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Schön, dass du dabei bist!

Hier schreiben Katalina und Nicole von ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN. Wir sind ein bisschen aufgeregt – oder besser gesagt: sehr, sehr, SEHR aufgeregt! Am morgigen Freitag, den 4.9., beginnt die Basketball-Weltmeisterschaft der Frauen in Berlin. Gerade wurde verkündet, dass bereits 200.000 Tickets für das Turnier verkauft wurden – und das in einer Sportart, die noch bis vor wenigen Jahren ein ausgemachtes Nischendasein in Deutschland gefristet hat. Man könnte meinen: Der Sport der Frauen erlebt einen echten Boom. Aber das müssen wir euch ja nicht erzählen.

Aufgeregt sind wir außerdem, weil wir (Trommelwirbel!) morgen unser erstes Event in Berlin veranstalten! Wir zeigen das erste Gruppenspiel der deutschen Basketballerinnen gegen Spanien und sprechen mit drei tollen Panelistinnen darüber, wie man Mädchen im Sport stärken kann. Und zwar mit Basketballerin Aziza Egla von Türkiyemspor Berlin, Fußballerin Maike Neubert vom FC Internationale, und Footballspielerin Marion Vaur von den Berlin Kobra Ladies. Alle drei bringen Expertise als Spielerinnen und (Jugend-)Trainerinnen mit – wir freuen uns riesig auf sie.

ERSTE wird man nicht allein, das gilt natürlich auch für unser Event. Daher haben wir uns tolle Partner*innen gesucht: Polar Pinguin, Türkiyemspor Berlin Basketball und Here To Hoop. Wir haben richtig Bock. Ihr auch? Dann kommt doch rum und sagt uns noch schnell Bescheid (👉 zum RSVP).

Projekt: ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN

Wir möchten uns noch einmal vorstellen, weil zuletzt viele neue Leser*innen dazugekommen sind (yay!). Wir sind Journalistinnen, Fotografinnen, Sportlerinnen und Fans – und bauen mit euch gerade eine wundervolle Community auf. Wer von Anfang an dabei ist, weiß, dass wir diesen Satz schon einmal geschrieben haben, und zwar im allerersten Newsletter. Aber er gilt eben immer noch, heute ebenso wie im Februar.

Wir haben unheimlich viel geschafft in den letzten Monaten, haben Athletinnen getroffen, die Unglaubliches leisten, haben Supporter*innen gefunden, Ideen entwickelt, Sachen ausprobiert und dabei einiges gelernt.

Zum Beispiel, dass man ein gedrucktes Heft nicht einfach aus dem Boden stampfen kann. Aber auch, dass es mit euch zusammen klappen kann (dazu bald mehr, wenn der WM-Rausch vorbei ist). Was wir immer wieder merken: Wir sind weiterhin sowas von on fire für dieses Projekt. Wir würden am liebsten wöchentlich einen Newsletter veröffentlichen, um noch mehr Athletinnen und Sportarten vorzustellen und um noch mehr Einblicke in die Welt des Sports der Frauen ermöglichen zu können. Weil wir von euch immer wieder hören, wie überfällig eine Plattform wie ERSTE ist. Weil ihr uns Themen vorschlagt, uns Feedback gebt, mit uns in den Austausch geht.

Vor allem aber: Weil der Sport der Frauen die besten Geschichten schreibt. Und wir sie erzählen.

ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN – das heißt auch: Wir brauchen euch. Teilt den Newsletter mit euren Teammates, eurem Run Club, euren Bolzplatz-Kolleg*innen. Wir freuen uns über jede (und jeden!), die (oder der) mitliest. Und auf eure Ideen, Gedanken und Vorschläge unter: [email protected]

Und jetzt zum Sport

What can we say: Die vergangenen zwei Wochen waren in sportlicher Hinsicht pickepackevoll. Carlotta Wamser wechselt für eine Rekordsumme nach Manchester. Die deutschen Rugbyfrauen sind ihrem großen Traum ein großes Stück näher gekommen, und FUSSBALL KANN MEHR hat sich angeschaut, wie viele Frauen im Profifußball der Männer auf den höchsten Ebenen mitmischen (dreimal dürft ihr raten…). Mehr dazu erfahrt in in den Spotlights. Und auch das What to Watch ist zurück! Ihr findet es wieder am Ende des Newsletters – mit ein paar ganz besonders tollen Empfehlungen.

Berlin, Berlin!

Und jetzt zur Basketball-WM: Wenn Marie Gülich, Kapitänin der deutschen Basketball-Nationalmannschaft, am 4.9. im Gruppenauftaktspiel gegen Spanien aufläuft, wird sie versierte Kolleginnen an ihrer Seite wissen. Auch wenn WNBA-Superstar Satou Sabally die Weltmeisterschaft in ihrer Heimatstadt verletzungsbedingt verpasst, ist geballte WNBA-Power in der Stadt: Leonie Fiebich und Nyara Sabally sind bereits WNBA-Meisterinnen geworden, Frieda Bühner und und Luisa Geiselsöder haben zuletzt für die Portland Fire erste Erfolge eingefahren. Ebenfalls in der Nationalmannschaft vertreten sind aber auch Spielerinnen wie Britta Daub oder Alex Wilke, die in der deutschen DBBL (Damen Basketball Bundesliga) spielen. Die DBBL ist chronisch unterfinanziert, sucht international Anschluss und wurde zuletzt verkleinert, trotzdem hoffen die Verantwortlichen, das Momentum der Weltmeisterschaft und das globale Interesse nutzen zu können, um die hiesige Liga endlich auf das nächste Level zu heben. Die Anzahl der verkaufen Tickets dürfte ein Indiz dafür sein, dass das Interesse da ist.

Mit Marie haben wir darüber gesprochen, wie sehr das deutsche Team in der Vergangenheit für sich selbst einstehen musste – und über ihren langen und nicht immer einfachen Weg zurück nach einer schweren Knieverletzung.

Ready, set, go!

Foto: Loredana Zafisambondaoky

“Wir haben gelernt, für uns einzustehen.”

Marie Gülich ist eine feste Größe im internationalen Basketball. 1994 in Altenkirchen geboren, führt die 32-Jährige die deutsche Basketball-Nationalmannschaft mittlerweile als Kapitänin aufs Parkett. Der Sport hat sie rund um die Welt geführt: vom College in den USA über die WNBA bis nach Italien, Polen, Spanien und zuletzt Taiwan. Safe to say: Marie ist eine echte Führungsspielerin, bringt jede Menge internationale Erfahrung mit und hat sich nach einem Kreuzbandriss, den sie im Mai 2025 erlitt, eindrucksvoll zurückgekämpft. Jetzt wartet das vielleicht größte Kapitel ihrer sportlichen Karriere: die Heim-WM in Berlin. Deutschland trifft zum Auftakt auf Spanien – keine leichte Aufgabe. Aber eine, die jede Menge Basketball-Nervenkitzel verspricht. Wir sind nicht ganz objektiv – und drücken alle verfügbaren Daumen!

Marie, wir haben Fotos mit dir auf einem Freiplatz von Alba Berlin im Prenzlauer Berg gemacht. Und unsere Fotografin Loredana hat dich gebeten, dich für einige Bilder auf den Boden zu setzen. Dabei habe ich mich gefragt, wie viel Zeit du im Verlauf deiner Karriere eigentlich sitzend auf Hallenböden verbracht hast.

Ganz, ganz, ganz viel Zeit. Meine Lieblingsbeschäftigung im College war es, spät abends werfen zu gehen. Ich war dann meist anderthalb Stunden in der Halle und saß danach oft noch eine Stunde auf dem Boden, habe Musik gehört und gechillt. Und das war immer so friedlich, niemand war im Gebäude, ich war ganz allein. Heute setze ich mich vor Spielen auch immer noch auf den Boden.

Gehst du auch noch manchmal auf den Freiplatz?

Meine Mutter wohnt in Linz am Rhein, und auf dem Kaiserberg ist oben ein Freiplatz. Man kann von dort ins Rheintal runtergucken, das ist voll schön. Da habe ich viel Zeit verbracht. Jetzt bin ich nicht mehr so viel zu Hause und hatte auch lange keine Offseason mehr, in der ich dort hätte hingehen können. Aber durch die Verletzung hatte ich immer wieder den Drang, Basketball spielen zu gehen, und bin dann einfach auf den Freiplatz gegangen.

Wie sehr ist der noch da, dieser Drang? Ich kenne das von ganz vielen Menschen, die eine Ballsportart machen. Man sieht einen Ball irgendwo rumliegen und es kribbelt direkt in den Händen. Nutzt sich das als Profi irgendwann ab?

Ich habe das auf jeden Fall. Ich fühle mich auch viel wohler, sobald ich einen Ball in der Hand habe. Ich war letztens bei einem Fotoshooting. Zunächst ohne Ball, dann mit. Und der Fotograf meinte: “Das ist so krass, deine Energie hat sich komplett verändert.” Der Ball gibt mir Sicherheit. Und wenn ich einen Ball irgendwo rumliegen sehe, dann will ich den auf jeden Fall in der Hand haben.

Der Ball gibt mir Sicherheit.

Marie Gülich

Du bist die Kapitänin der deutschen Basketball-Nationalmannschaft. Und du hast erst kürzlich dein erstes Spiel absolviert, nachdem du 14 Monate lang pausieren musstest. Wie hat sich das Spiel für dich angefühlt?

Vor dem Spiel war ich sehr angespannt. Da kommen Gedanken wie “Bin ich bereit? Wird das gut gehen?“ Dazu die Ängste, dass man sich wieder verletzt, dass man vielleicht eben noch nicht bereit ist. Und auch die Sorge, nicht mithalten zu können. Aber sobald wir in der Halle waren, war das weg. Während des Spiels hat es sich angefühlt, als hätte ich die ganze Zeit nichts anderes gemacht. Ich habe gar nicht an mein Knie gedacht.  

Wie hast du gelernt, dem Knie wieder zu vertrauen?

Es ist immer noch ein Prozess. Ich bin auch noch nicht an diesem Punkt, wo ich meinem Körper zu 100 Prozent vertraue. Aber ich mache mir immer wieder bewusst, wie viel ich im letzten Jahr geschafft habe und wie stark und stabil mein Knie jetzt ist. Ich glaube, ich brauche noch ein paar Spiele und Trainingseinheiten, bis ich weiß: Es ist stabil, alles ist gut, ich muss mir keine Sorgen machen.

Wie war deine Rückkehr ins Team?

Am Anfang habe ich gemerkt, dass die anderen vorsichtiger mit mir waren. Ich musste ihnen die Sorge nehmen und sagen: “Ich kann das, pusht mich bitte.” Ansonsten habe ich mich sehr gefreut, wieder in einem Teamsetting zu sein. Das hat mir während der Verletzung am meisten gefehlt. Daher war auch der erste Teil meiner Reha in Düsseldorf so schwer für mich. Ich hatte gute Leute um mich herum, aber ich war komplett rausgerissen aus der Teamwelt und habe mich sehr einsam und sehr allein gefühlt. Das war nicht schön.

Bist du deshalb in diesem Jahr nach Berlin gezogen?

Der Wechsel nach Berlin war gut, weil ich die Alba-Strukturen für mein Training nutzen konnte. Schon allein das Gefühl, in einer Halle zu sein, in der andere Leute Basketball spielen, trainieren und besser werden wollen. Das hat mir mental geholfen und mir sehr viel Frische, Energie und Motivation gegeben. Ich merke das auch jetzt: Normalerweise bin ich vor Natio-Lehrgängen immer super nervös, weil ich mir viel Druck mache, vor allem als Kapitänin. Diesmal habe ich aber einfach nur Vorfreude verspürt. Ich dachte mir nur: “Boah, dieser Druck ist eigentlich geil. Ich freue mich richtig drauf.”

Foto: Loredana Zafisambondaoky

Kannst du uns noch mal mitnehmen in den Moment der Verletzung im Mai 2025?

Ich fand es ganz schwierig, das am Anfang zu verstehen. Es hat in dem Moment sehr, sehr weh getan. Und dann musste ich sechs Wochen auf die OP warten und habe eine Prehab gemacht. In der Phase konnte ich mein Bein bewegen und hatte keine Schmerzen. Es war alles gut, aber als ich dann auf dem OP-Tisch lag, habe ich so sehr angefangen zu weinen, weil ich wirklich Angst hatte. Das war der Moment, in dem ich gecheckt habe: Ab jetzt wird sich alles verändern.

Denkt man in einem solchen Moment auch an die sportliche Zukunft?

Auf jeden Fall. Aber ich hatte mehr Angst vor dem Kontrollverlust. Was passiert, wenn ich aufwache? Wie wird die Reha verlaufen? Klar, von einem Kreuzbandriss kommt heutzutage eigentlich jede relativ gut und sicher zurück. Ich hatte ein super OP-Team, da habe ich mir keine Sorgen gemacht. Aber der Prozess nach der Operation hat mir zu schaffen gemacht. Man ist abhängig von den Menschen, die dir helfen, und muss den Prozess so akzeptieren, wie er ist, weil man ganz wenig selbst beeinflussen kann.

Gibt es einen strikten Fahrplan, entlang dessen eine Kreuzbandriss-Recovery verläuft? Oder ist man auch als Nationalmannschaftsspielerin eher auf sich allein gestellt?

Ich habe Unterstützung vom Verband erhalten und hatte Glück, dass ich durch meine Versicherungen abgesichert war. Es wäre sehr schwer geworden, das finanziell allein zu stemmen. Ich musste meine Reha ja auch vorfinanzieren.

Dazu wurde dein Vertrag mit Basket Landes aufgrund der Verletzung aufgelöst.

Genau, aber mein Gehalt war über die FIBA versichert, sodass ich einen Teil davon direkt ausgezahlt bekommen habe und jetzt den zweiten Teil erhalte. Das habe ich zusammen mit meiner Agentin verhandelt. Eigentlich erhält man das Gehalt erst nach der Recovery. Es war ein bisschen chaotisch. Aber um noch einmal auf die Strukturen zu sprechen zu kommen: Ich glaube, dass ein Mann auf diesem spielerischen Level mehr an die Hand genommen wird. Dazu kommt, dass die Männer sich viel mehr leisten können. Zum Beispiel einen Physiotherapeuten, der die ganze Zeit nur für sie da ist. Das war bei mir anders.

Foto: Loredana Zafisambondaoky

Kreuzbandrisse sind Verletzungen, die bei euch in der Nationalmannschaft nur allzu bekannt sind. Leonie Fiebich hatte zwei, Nyara Sabally und Emily Bessoir ebenfalls. Inwiefern hat dir das geholfen?

Es hat voll geholfen. Ich glaube, Leo war die erste Person, die ich angerufen habe. Emily war auch sehr supportive. Egal, ob man Sportlerin ist oder nicht: Wenn man sich so verletzt, ist es super hilfreich, mit Menschen in Kontakt zu sein, die auch Verletzungen durchlebt haben. Weil man sich austauschen kann darüber, dass Prozesse dauern. Dass man geduldig sein muss, dass jeder Körper anders ist. Jemand, der das schon durchlebt hat, der mitfühlen kann, macht einen riesigen Unterschied. Weil man sich einfach weniger Sorgen macht. Wenn es nicht vorangeht, oder die Schmerzen nach vier Monaten immer noch da sind. Diese Sorgen machen einen ja sonst wahnsinnig.

Im Leistungssport gilt das Credo: "Come back stronger." Wie stehst du dazu?

Die Aussage hat mich anfangs frustriert, weil sie vor allem Druck ausgeübt hat. Man denkt sich: “Okay, ich muss noch stärker zurückkommen? Wie soll ich das machen? Ich kann nicht mal laufen.” Vor allem anfangs ist mir das schwergefallen. Ich war in einem super tiefen Loch, ein bisschen depressiv auch, und es ging mir wirklich nicht gut. Ich bin dann zu meiner Familie gefahren und habe zwei Wochen lang gar nichts gemacht. Ich konnte mich auch nicht motivieren und fand es ganz schlimm, das zu fühlen. Ich bin eigentlich total diszipliniert und motiviert, aber das war anders. Ganz schwierig. Ich war eher traurig. Ich wollte nicht stärker sein.

Was war der Wendepunkt?

Mein Turning Point war in Berlin. Anfangs hatte ich noch eine Entzündung am Traktus, Probleme mit dem unteren Oberschenkel und viele Schmerzen, aber nachdem ich nach Berlin gezogen bin, konnte ich wieder ins Training einsteigen, ohne die ganze Zeit an das Knie zu denken. Ich war auf dem Court und habe geworfen, Ballhandling gemacht, war sehr präsent im Moment. Lange denkt man viel darüber nach, was man sich auf dem Feld nicht traut, weil man nicht springen und nicht landen kann. Aber das Training hat mir sehr gut getan. Ich habe gemerkt, dass ich wieder Bock habe.

Gab es ein Ziel, auf das du hingearbeitet hast? Die WM? Oder einen neuen Vertrag? Oder hast du eher versucht, jeden Tag so zu nehmen, wie er kommt?

Die WM war auf jeden Fall ein Ziel. Über Verträge mit Vereinen habe ich mir keine Gedanken gemacht. Ich hatte im Januar schon Angebote, aber da konnte ich noch nicht mal joggen. Deswegen habe ich auch erst Mitte Juni einen neuen Vertrag in Australien unterschrieben, weil ich erst dann wieder das Gefühl hatte: Ich schaffe das, bis zum Saisonstart fit zu sein. Die WM war immer im Hinterkopf, hat mich aber auch unter Druck gesetzt, weil der Anfang der Reha halt wirklich nicht so geschmeidig gelaufen ist. Als ich im Januar immer noch nicht gelaufen bin, war ich nicht sicher, ob ich es schaffen kann. Ich konnte mir das gar nicht vorstellen, im September auf dem Feld zu stehen. Ich habe dann angefangen, mir mit meinem Athletiktrainer andere Ziele zu setzen. In einem Monat habe ich an meiner Maximalkraft gearbeitet, im nächsten an etwas anderem. Das war einfacher für mich zu greifen als die WM im September.

Hier kommen die Spotlights. Danach lest ihr, wie Marie sich mit ihrem Team für mehr Gleichberechtigung eingesetzt hat, und was sie sich für den deutschen Basketball erhofft.

SPOTLIGHTS

Dream Big Die deutschen 7er-Rugby-Spielerinnen träumen von den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles. Doch bislang fehlte es an Geld, um an internationalen Turnieren teilnehmen und sich mit den besten Teams der Welt messen zu können. Nun ist ein erster Schritt erreicht: Per Crowdfunding sammelte das Team 25.000 Euro, um zur Dubai7s reisen zu können, einem wichtigen internationalen Turnier. Dort wollen die Spielerinnen wertvolle Erfahrung sammeln, um sich bei den European Games 2027 für Olympia zu qualifizieren. Wir lieben Frauen, die groß träumen. Und teilen daher gerne ihren GoFundMe-Aufruf, der besagt: “Jeder Euro zählt!”

Rekordverdächtig Die US Open schütten 2026 insgesamt 108 Millionen US-Dollar aus – das sind 20 % mehr als noch vor einem Jahr und außerdem das höchste Preisgeld in der Geschichte des Turniers. Die Siegerin im Dameneinzel bekommt dabei 5,5 Mio. Dollar, genauso viel wie der Sieger im Herreneinzel. Lieben wir! Eine der deutschen Spielerinnen, die an den Start geht, ist Eva Lys. In einem Interview mit der Nothing Major Show äußerte sie sich vor Kurzem zu Geldsorgen bei Profispielerinnen. Laut Eva rentiere sich der Sport erst ab Weltranglisten-Platz 120. Vorher verdiene man zwar Geld, “aber man ist nicht wirklich im Plus auf dem Bankkonto, wenn man alles für Reisen […] ausgibt”, sagte die aktuelle Nummer 98 der Weltrangliste.

Rekordverdächtig II Carlotta Wamser verlässt Bayer Leverkusen und wechselt zum englischen Meister Manchester City. Can’t wait to start, schreibt sie auf Instagram – klar, immerhin heuert sie in einer der stärksten Ligen der Welt an und spielt außerdem künftig zusammen mit Nationalmannschaftskolleginnen Rebecca Knaack und Sydney Lohmann. Bayer Leverkusen dürfte der Abgang personell schmerzen, finanziell allerdings ist er durchaus lukrativ. Daher spricht man dort auch von einem Deal, der für beide Seiten “gleichermaßen reizvoll” gewesen sei: Bis zu 650.000 Euro inklusive Boni seien an Ablöse geflossen, heißt es. Apropos Abschiedsschmerz: Der Abgang tut der Bundesliga weh, schreibt die Bolztribüne. Denn Carlotta ist nicht die einzige Spielerin, die es zuletzt aus der Bundesliga ins Ausland gezogen hat. Immerhin steigen die Ablösesummen für die Spielerinnen – bleibt zu sehen, was mit dem Geld passiert.

Reality Check Der neue Jahresbericht von FUSSBALL KANN MEHR zur Lage der Fußball-Bundesliga der Männer ist erschienen. Er zeigt: Es gibt mittlerweile mehr Frauen in den Führungsetagen des Profifußballs der Männer, aber viele sind es immer noch nicht. Nur 9,6 Prozent der Top-Management-Positionen in Bundesliga und 2. Bundesliga sind mit Frauen besetzt, im Vorjahr waren es 6 Prozent. Nur 7 von 36 Clubs haben überhaupt eine Frau im Top-Management, von denen nur eine “ohne vorherige Aufgabe und Verbindung beim Club” in diese Position gekommen ist. Positiv ist jedoch ein Trend zu beurteilen, der in einzelnen Clubs sichtbar wird: So berichtet Svenja Schlenker, Geschäftsführerin Personal bei Borussia Dortmund, von mittlerweile “über 40% Bewerberinnen [im Club], insbesondere bei der jungen Zielgruppe, also duale[n] Studierende[n].”

Foto: Loredana Zafisambondaoky

“Das ist der Standard und alles darunter ist eine Frechheit.”

Ihr wisst es ja schon: Die Basketball-WM steht vor der Tür. Katalina wollte von Marie vor dem ERSTE-Interview wissen, welche Frage sie eigentlich nicht mehr hören kann. Die Antwort kam prompt: “Wie groß ist die Vorfreude?” Dass Marie die Frage nach der Vorfreude in diesen Tagen überhaupt so oft beantworten muss, zeigt aber auch eindrücklich, dass Basketball längst nicht mehr in der Nische weilt, in der es sich die Sportart bis vor wenigen Jahren noch regelrecht bequem gemacht hat.

Ein Beispiel: Bei der Europameisterschaft 2023 war eine einzige deutsche Journalistin vor Ort in Slowenien. Das ist heute anders: Vor der WM haben viele große Medien berichtet, Marie hat Interviews gegeben, besuchte Podcasts, das ZDF zeigt “Macherinnen”, eine einstündige Doku über die Nationalmannschaft. Und die Sports Illustrated widmet dem deutschen Team in dieser Woche eine ganze Cover-Geschichte – die Katalina geschrieben hat.

Marie, wie gehst du eigentlich damit um, dass das mediale Interesse an euch Basketballerinnen wächst?

Dass Irina, die Journalistin, damals wirklich auf eigene Kosten zur EM gefahren ist, das fand ich sehr cool. Ich bin sehr dankbar, dass sie das gemacht hat. Ich bin aber auch sehr froh, dass es jetzt einfach mehr Menschen gibt, die sich für uns interessieren. Ich glaube, das liegt vor allem daran, dass wir Spielerinnen haben, die in der WNBA präsent sind, und dass die WNBA selbst so präsent ist. Aber ich genieße es auch, dass wir das jetzt haben. Dass wir unsere Stimme nutzen können, um darüber zu reden, wie wir empfinden, aber auch über die Dinge, die fehlen und die besser werden müssen.

Ihr tretet bei der WM ja auch irgendwie in Doppelrolle an: Als Spielerinnen und als Vorbilder. Ist das ist eine Rolle, die du gerne annimmst?

Genau. Ich verstehe, wenn sich andere nur auf den Basketball konzentrieren wollen. Aber ich habe halt gelernt, dass ich eine Plattform habe, die ich nutzen möchte. Um Veränderungen zu schaffen oder um Aufmerksamkeit auf Dinge zu richten, die mir am Herzen liegen, die sich gesellschaftlich verändern müssten. Ich nehme die Rolle gerne an und freue mich auch darüber, wenn ich sie habe. Ich fühle mich wohl damit. Und das ist das Wichtigste.

Auf welche Dinge müssten wir im deutschen Basketball der Frauen noch mehr schauen?

Es gibt leider nicht diese eine Stellschraube, die alles verändern würde. Wir bräuchten eine Aufwärtsspirale, aber derzeit befinden wir uns halt eher im Teufelskreis. Es geht um Gleichberechtigung, um Sichtbarkeit, um finanzielle Strukturen, ganz generell um Strukturen. Es fängt schon im Kindesalter an. Wir verlieren so viele junge Athletinnen, weil die Strukturen fehlen und die Unterstützung. Sie kommen gar nicht erst im Profisport an. Es tut sich schon viel in Deutschland. Aber es fehlt auch noch viel.

Foto: Loredana Zafisambondaoky

Stichwort Aufwärtsspirale. Du spielst seit neun Jahren in der Nationalmannschaft, hast auch die erfolglosen Zeiten miterlebt. Dann kam der Erfolg. Eine Olympia-Qualifikation, ein fünfter Platz bei der Europameisterschaft 2025. Was hat sich verändert?

Es gibt eine Core-Gruppe an Spielerinnen, die immer dabei waren. Und wir haben irgendwann eingefordert, dass wir mehr Trainingszeiten brauchen. Wir hatten das Talent, wir hatten die Perspektive, aber man kann nicht erwarten, dass man sich mit drei Trainings für eine EM qualifiziert. Das geht einfach nicht. Also haben wir Forderungen gestellt: Wir brauchen Maßnahmen im Sommer. Wir brauchen einen Coach, der konstant da ist, der auf einem internationalen Level coachen kann. Wir brauchen ein System, das uns pusht. Und wir brauchen vor allem Strukturen innerhalb des DBB, dass wir uns nicht die ganze Zeit Sorgen um irgendwas machen müssen oder gestresst sind. Wir wollen performen, also brauchen wir den entsprechenden Support. Wir waren selbstbewusst genug, um das anzusprechen. Und die Gespräche sind dann manchmal besser und manchmal schlechter gewesen. Aber am Ende des Tages haben wir dann das bekommen, was wir brauchten, und zwar mehr Trainingseinheiten und bessere medizinische Strukturen.

Dazu kam die Athlet*innenvereinbarung, die ihr 2025 zusammen mit den Basketballern und der Unterstützung von Athleten Deutschland e.V. ausgehandelt habt.

Die neue Athletenvereinbarung hat die Basisstruktur geschaffen. Manchmal wird es so dargestellt, als müssten wir jetzt dankbar sein. Ich bin auch dankbar – dankbar für all die Frauen, die für uns gekämpft haben, und für all die Frauen, die dafür gekämpft haben, überhaupt Sport zu machen. Aber nur weil sich eine Sache verändert, die uns hilft, heißt das ja nicht, dass wir jetzt auf die Knie fallen müssen. Weil das jetzt eben das bare minimum ist. Wir haben jetzt die Basics. Wir sind an einem Punkt, an dem wir als Team gut mit dem Verband zusammenkommen können, um gemeinsam Lösungen zu finden. Es muss aber auch klar sein: Das ist der Standard und alles darunter ist eine Frechheit. Der Prozess war nicht einfach, weil man sich immer wieder beweisen musste. Und sich aufgrund seines Geschlechts immer wieder rechtfertigen musste, dass man das jetzt verdient hat.

Mein Ziel ist es, irgendwann eine Medaille mit dem Team zu gewinnen.

Marie Gülich

Lass uns nach vorne blicken, auf die WM: Was macht euch als Team aus?

Wir haben gelernt, für uns einzustehen. Dadurch sind wir zusammengewachsen. Ich weiß, meine Teammates stehen zu 100 Prozent hinter mir und ich hinter ihnen. Nichts kann das zerstören. Es fühlt sich an wie Familie. Jedes Mal, wenn ich zur Natio komme, fühle ich mich sofort wohl, kann ich einfach ich sein.

Auch wenn Satou Sabally verletzungsbedingt ausfällt: Viele Expert*innen haben euch Medaillenchancen attestiert – unter den richtigen Voraussetzungen. Was hältst du von so einer Aussage?

Wenn man aufs Papier schaut und die Namen der Spielerinnen sieht, dann denkt man sich schon: Ja, da müsste eine Medaille drin sein. Und wir haben uns das Ziel ja auch gesetzt, wenn wir zu 100 Prozent gesund sind. Spielerisch sind wir auf einem Level, auf dem wir ganz oben mitspielen können. Aber es gibt auch immer sehr viele Dinge, die man nicht kontrollieren kann. Verletzungen, das andere Team, Schiedsrichter. Es gibt so viele Variablen, die da mit reinspielen. Letztens hat mich jemand gefragt: Werden wir euch im Finale sehen? Aber: Was soll ich sagen? Natürlich will ich im Finale stehen, aber ich kann es auch nicht versprechen. Es kann ja auch sein, dass man in ein Spiel reingeht und das andere Team so übelst hot ist, was will man dann machen? Auf dem Papier sollte man mit diesem Team eine Medaille gewinnen, aber in der Realität gehört halt so viel mehr dazu.

Olaf Lange, der euch seit elf Monaten trainiert, hat mir letztens in einem Interview gesagt: Das hier ist erst der Anfang. Natürlich ist die WM in Berlin ein Once-in-a-Lifetime-Event, aber danach kommt 2027 wieder eine EM, und dann kommen die Olympischen Spiele in Los Angeles 2028.

Mein Ziel ist es, irgendwann eine Medaille mit dem Team zu gewinnen. Ob das jetzt im September sein wird – wer weiß.

Foto: Loredana Zafisambondaoky

Nach der WM geht es für dich nach Australien zu den Townsville Fire. Warum?

Ich fand die Vorstellung sehr schwierig, eine lange Saison wie in Europa zu spielen. Ich habe mich wohler damit gefühlt zu sagen, ich spiele jetzt eine Saison, die nur fünf Monate geht und nicht zehn. Und danach schaue ich mal, wie es mir geht. Es war super schwer, im Reha-Prozess zu entscheiden, wo man hingehen möchte. Aber ich kann auch danach immer noch nach Europa gehen. Die Liga in Australien soll richtig Spaß machen und ist super competitive. Und ich wollte unbedingt mal nach Australien. Deswegen habe ich gedacht: “Ich mach einfach.”

Schaust du manchmal auf deine Basketballvita und denkst: Krass, ich war in Los Angeles, in Valencia, in Taiwan, und jetzt geht es nach Australien?

Wenn man das so lebt, dann ist das ganz normal für einen. Und dann erzähle ich anderen von meinen Stationen und denke mir: “Alter, wie krass ist das eigentlich.” Ich war vier Jahre in Oregon, dann war ich in Phoenix, in Venedig, in Atlanta, in Gdynia, in Los Angeles, Valencia und Taiwan. Voll die geilen Orte. Ich muss mir das manchmal wirklich bewusst machen.

Unser Newsletter heißt ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN. Wer hat dich auf deinem Basketballweg begleitet?

Eine meiner engsten Freundinnen, Sydney Wiese. Ich habe mit ihr am College gespielt, sie war auch in der WNBA und dann in Europa. Wir waren bis auf ein Jahr in L.A. nie in den gleichen Teams, aber immer in den gleichen Zeitzonen und haben uns gegenseitig unterstützt. Und das nicht nur basketballerisch. Sie war jemand, bei dem ich wusste: Okay, ich habe diese Person. Ich kann Syd einfach anrufen und sie geht ran. Sie hat mich durch meine ganze Karriere begleitet. Jetzt ist sie leider retired.

Warum?

Sie hat sich das Kreuzband gerissen und dann aufgehört. Ein Jahr vor meinem Kreuzbandriss.

War das auch eine Option für dich – aufzuhören?

Sie hat die Reha gemacht und danach gemerkt, dass sie es nicht mehr fühlt. Basketball hat sie nicht mehr erfüllt. Aber ich habe während der Reha gemerkt: Ich vermisse es, ich brauch das jetzt, ich will zurück.

Foto: Loredana Zafisambondaoky

WHAT TO WATCH

4.-13.9. | Basketball | Weltmeisterschaften All eyes on basketball! Hier sind die Spieltermine des deutschen Teams. Das Viertelfinale findet am 10.9. statt. Alle Spiele der deutschen Auswahl werden im Free-TV auf ProSieben und ProSieben Maxx ausgestrahlt sowie im Stream auf Magenta Sport.

04.09.2026 | 17:45 Uhr | Spanien – Deutschland
05.09.2026 | 18:00 Uhr | Deutschland – Japan
07.09.2026 | 17:50 Uhr | Deutschland – Mali

Was wir besonders feiern: Bundesweit gibt es jede Menge Watch Partys mit tollem Rahmenprogramm – und das auch außerhalb der großen Metropolen wie Köln (dort gibt es gleich zwei Anbieterinnen, und zwar den Honeyball Club und das Pivot Popup) oder Berlin (hatten wir unsere Watch Party erwähnt…?). Beispielsweise werden die Spiele in Tübingen im Kino übertragen, in Oldenburg, und in Halle (Saale).

Apropos Kino: In Münster startet am 9.9. die Frauensport-Filmreihe “Ready, Steady, Go Ladies!” Im Zentrum der Aufmerksamkeit, so die Organisator*innen, “stehen Sportlerinnen aller Generationen, an deren Geschichten, Schicksalen und Lebensläufen wir gerne teilhaben und diese mit unserem Kinopublikum teilen möchten.” Lieben wir!

23.8.-13.9 | Tennis | US Open 128 Spielerinnen kämpfen im Einzel im New Yorker Billie Jean King National Tennis Center um den begehrten Grand-Slam-Titel. Sporteurope.tv (paid) überträgt sämtliche Partien des Hauptfelds; Sky/WOW (paid) zeigt ebenfalls einzelne Spiele. Sportschau.de zeigt jeden Morgen das Wichtigste im Liveblog.

15.9.-20.9. | Kanu-Polo | Weltmeisterschaften Wir lieben Randsportarten! Und Kanu-Polo gehört – no offense – mit großer Sicherheit dazu. Laut Deutschem Kanu-Verband ist Kanu-Polo “eine Mischung aus Handball, Basketball und einer Prise Rugby.” In Deutschland gibt es laut Verband über 10.000 aktive Athlet*innen. Die WM findet auf der Regattabahn Duisburg statt, die deutschen Spielerinnen gehen als Mitfavoritinnen an den Start, nachdem sie 2025 bei den World Games in Chengdu die Goldmedaille geholt haben.

Redaktion, Lektorat: Katalina Farkas, Aron Farkas. Fotos: Loredana Zafisambondaoky. ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN ist ein Newsletter, ein Magazin, ein Podcast, eine Mission. Wir schreiben die Geschichten des Sports der Frauen neu. Abonniert diesen Newsletter, wenn ihr ebenfalls findet, dass Profisportlerinnen mehr Sichtbarkeit verdient haben. Und schreibt uns! Wir freuen uns über jegliche Hinweise, Ideen und Vorschläge – und über neue, noch nicht erzählte Geschichten. [email protected]

Unser nächster Newsletter erscheint am Donnerstag, den 17. September.