf Platz zwei. Wenig überraschend steigt Carl-Zeiss Jena in die 2. Frauen-Bundesliga ab, und auch die SGS Essen hat kaum noch Chancen auf den Klassenerhalt. Damit könnte der letzte eigenständige Frauen-Erstliga-Verein vorerst aus der Bundesliga verschwinden.
Es scheint, als seien vor allem die Clubs erfolgreich, die auf die Infrastruktur, Reichweite und die finanziellen Mittel großer DFL-Lizenzvereine zurückgreifen können. Und auch in der zweiten Liga drängen mit Stuttgart und Mainz die nächsten aus dem Fußball der Männer bekannten Traditionsclubs nach oben.
Enter: Viktoria Berlin
Der FC Viktoria Berlin, derzeit auf Tabellenplatz fünf in der zweiten Liga, verfolgt einen besonderen Weg, den es im deutschen Frauenfußball so noch nicht gab: getragen von rund 250 Einzelinvestor*innen, dazu seit Ende 2025 unterstützt vom US-Investor*innenverbund Monarch Collective. Gegründet wurde das Projekt von Felicia Mutterer, Katharina Kurz, Lisa Währer, Tanja Wielgoß, Verena Pausder und Ex-Nationalspielerin Ariane Hingst – mit dem erklärten Ziel, den Fußball der Frauen zu revolutionieren.
“Großkotzig oder gesund selbstbewusst?” soll Felicia Mutterer über ihr eigenes Projekt gesagt haben (das schreibt zumindest die taz). Wir votieren für Letzteres. Interessant finden wir aber das Raunen, das einem hin und wieder begegnet, wenn man sich mit dem Club befasst: Man müsse das ja nicht gut finden. Stimmt, muss man nicht. Darf man aber. Wir ziehen auf jeden Fall respektvoll den Hut vor dem unternehmerischen Ehrgeiz und den mad networking skills der Gründer*innen sowie vor dem großen Ziel, das sie sich gesetzt haben: den Aufstieg in die Frauen-Bundesliga.
Mit Viktoria-Kapitänin Nina Ehegötz haben wir – ERSTE-Mitstreiterin Julie Klostermann und Katalina – darüber gesprochen, was es bedeutet, für einen solchen Club zu spielen, über Entwicklungen im Fußball der Frauen und über Möglichkeiten und Grenzen des Viktoria-Modells. Die wunderbare Paulina Hildesheim hat Nina außerdem ins Stadion in Berlin-Lichterfelde begleitet – und sie und ihre Mitspielerinnen dort beim Training fotografiert.
Projekt: ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN
Bevor es losgeht, wie immer die Bitte: Leitet diesen Newsletter an alle weiter, die sich mehr Sichtbarkeit für den Sport der Frauen wünschen. Schreibt uns, teilt eure Gedanken und Vorschläge mit uns – wir freuen uns über eure Nachrichten! Hier erreicht ihr uns: [email protected]
Ready, set, go!

Foto: Paulina Hildesheim
“Wir haben das Potenzial, ganz oben mitzuspielen.”
Nina Ehegötz hat im Fußball der Frauen fast alles gesehen, könnte man meinen: Umso mehr freuen wir uns darüber, dass sie uns im Newsletter beehrt. Seit ihrem Debüt im Jahr 2012 in der U-15-Nationalmannschaft hat sie alle Auswahlteams der DFB-Juniorinnen durchlaufen, gewann mit der U-17-Nationalmannschaft die Europameisterschaft und 19-jährig die Fritz-Walter-Medaille in Gold – die erhält nur, wer als besonders aussichtsreiches Talent gilt. Für den 1. FC Köln, Bayer 04 Leverkusen und Turbine Potsdam spielte sie mehr als 100 Partien in der Google Pixel Frauen-Bundesliga – jetzt führt sie als Kapitänin und Leistungsträgerin den Aufsteiger Viktoria Berlin in der 2. Frauen-Bundesliga an.
Dass Nina noch mal die Fußballschuhe geschnürt hat, ist auch ihrem jetzigen Club zu verdanken. 2022 hatte sie ihre Karriere (und die entsprechenden Schuhe) eigentlich nach fünf Jahren bei Turbine Potsdam an den Nagel gehängt: Zu viel Druck, zu viele Kompromisse. Mit dem FC Viktoria Berlin trat sie dann jedoch wieder in der Regionalliga an, 2025 gelang der Aufstieg in die zweite Liga. Das Ziel des Clubs aus Berlin-Lichterfelde ist klar: Die Berlinerinnen wollen den Aufstieg in die erste Liga schaffen.
Nina, am Wochenende steht das letzte Spiel eurer ersten Zweitligasaison an – gegen Turbine Potsdam. Wie fühlt es sich an, gegen den alten Verein aufzulaufen?
Ich freue mich auf das Spiel in Potsdam. Da schwingt aber schon auch ein Funken mehr Nervosität mit als bei anderen Spielen. Grundsätzlich überwiegt gerade aber der Fokus darauf, das letzte Spiel der Saison mit diesem Team zu genießen.
Wie fällt dein Fazit zur Saison aus?
Wir waren uns von vornherein sicher, dass wir an den oberen Plätzen kratzen wollen. Dass es für einen möglichen Aufstieg in die Erste Liga vielleicht ein bisschen zu früh ist, war uns aber auch bewusst. Es war ein sehr lehrreiches Jahr. Uns ist klar geworden, dass wir jede Woche an unsere Leistungsgrenze gehen müssen. Aber: Wir haben auch das Potenzial, ganz oben mitzuspielen.
In der nächsten Saison bekommt ihr in der zweiten Liga neue namhafte Konkurrenz. Auffällig ist vor allem, dass immer mehr Klubs mit erfolgreichen Männervereinen im Hintergrund nach oben strömen. Was denkst du darüber?
Generell ist es super positiv, dass immer mehr Vereine professionelle Bedingungen für Frauen bereitstellen, weil in der Breite alle Fußballerinnen davon profitieren. Je mehr Vereine ernsthaft dahinter stehen, desto mehr müssen auch die machen, die schon oben sind. Ob das mit einem Männerverein im Rücken passiert oder mit dem Weg, den Viktoria gewählt hat, ist zweitrangig, wenn es uns Fußballerinnen zugutekommt. Ich bin natürlich ein Fan von unserem Weg.
Zu der neuen Konkurrenz könnte auch Hertha BSC zählen. Mit euch und dem 1. FC Union in der ersten Liga gäbe es dann drei Profiteams aus der Hauptstadt. Wird Berlin zur Frauenfußball-Hochburg?
Ich hoffe es! Union, Hertha und Viktoria gehen drei komplett unterschiedliche Wege. Es ist schön zu sehen, dass alle drei zum Erfolg führen können.
Union vermeldet immer wieder großartige Zuschauer*innenzahlen. Warst du selbst schon als Zuschauerin an der Alten Försterei?
Ich war zwei, drei Mal da. Zu wenig eigentlich, weil das Stadion wirklich was Besonderes ist. Es hat die perfekte Größe für die Anzahl an Zuschauern, man ist nah dran, die Stimmung ist cool. Wir haben ein paar Spielerinnen mit Union-Vergangenheit, die da noch Freunde haben, die sind noch öfter da.

Foto: Paulina Hildesheim
Du spielst seit über drei Jahren bei Viktoria Berlin. Und das, obwohl du deine Karriere vorher eigentlich schon beendet hattest. Warum wolltest du aufhören?
Es war damals eine längere Phase, in der ich mir viel zu viel Druck gemacht habe. Ich hatte den Spaß am Fußballspielen verloren. Damals wollte ich den Aufwand nicht mehr auf mich nehmen, wollte nicht mehr so viel für den Leistungssport aufgeben und habe bewusst den Weg in das Berufsleben eingeschlagen.
Was hat dich dann doch zum Umdenken gebracht?
(lacht) Ich habe mir schon gedacht, dass die Frage kommt! Ursprünglich wollte ich hobbymäßig bei Viktoria Fußball spielen und dazu weiter meinen Job ausüben. Wir haben zu dem Zeitpunkt dreimal die Woche am Abend trainiert. Am Wochenende war entweder ein Spiel oder man hatte halt frei. Für mich war das genau richtig, um den Spaß und die Leichtigkeit wieder zurückzugewinnen und um dann auch zu merken, wie viel mir der Fußball doch noch gibt.
Mittlerweile bist du wieder voll im Profileben angekommen. Was ist jetzt anders?
Ich glaube, ich habe mich einfach weiterentwickelt. Ich habe gelernt, mir weniger Druck zu machen und meine Erwartungen realistischer zu halten. Ich habe aber auch immer noch diesen intrinsischen Ehrgeiz, das Maximale herauszuholen. Deswegen wäre der Hobbyfußball langfristig wahrscheinlich gar nichts für mich gewesen. Und trotzdem gehört er zu der Entwicklung, die ich gehen musste. Dazu kommt natürlich die Erfahrung, die man im Laufe der Zeit sammelt. Es tut immer noch weh, wenn man mal einen Elfmeter verschießt, aber ich kann besser damit umgehen.
Du sprichst die vielen Erfahrungen an, die du in deiner Karriere schon sammeln konntest. Unterscheidet sich das, was bei Viktoria aufgebaut wird, von dem, was du aus anderen Vereinen kennst? Wenn ja, inwiefern?
Ich habe für Köln und Leverkusen gespielt. Zwei Vereine, hinter denen große Männerklubs stehen. Da konnten wir die bestehende Infrastruktur mitbenutzen. In Potsdam war es ähnlich. Das war zwar ein reiner Frauenfußballverein, aber mit viel Tradition. Da blieb auch alles so, wie es schon war.
Bei Viktoria ist es anders: Wir haben unter Amateurbedingungen angefangen und professionalisieren uns jetzt. Das funktioniert so gut und schnell, weil jeder im Club den Willen hat, das Projekt voranzutreiben. Dadurch verbessern sich Dinge eigentlich von Monat zu Monat.
Reizt dich genau diese Entwicklung oder dieses Potenzial vielleicht heute noch mehr als am Anfang, als du bei Viktoria begonnen hast?
Ja, auf jeden Fall! Es macht Spaß, sich da aus Spielerinnensicht einzubringen. Mich persönlich interessiert außerdem, wie der Club dieses unternehmerische Denken mitbringt und wie innovativ sie da Dinge angehen. Wir haben zum Beispiel den coolsten Instagram-Kanal Deutschlands. Und ansonsten ist es einfach das Gesamtbild, von uns Spielerinnen, der Marke, und vom Club.

Foto: Paulina Hildesheim
Das Geschäftsmodell ist mit seinen vielen Einzelinvestor*innen sehr besonders. Wie viel Austausch besteht zu den Investor*innen, und was könnt ihr Spielerinnen für euch daraus ziehen?
Wir haben zweimal im Jahr ein Get Together mit Investoren und Spielerinnen. Da tauscht man sich aus und lernt Leute kennen. Und dann sieht man die Investoren natürlich immer wieder bei uns im Stadion. Wir haben auch ein Mentoring-Programm, bei dem immer eine Spielerin mit einer Investorin connected wird und dann über ein Jahr hinweg ein regelmäßiger Austausch stattfindet. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass wenn man irgendein Anliegen hat, sei es Job- oder Wohnungssuche, innerhalb der Investorinnengruppe eine extreme Hilfsbereitschaft herrscht.
Denkst du euer Modell könnte auch für andere Vereine funktionieren?
Ich glaube, dieses Modell mit den vielen Einzelinvestoren und -investorinnen ist schon schwer zu übertragen. Das war einfach eine sehr starke Leistung unserer Gründerinnen, auch begünstigt durch deren Netzwerk. Und man hat ja auch gesehen, dass irgendwann trotzdem ein großer Investor reingeholt werden musste.
Der Einstieg des US-Investors Monarch Collective hat 2025 für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Was bedeutet eine solche Entwicklung aus Spielerinnensicht?
Wir haben uns über die Nachricht gefreut, vor allem weil die Art des Investors so besonders ist. Es ist ein Fonds, der von Frauen gegründet wurde und der zum Beispiel schon den Angel City FC in den USA unterstützt. Ihr Ansatz passt perfekt zu Viktoria Berlin. Wir haben die Gründerinnen zum Teil schon kennengelernt und der Enthusiasmus, den sie mitbringen, der ist schon sehr cool. Zumal es für uns ja auch bedeutet, dass noch einmal mehr Energie, Leidenschaft und Expertise in das Projekt fließen.
Merkt man das Investment auch ganz konkret im Alltag oder in den Strukturen?
Das betrifft schon eher den Prozess. Wir haben jetzt nicht von heute auf morgen ein neues Gym, neue Kabinen und einen neuen Platz. Aber Fortschritte sind einfacher möglich, weil wirtschaftlich wieder mehr Luft da ist.
Übt das auch Druck aus, jetzt noch besser zu performen?
Also ich glaube, wenn man mit dem Ziel antritt, nach fünf Jahren in der Ersten Liga zu spielen, dann ist automatisch ein gewisser Druck da. Dafür sind wir Spielerinnen ja auch alle zu Viktoria gekommen, um dieses Ziel zu erreichen. Da braucht es keinen extra Druck von außen.
Was Nina über die Entwicklung im Fußball der Frauen denkt und wer sie auf ihrem Weg begleitet hat, lest ihr nach dem Spotlight.
SPOTLIGHT
Die Erste Kathleen Krüger, langjährige Teammanagerin des Männerteams des FC Bayern München, wird zum 1. Juli Sportvorständin beim Hamburger SV. Lieben wir – genau wie die Verpflichtung von Marie-Louise Eta als Trainerin beim Männerteam des FC Union Berlin oder von Tatjana Haenni, die seit Anfang des Jahres die Geschicke des RB Leipzig als CEO leitet. Wir freuen uns über die Lichtblicke. Und wollen gleichzeitig daran erinnern, wie lang der Weg zu wirklicher Gleichberechtigung im Spitzensport noch ist.
Money, money, money Die neu gegründete Frauen-Bundesliga (FBL e.V.) will nach den geplatzten Verhandlungen mit dem DFB massiv in den Fußball der Frauen investieren. “Wir werden sehr wahrscheinlich zwischen 700 und 800 Millionen Euro in den nächsten acht Jahren investieren”, sagte Katharina Kiel, Direktorin Frauenfußball bei Eintracht Frankfurt und Präsidentin des neu gegründeten Ligaverbandes, dem kicker und fügte an: “Was der DFB investieren wollte, steht in einer sehr großen Differenz dazu.” Beim DFB sorgten einzelne Aussagen laut der Frankfurter Rundschau für Irritationen. Unklar ist bisher auch, woher das Geld für die Investitionen kommen soll. Wir beobachten die Entwicklungen jedenfalls mit großem Interesse und sind gespannt, was die nächste Mitgliederversammlung im Juni bringen wird.
Everyone’s watching women’s football Auch in Deutschland boomt der Fußball der Frauen. Über 106.000 Fans haben die Heimspiele des 1. FC Union Berlin in der Alten Försterei verfolgt – im Schnitt waren das 8.209 Fans pro Spiel, Rekord in der Frauen-Bundesliga. Das Halbfinal-Rückspiel der Champions League zwischen dem FC Barcelona und dem FC Bayern München hat im heimischen TV zudem für beste Einschaltquoten gesorgt, auch wenn es nicht für den Finaleinzug der Münchnerinnen gereicht hat: 1,7 Millionen Menschen schalten am Sonntag, den 3.5., live im ZDF ein.
Vier Schanzen und ein Hallelujah Wenn zum Jahreswechsel die 75. Ausgabe der sagenumwobenen Vierschanzentournee stattfindet, werden die Frauen erstmals ein vollwertiger Teil des Skisprung-Spektakels sein. Die Vierschanzentournee löst die Two-Nights-Tour ab; die Springen der Frauen sollen jeweils einen Tag vor den Wettkämpfen der Männer stattfinden. Jetzt müssen wir nur noch hoffen, dass sich die Ausrichter*innen rechtzeitig mit dem Deutschen Skiverband einigen, sodass die “Adlerinnen” auch tatsächlich fliegen können.
Supermom Dass Mütter Superkräfte entwickeln können, ist bekannt. Dass sie ein Gravel-Rennen wie das legendäre Traka nur sechs Monate nach der Geburt ihres Kindes absolvieren, haut uns dann aber doch um: Luisa Werner hat genau das getan – sie hat die 360-Kilometer-Runde bewältigt. “Ich wusste, dass es ein Abenteuer werden würde, vor allem mit der Extra-Herausforderung, alle vier Stunden zu stillen und abzupumpen”, schreibt Sophie auf Instagram. Die übrigens auch noch – solltet ihr noch einen Extranachweis für ihre Superkräfte brauchen – in Informatik promoviert hat.
In the long run Die US-amerikanische Ultraläuferin Rachel Entrekin gewinnt die Gesamtwertung des Cocodona 250 (jup, der Titel beinhaltet die zu absolvierenden Meilen, also 407 Kilometer) in 56:09:48 Stunden und unterbot damit den bisherigen Rekord von Dan Green (58:47:18) um ganze 2 Stunden und 37 Minuten. Der Cocodona gilt als einer der härtesten Ultra-Läufe der Welt – schneller als Rachel hat ihn kein Mensch je zuvor beendet. In diesem Video spricht sie über ihre Gedanken während des Rennens. Unser Favorit: “Irgendjemand muss gewinnen. Why not me?” Das Mantra drucken wir uns aus – und hängen es uns über den Schreibtisch. Im Sinne von: Irgendjemand muss ja ein Magazin für den Sport der Frauen machen. Warum nicht wir?

Foto: Paulina Hildesheim
“Ich hatte den Traum, als Frau in der Männerbundesliga zu spielen.”
Hier kommt der zweite Teil des Interviews mit Viktoria-Berlin-Kapitänin Nina Ehegötz. Es geht um wachsende Zuschauer*innenzahlen, strapazierte Plätze – und um Ninas Wegbegleiter*innen.
Wenn wir nochmal einen Schritt zurückgehen und auf die letzten Jahre schauen, hat sich da im Frauenfußball insgesamt sehr viel bewegt. Kriegt man diesen Wandel auch als Spielerin mit?
Auf jeden Fall. Allein durch die steigenden Zuschauerzahlen in der Zweiten Liga, aber auch durch die wachsende Professionalität der Vereine, gegen die wir spielen. Selbst die zweite Liga ist mittlerweile professioneller, als es die erste Liga damals war.
Man hört immer wieder, dass sich die Infrastruktur verbessert. Was bedeutet das konkret?
Das sind beispielsweise die Plätze, auf denen man spielt. Das waren früher oft einfache Fußballplätze, wo Leute drumherum stehen konnten, und jetzt spielen wir auch mal in größeren Stadien. Oder auch der Staff. Ich glaube, es gibt kein Team mehr, das ohne Athletiktrainer, Torwarttrainer, Co-Trainer, Physiotherapeut anreist. Das sind alles Verbesserungen, die wir als Spielerinnen unmittelbar merken und die dazu beitragen, dass wir bessere Leistungen bringen können.
Gibt es trotzdem noch Momente, in denen du merkst, dass die Entwicklung hinterherhinkt?
Es gibt auf jeden Fall noch Entwicklungspotenzial. Wir haben zum Beispiel Mental Coaches, das ist aber längst nicht überall normal. Die Trainingsbedingungen können auch immer noch verbessert werden. Das ist gerade in Berlin ein schwieriges Thema, weil es einfach zu wenig Trainingsplätze gibt. Dann auch noch vernünftige Rasenplätze zu bekommen, ist sehr schwierig.
Wenn du die Trainingsplatz-Situation in Berlin ansprichst: Mit wem streitet ihr euch denn um die Plätze?
Die Plätze, auf denen wir trainieren, gehören ja der Stadt und grundsätzlich ist es so, dass Vereine Vorrang haben vor GmbHs – und wir sind halt eine GmbH. Letztes Jahr haben beispielsweise noch zwei Männermannschaften in dem Stadion mit uns gespielt. Das hat man schon in der Qualität des Rasens bemerkt. Dadurch war der Platz häufig uneben, was es erschwert, guten und technisch sauberen Fußball zu spielen. Außerdem erhöht ein schlechter Platz das Verletzungsrisiko und die Umknickgefahr für uns Spielerinnen. Hinzu kommt, dass die Stadt auch für die Pflege zuständig ist. Und die haben eben viele Plätze, um die sie sich kümmern müssen.
Was müsste sonst noch passieren, damit der Fußball der Frauen in Deutschland den nächsten großen Schritt gehen kann?
Ich glaube, dass die Initiative der Frauenklubs, eine eigene Bundesliga zu gründen, ein sehr guter Schritt ist. Dass man sich gemeinsam als Liga dafür entscheidet, nicht alles vom Männerfußball zu kopieren, sondern seinen eigenen Weg geht, finde ich gut. So bleibt man auch nicht die ganze Zeit die “kleine Schwester”. Und so macht es Viktoria ja auch.

Foto: Paulina Hildesheim
Wenn man es mit anderen Sportarten vergleicht, hat man oft das Gefühl, dass der Fußball der Frauen verhältnismäßig viel mediale Aufmerksamkeit bekommt, auch wenn natürlich noch Luft nach oben ist. Über welche News hast du dich zuletzt besonders gefreut und welche hat dich vielleicht geärgert?
Worüber man sich immer freut, sind Nachrichten zu steigenden Zuschauerzahlen. In den USA gab es zuletzt wieder ein Rekordspiel [das Spiel zwischen Denver Summit und Washington Spirit verfolgten 63.004 Zuschauer*innen vor Ort], aber auch in Europa gibt es immer wieder neue Rekorde. Gleiches gilt für die TV-Zahlen. Dass da bei den Einschaltquoten regelmäßig Frauenfußball-Spiele auf den Top-Plätzen stehen, ist schon etwas, was einen freut. Und es widerlegt das, was viele bei Social Media schreiben, nämlich, dass Frauenfußball niemanden interessiert. Womit wir bei den negativen Dingen wären. Ich weiß nicht, wie viele solcher Kommentare es immer noch auf Social Media gibt. Das ist schon erschreckend, wie Leute so viel Energie in diese Kommentare investieren können, ohne wahrscheinlich jemals bei einem Spiel gewesen zu sein.
Hast du das Gefühl, dass junge Mädchen heute andere Voraussetzungen haben, als du sie damals hattest?
Auf jeden Fall. Ich habe mit vier Jahren bei den Jungs angefangen und konnte mir damals gar nicht vorstellen, Fußballprofi zu werden, weil ich überhaupt keine Vorbilder hatte. Die einzige Fußballerin, die ich da kannte, war Birgit Prinz. Ich hatte eher den Traum, als Frau in der Männerbundesliga zu spielen. Als ich dann mit 14 das erste Mal von der Mädchen-Westfalen-Auswahl gesichtet wurde, war das total neu für mich. Ich wusste vorher gar nicht, dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt.
Heutzutage ist allein die mediale Aufmerksamkeit deutlich größer. Frauenfußball ist viel sichtbarer für junge Mädchen, es gibt mehr Vorbilder. Nur deswegen kann es jetzt auch ein Traum von kleinen Mädchen sein, Fußballerin zu werden. Ich hoffe, dass die Entwicklung so weitergeht, dass mehr Mädchen die Möglichkeit bekommen, Profifußballerin zu werden und dann auch davon leben können, sodass es wirklich ein Job ist.
Zum Abschluss: Der Newsletter heißt ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN. Wer oder was hat dich am meisten auf deinem Weg getragen und vor allem: Was hast du von ihnen gelernt?
Ich würde sagen, das waren immer meine Mitspielerinnen. In einem Team spielen zu dürfen, in dem man Freunde hat, mit denen man zusammen gewinnt, zusammen verliert, jeden Tag zusammen verbringt. Das ist einfach das Besondere am Fußball und generell im Teamsport, dass man immer seine engsten Leute um sich herum hat, die für einen da sind, egal ob es gut läuft oder schlecht.
Danke, Nina! Wir drücken die Daumen für den letzten Spieltag – und sind gespannt, wohin euch eure Reise führen wird!
Katalina hat Nina zusammen mit Julie Klostermann im späten März zum Video-Interview getroffen und durfte später noch ein paar Fragen zum letzten Spieltag nachschießen. Julie schreibt regelmäßig für den Tagesspiegel-Sport und dort vor allem über Fußball. Als gebürtige Berlinerin verfolgt sie Viktorias Weg schon seit der Regionalliga.
Redaktion und Lektorat: Katalina Farkas, Nicole McDermott, Fred Grimm, Aron Farkas. Fotos: Paulina Hildesheim, Assistenz: Charlotte Köhncke.

Foto: Paulina Hildesheim
WHAT TO WATCH
14.5. | Fußball | DFB-Pokal-Finale Die Wölfinnen des VFL treffen im DFB-Pokal-Endspiel in Köln auf die Meisterinnen aus München. Mehr als 40.000 Tickets sind bereits verkauft, die Begegnung dürfte zum Fußballfest werden. Können die Wolfsburgerinnen trotz der Münchener Dominanz in den vergangenen Spielzeiten auf ein kleines kölsches Wunder hoffen? Das ZDF überträgt live im TV und im Stream ab 15:40 Uhr.
18.5.–7.6. | Tennis | French Open 2026 Das zweite Major des Jahres steht an, und die Weltspitze des Tennissports versammelt sich auf den Pariser Sandplätzen. Für den DTB gehen unter anderem Laura Siegemund, Tatjana Maria, Eva Lys, Ella Seidel und Tamara Korpatsch an den Start. Eurosport überträgt ebenso wie discovery+/HBOmax.
20.5.–24.5. | Karate/Para-Karate | European Karate Championships Mit Johanna Kneer und Mia Bitsch, den World-Games-Siegerinnen von 2025, treten zwei Ausnahme-Athletinnen bei den European Karate Championships in Frankfurt am Main an. Die beiden wurden unlängst von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Silbernen Lorbeerblatt geehrt, der höchsten in Deutschland verliehenen sportlichen Auszeichnung. In ihrer Dankesrede forderten sie, dass Gleichberechtigung im Sport endlich gelebt werde und “jede Spitzenleistung mit der gleichen Sichtbarkeit, Wertschätzung und Förderung gewürdigt [werden solle].” Dem können wir uns nur anschließen. Der Hessische Rundfunk zeigt am Samstag und Sonntag, den 23. und 24.05., in der Zeit von 11:30 Uhr bis 13:10 Uhr sowie 14:15 Uhr bis 15:30 Uhr Teile der Entscheidungen im Livestream.
ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN, kurz: ERSTE, ist ein Newsletter, ein Magazin, eine Mission. Wir schreiben die Geschichten des Sports der Frauen neu. Abonniert diesen Newsletter, wenn ihr ebenfalls findet, dass Profisportlerinnen mehr Sichtbarkeit verdient haben. Und schreibt uns! Wir freuen uns über jegliche Hinweise, Ideen und Vorschläge – und über neue, noch nicht erzählte Geschichten: [email protected]
Unser nächster Newsletter erscheint am Donnerstag, den 28. Mai. Darin sprechen wir mit Gravel-Radfahrerin Caro Schiff über Verletzungen, die Diagnose RED-S und die Entwicklungen des Frauen-Radsports.
