This website uses cookies

Read our Privacy policy and Terms of use for more information.

Schön, dass du dabei bist!

Hier schreibt Katalina – und das ist die neunte Ausgabe von ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN, dem Newsletter für den Sport der Frauen. Hier geben wir Spitzensportlerinnen die mediale Bühne, die ihnen anderswo immer noch fehlt – weil ihre Geschichten zu gut sind, um weiterhin unerzählt zu bleiben.

Ähnliches hatte auch Sophia Mitropoulos im Sinn, als sie das Magazin “Snatch” von ihrem New Yorker Apartment aus gestartet hat. Sie wollte die Sichtbarkeit von Sportlerinnen weder klassischen Redaktionen noch dem Algorithmus überlassen, sagte sie der New York Times in diesem sehr kurzweiligen Feature. Snatch, so Sophia, sei “a queer place for women’s sports, arts & culture”. Lieben wir.

Zwei Ausgaben hat sie mittlerweile veröffentlicht, die dritte soll im Herbst folgen. Alles gedruckt. “I just am an analog girl”, sagt Sophia über ihre Motivation, “I also do think there’s a huge resurgence for anti-algorithm content.” Statt Geschichten über Frauensport nur von Social-Media-Algorithmen oder großen Medienkonzernen abhängig zu machen, solle man sie physisch festhalten. “We can print it out. We can find some pretty pictures and put them together and tell this story.”

Okay, ganz so leicht ist es vielleicht nicht – die ein oder andere (finanzielle) Hürde muss man auf dem Weg zum gedruckten Magazin schon nehmen. Aber Geschichten wie die von Snatch zeigen: Da geht was. Mit Mut, Willenskraft, Durchsetzungsvermögen – und vielleicht auch der nötigen Portion Idealismus. 

Projekt: ERSTE

Wer diesen Newsletter schon länger liest, weiß: Auch wir wollen ein gedrucktes Magazin auf den Markt bringen – es wäre das einzige in Deutschland, das sich allein dem Sport der Frauen widmet. 

Dafür brauchen wir euch: Bitte beantwortet uns ein paar Fragen. Das geht ganz schnell – hier findet ihr zur Umfrage. Ihr würdet uns damit sehr helfen. Denn am Ende wollen wir ein Heft für euch machen. Für all jene, die sich – genau wie wir – mehr Sichtbarkeit für Spitzensportlerinnen wünschen. Danke, dass ihr mitmacht!

Ansonsten gilt wie immer: Schreibt uns, folgt uns auf Instagram, leitet diesen Newsletter weiter. The more, the merrier. Wir freuen uns von Herzen, wenn ihr dabei seid.

Und jetzt zum (Gravel-)Sport

“Ich fühle mich in abgelegenen Regionen wohl und frei”, hat mir – hier schreibt immer noch Katalina – die Radfahrerin Marei Moldenhauer mal in einem Interview erzählt. Das Gespräch erschien in der Süddeutschen Zeitung, kurz nachdem Marei beim Atlas Mountain Race nach 1.300 Kilometern und 23.000 Höhenmetern als erste Frau das Ziel erreicht hatte – in Rekordzeit. Und als erste Fahrerin, die es bis dahin unter die Top Ten des gesamten Teilnehmer*innenfelds geschafft hatte. 

Wie ein Mantra habe ich Mareis Satz vor einigen Wochen wiederholt, als ich mich mit einem viel zu schwer bepackten Gravelbike auf Schotterstraßen und Platten-Asphalt entlang der deutsch-polnischen Grenze in Richtung Norden gequält habe. Ich wollte mit ein paar Dutzend anderen Menschen von Berlin bis Usedom und wieder zurück fahren, habe aber nach 146 Kilometern (und nicht einmal 600 Höhenmetern) gemerkt: Ich bin nicht gut genug vorbereitet, habe schlecht und viel zu viel gepackt (story of my life), ich schaffe das nicht, hier ist Schluss.  

Das hat mich geärgert – die Sportlerinnen-Ehre war angeknackst. Gleichzeitig stieg mit jedem Kilometer der (eh schon große) Respekt vor jenen Fahrerinnen, die auf ihren Gravel-Rädern beinahe jede erdenkliche Distanz abreißen und sich dabei weder von Hitze und Kälte, noch von Schotter und Stürzen abschrecken lassen.  

Auch vor Athletinnen wie Carolin Schiff, die in der Vergangenheit nicht nur gegen steinige Schotterstraßen, sondern auch gegen Verletzungen gekämpft hat, und mittlerweile zusammen mit Marei Moldenhauer für das All-Terrain-Team von Canyon startet.

ERSTE-Autorin Claudia Klingelhöfer hat für diesen Newsletter mit Carolin gesprochen. Claudia ist bei den Themen Outdoor und Radsport so sattelfest wie kaum ein anderes ERSTE-Teammitglied, privat fährt sie am liebsten Mountainbike. Dementsprechend on fire war sie, als sich das Gespräch mit Carolin anbahnte.

Carolin ist gewissermaßen eine Gravel-Legende, hat historische deutsche und internationale Erfolge gefeiert. Sie ist zweifache deutsche Gravel-Meisterin und hat in der Szene legendäre Rennen wie das Traka und das Unbound Gravel gewonnen. 2025 musste sie die Saison vorzeitig abbrechen, nachdem bei ihr RED-S (Relative Energy Deficiency in Sports) diagnostiziert wurde. RED-S folgt auf ein zu hohes Trainingspensum bei zu geringer Kalorienzufuhr. Kurz gesagt: Zu viele Kilometer, zu wenig Essen. In der Welt des Ausdauersports leider kein Einzelfall.

Nach einer Auszeit kämpft Carolin sich jetzt zurück. Mit Claudia hat sie darüber gesprochen, welche Ängste mit der Diagnose einhergingen, und warum die fehlende Professionalisierung des Sports auch zulasten der Gesundheit gehen kann. Es geht aber auch um die besondere Anziehungskraft des Gravelns, das von klassischen Straßenradfahrer*innen lange eher als Lifestyle denn als Spitzensport belächelt wurde.

Wenn Carolin am Wochenende in der 200-Meilen-Distanz beim Unbound Gravel antritt, wird das ERSTE-Team auf jeden Fall den Livestream verfolgen. Bis dahin legen wir euch wärmstens unser Interview mit ihr ans Herz.

Ready, set, go!

Foto: Marcel Hilger

“Für mich war es komplette Normalität, dass ich als Frau damit kein Geld verdiene.”

Viel Zeit hat Carolin Schiff eigentlich nicht. Als wir das Interview führen, bereitet sich die Bremerin gerade intensiv auf die anstehende Saison vor. Die 40-Jährige gehört zu den prägendsten Fahrerinnen der noch jungen europäischen Gravel-Szene. 2023 erhält sie von Canyon einen Profi-Vertrag. Zuvor ist sie zwar erfolgreich im Sport unterwegs, aber ohne die finanzielle Kompensation, die ihren männlichen Kollegen oft längst zur Verfügung steht. Anders gesagt: auf eigene Kosten. 2023 gewinnt sie das prestigeträchtige Unbound Gravel, 2023 und 2024 die 200-Kilometer-Distanz des Traka, wird außerdem in beiden Jahren deutsche Gravel-Meisterin – dann kommt die Diagnose RED-S. 

Caro, wenn man heute auf deine Karriere schaut, wirkt vieles fast folgerichtig: große Siege, großes Team, Vollprofi. Hat sich das für dich selbst auch so angefühlt?

Überhaupt nicht. Bevor ich mit Gravel angefangen habe, war ich eigentlich schon an dem Punkt, an dem ich gesagt habe: Ich höre auf oder mache das Ganze nur noch hobbymäßig nebenher und gehe einer “normalen” Tätigkeit nach. Dass ich noch einmal Profisportlerin werde, war überhaupt nicht mein Gedanke. Insofern fühlt sich das manchmal selbst für mich noch wie ein Traum an.

Was hat dich trotzdem all die Jahre im Sport gehalten?

In erster Linie der Spaß. Bei mir stand nie im Vordergrund, dass ich das mache, um Geld zu verdienen. Ich mache das, weil es mir Freude bereitet. Ich habe immer Spaß daran gehabt, das Beste aus meinem Körper herauszuholen, was möglich ist. Jedes Training, bei dem ich merke, dass ich mich weiterentwickle, macht mir so viel Spaß. Das ist mein eigentlicher Antrieb.

Du hast viele Jahre Leistungssport gemacht, ohne wirklich davon leben zu können. Wie sah diese Realität aus?

Bevor ich 2023 zu Canyon gegangen bin, war es so, dass ich den Sport neben Ausbildung, Studium und später beruflicher Tätigkeit gemacht habe. Am Ende hatte ich eine offizielle Profi-Lizenz, habe aber gar kein Geld damit verdient. Die Reisekosten habe ich immer irgendwie erstattet bekommen, aber mit allem Drum und Dran, was man dann doch immer noch für Training und Trainingslager ausgibt, kommt man nie ins Plus. Es war immer eine Investition.

Und trotzdem hast du das nie grundsätzlich infrage gestellt?

Nein. Ich habe das eigentlich nie infrage gestellt, weil es mir immer Spaß gemacht hat und ich es auch als Ausgleich zu meinem Beruf gesehen habe. Aber es erfordert schon sehr, sehr viel Disziplin und Motivation, das immer so durchzuziehen. Und es ist nach wie vor für viele Sportlerinnen die Realität.

Was bedeutet das strukturell für Frauen im Radsport?

Dass immer etwas auf der Strecke bleibt. Wenn man sich zusätzlich finanziell irgendwie über Wasser halten muss, dann fehlt diese Energie an anderer Stelle. Und das ist ganz oft die Regeneration. Das ist dann eben auch eine große Gefahr für den Körper.

Foto: Marcel Hilger

Du sprichst da auch aus eigener Erfahrung. Im vergangenen Sommer musstest du deine Saison vorzeitig beenden. Was ist passiert?

Ich hatte im Laufe meiner gesamten sportlichen Karriere relativ häufig Knochenbrüche oder Rückschläge. Letztes Jahr war es im Sommer wieder so, dass ich mir mein Schlüsselbein gebrochen habe. Dazu hatte ich ein paar Wochen vorher schon eine Rippenfraktur. Aufgrund dieser Verletzungen haben mein Trainer und ich dann auch eine Knochendichtemessung machen lassen und etwas mehr Diagnostik im Hintergrund betrieben. 

Und dann kam die Diagnose?

Genau. Dabei kam heraus, dass meine Knochendichte schlecht ist. Ich wusste das eigentlich schon von früher, aber sie war noch schlechter geworden. Zusammen mit Blutwerten, die ebenfalls nicht in Ordnung waren, stellte sich dann heraus, dass ich unter dem RED-S-Syndrom leide. Daraufhin haben wir beschlossen, die Saison zu beenden und uns erst einmal auf einen gesunden Körper zu fokussieren, den Körper ausheilen zu lassen, ihm Ruhe zu geben, Stress zu reduzieren und dann einen kompletten Neuaufbau zu starten.

Wie groß war in diesem Moment die Angst, dass damit auch sportlich alles kippt?

Das war tatsächlich meine größte Angst. Ich habe ja Verpflichtungen, ich bin Rennfahrerin. Mein Auftrag ist es in erster Linie, Radrennen zu fahren. Klar, man ist auch eine öffentliche Person, Social Media ist wichtig, aber in erster Linie soll ich Rennen fahren. Ich hatte große Angst, dass meine Sponsoren oder Partner sagen: Nein, das wollen wir nicht mehr.

Wie haben sie reagiert?

Ich habe mit allen persönlich gesprochen und ehrlich gesagt, wie es aussieht. Von allen kam eigentlich nur Support. Und Canyon hat mir direkt signalisiert, dass sie weiterhin mit mir planen. Sie haben mir gesagt, dass ich mir keinen Stress machen soll, dass sie mich als wichtigen Teil des Gravel-Segments sehen und weiterhin mit mir zusammenarbeiten wollen.

Das heißt: Der Schritt vom Privateer zur Teamfahrerin war auch ein Zeichen von Vertrauen?

Ja, total. Ich bin 2023 mit Canyon im Gravel gestartet. In den ersten Jahren waren wir als eigenständige Sportler unterwegs, also als Privateer. Im Zuge der Entwicklung im Gravel-Sport hat sich für Canyon im letzten Jahr herauskristallisiert, dass sie ein eigenes Gravel-Team aufbauen möchten. Sie haben mich ziemlich früh in die Planung integriert und mir auch gesagt, dass sie mich sehr gern in diesem Team dabei haben möchten. Für mich war das eigentlich gar keine Überlegung, sondern ich war einfach super happy, dass ich diese Entwicklung von Anfang an mitmachen und auch mitgestalten kann. 

Du klingst, als hättest du dir diese Freude trotz aller Rückschläge bewahrt.

Ja, absolut. Ich weiß, wozu ich fähig bin, was ich kann und was ich auch schon geschafft habe. Daran glaube ich immer. Und deswegen bin ich auch immer wieder motiviert, daran zu arbeiten, dass ich wieder dahin komme.

Ihr kennt das Spiel: Hier kommen die Spotlights – und danach schon der zweite Teil des Gesprächs mit Carolin Schiff.

SPOTLIGHT

Die Feste feiern, wie sie fallen Eishockey-Torhüterin Sandra Abstreiter hat mit Montréal Victoire den Walter Cup gewonnen. Die erste Trophäe eines kanadischen Teams in der noch jungen nordamerikanischen Profiliga PWHL wurde standesgemäß gefeiert: mit einer ordentlichen Bierdusche. “Es ist auf jeden Fall besonders, den ersten Titel nach Kanada zu bringen, das Geburtsland des Eishockeys, und dort dabei sein zu dürfen”, hat Sandra uns erzählt. Wir haben ihr nach dem Titelgewinn drei schnelle Fragen gestellt – die Antworten findet ihr auf unserem Instagram-Kanal. Spoiler alert: Es geht nicht nur um den Walter Cup, sondern auch um ihre sportliche Zukunft.

Lucky number seven Wie sehr kann man sich noch über einen Bundesliga-Titel freuen, wenn es der siebte in Folge ist? Sehr! “Das war ein ganz besonderer Titelgewinn”, erzählt uns Gesa Deike, Kapitänin der Wasserballerinnen von Spandau 04, am Telefon. Am vergangenen Sonntag gewannen die Berlinerinnen den Titel in der Schöneberger Schwimmhalle – vor nahezu leeren Rängen, dafür mit umso größerem Einsatz und der notwendigen körperlichen Härte. Es sei überhaupt nicht schwierig, sagt Gesa, sich nach so vielen Siegen weiterhin zu motivieren: “Ich will ja immer 100 Prozent geben.” Spannend war es für Spandau 04 vor allem, weil die Gegnerinnen aus Bochum das erste Spiel der Finalserie für sich entschieden – zur großen Überraschung. “Das musste irgendwann passieren”, erklärt Gesa, nicht ohne ein gewisses Schmunzeln, “wir haben vorher fast vier Jahre lang kein Ligaspiel verloren!” Warum Spandau 04 so dominant ist – und dazu der einzige Profi-Verein der nur sechs Teams umfassenden deutschen Wasserball-Bundesliga – erzählen wir euch ganz bald im Newsletter. Denn, so viel steht jetzt schon fest: Wir sind hooked und freuen uns jetzt schon auf einen Deep Dive zum Thema Wasserball (and yes, those puns were intended)!

Mamma mia Am 30. Mai startet der Giro d'Italia Women, erstmals am Abschlusswochenende des Männer-Giros. Neun Etappen, rund 1.100 km, über 12.500 Höhenmeter. Der Grund für den Termintausch: Bisher fand das Rennen im Juli statt – im Schatten der Tour de France. Der neue Slot soll den Radsport-Boom nutzen und dem Frauenrennen endlich die Aufmerksamkeit geben, die es verdient. Denn Gleichberechtigung im Radsport ist noch immer work in progress – bei Preisgeldern, Etappenlängen und TV-Zeit bestehen weiterhin große Unterschiede. Klischeefrei im Sport hat die Story grafisch aufbereitet.

Foto: Marcel Hilger

“Ich höre oft: Frauenrennen sind spannender als die der Männer.”

Hier kommt der zweite Teil des Interviews mit Carolin Schiff. Es geht um die Professionalisierung ihres Sports – und warum viele Veranstalter*innen das Thema Gleichberechtigung endlich ernst nehmen

Du hast viele Jahre in einem Umfeld verbracht, in dem Frauen im Radsport deutlich weniger Möglichkeiten hatten. Wie sehr hat dich das geprägt?

Für mich war es komplette Normalität, dass ich als Frau damit kein Geld verdiene. Ich hatte international auf der Straße keine riesigen Ergebnisse eingefahren. Insofern habe ich das gar nicht groß infrage gestellt und mich auch nie besonders darüber beschwert, weil es für mich einfach normal war.

Hat sich dieses Normalitätsgefühl verändert?

Ja, auf jeden Fall. Jetzt spricht man schon mit vielen Frauen darüber, wie gut es ist, dass man davon leben kann oder dass man genau das macht, wovon man sein ganzes Leben geträumt hat und wofür man hart gearbeitet hat. Für einige ist das gerade im Gravel inzwischen der Normalzustand. Und daran sieht man auch, dass sich der Frauensport extrem entwickelt.

Wo siehst du diese Entwicklung besonders deutlich?

Zum einen natürlich im Straßenradsport mit der Tour de France Femmes. Für den Rennradsport ist die Tour de France einfach das, was jeder kennt, auch außerhalb der Radsport-Bubble. Wenn Frauen ein vergleichbares Rennen haben, also eines mit dem gleichen Stellenwert, dann ist das extrem wichtig, weil es die mediale Aufmerksamkeit auf ein ganz anderes Level hebt als bisher.

Geht es dabei vor allem ums Zuschauen, ums Gesehenwerden?

Ja, klar. Aufmerksamkeit ist immer das Wichtigste. Das ist ja auch das, was am Ende Sponsoren bringt. Das Schlimmste ist, wenn man unter dem Radar fährt. Ich habe das selbst erlebt: Bei den Rennen der UCI-World-Tour [im Straßenradsport] der Frauen war es oft so, dass wir morgens um acht gestartet sind, und später kamen dann die Männer. Bei unserem Rennen hieß es eher: Lassen wir die Frauen mal ganz früh fahren, das interessiert ja sowieso niemanden. So fühlt man sich dann auch.

Und heute?

Jetzt ist es wirklich so, dass Frauen zur gleichen Zeit wie die Männer fahren oder einen Tag vorher, aber ebenfalls zu Zeiten, zu denen Zuschauer da sind und es die Leute interessiert. Die Rennen werden bei Eurosport übertragen. Und ich höre in letzter Zeit ganz oft, nicht nur von Frauen, sondern auch von Männern, dass Frauenrennen im Moment fast spannender sind als Männerrennen und dass sie sie gern schauen. Und das ist ja das Wichtigste.

Gravel ist als Sportart jünger. Hat das geholfen?

Ja, ich glaube sogar, dass Gravel gleichberechtigt gestartet ist, weil es eben eine relativ junge Sportart ist. Da gab es die Chance, direkt mit Gleichberechtigung einzusteigen. Im Rennradsport musste sich der Frauenradsport durch die Historie, in der Männer immer wichtiger waren als Frauen, mit viel Energie hineinkämpfen.

Wie hast du das im Gravel konkret erlebt?

Beim Gravel war es von Anfang an so, dass ich mich nie weniger gleichberechtigt gefühlt habe als ein Mann, wenn ich ein Rennen gefahren bin. Auch wenn am Anfang deutlich weniger Frauen am Start waren. Aber die Gleichberechtigung war von vornherein da. Und es entwickelt sich auch genau so weiter. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass wir Frauen vom Veranstalter mehr Aufmerksamkeit bekommen als Männer. Preisgelder und alles andere sind bei Gravelrennen auch immer gleich.

Foto: Marcel Hilger

Was macht Gravel so besonders?

Ich glaube, dass Gravel für Freizeitathletinnen und -athleten so spannend ist, weil sie sich im Grunde in dasselbe Rennen wie die Profis oder zumindest an dieselbe Startlinie stellen können. Ich glaube, genau das macht es attraktiv. Beim Rennradsport ist das gar nicht der Fall. Beim Gravel kann man sich auf derselben Strecke zur gleichen Zeit mit Profiathletinnen und -athleten messen und dann auch vergleichen, mit den Leuten sprechen und das Ganze mitnehmen. Der Sport ist insgesamt viel nahbarer.

Und auch die Community wirkt anders.

Ja, auf jeden Fall. Im Straßensport ist es schon sehr raceorientiert. Man fährt zum Rennen, fährt das Rennen und fährt wieder nach Hause. Beim Gravel wird auch von den Veranstaltern viel mehr dafür getan, dass es eher wie ein Festival wird, mit allem Drum und Dran. Am Vortag gibt es oft noch Veranstaltungen, am Renntag selbst, danach bleibt man auch noch länger dort. Die Community ist schon viel größer.

Auch jenseits des Rennsports scheint sich etwas zu bewegen.

Ja, das ist super interessant zu sehen. Wir hatten hier über unseren Fahrradladen in Bremen eine Frauengruppe ins Leben gerufen. Die treffen sich jeden Donnerstagabend. Am Anfang waren es vier oder fünf Frauen. Im selben Jahr ist das schon auf etwa 20 Frauen angewachsen. Inzwischen fährt die Gruppe immer noch, und jetzt zum Weltfrauentag waren 30 oder sogar mehr am Start. Das ist zu einer richtigen Community geworden. Da sind Frauen dabei, die ich vorher noch nie auf dem Rad gesehen habe. Und es werden immer mehr.

Wenn du auf den Sport insgesamt schaust: Was wünschst du dir für die Zukunft?

Dass die Entwicklung auf jeden Fall so weitergeht, wie sie sich im Moment entwickelt. Man sieht ganz klar, dass sich da einiges tut und dass Sponsoren sehr interessiert am Frauenradsport sind und daran, Frauen zu unterstützen. Ich glaube, wir sind im Moment auf dem komplett richtigen Weg.

Claudia Klingelhöfer hat Carolin Schiff bereits im März zum Video-Interview getroffen. Die Fotos vom Training auf Mallorca hat Marcel Hilger uns dankenswerterweise zur Verfügung gestellt. Redaktion und Lektorat: Katalina Farkas, Claudia Klingelhöfer, Nicole McDermott, Fred Grimm, Aron Farkas. Fotos: Marcel Hilger.

Foto: Marcel Hilger

WHAT TO WATCH

30.05. | 13:50 Uhr | Gravel-Radsport | Unbound Die zwanzigste Ausgabe des vielleicht prestigeträchtigsten Gravelrennens der Welt, das in Kansas stattfindet und bis 2020 noch unter dem Namen “Dirty Kanza” bekannt war, verspricht erneut Hochspannung (wenn man von der geografischen Einöde absieht, die Kansas für die Fahrer*innen bereithält). Die Gewinnerin der 200-Meilen-Distanz von 2023, Carolin Schiff, tritt am kommenden Samstag erneut gegen 67 weitere Fahrerinnen an, um ihren Titel zurückzuerobern. Der Veranstalter stellt ein Livetracking auf dem eigenen YouTube-Kanal zur Verfügung.

31.5. | 16:30 Uhr | Handball | Finalspiel um die Deutsche Meisterschaft Am kommenden Sonntag fällt die Entscheidung im Titelkampf der Alsco Handball Bundesliga der Frauen: Die Handballerinnen von Borussia Dortmund kämpfen ab 16:30 Uhr in Blomberg im finalen dritten Spiel um die Deutsche Meisterschaft. “Wir verlieren hier nicht. Und ich glaube, das heißt, dass wir deutscher Meister werden”, sagte Spielmacherin Nieke Kühne von der HSG Blomberg-Lippe auf sportschau.de. 1.300 Fans werden vor Ort erwartet, Dyn überträgt.

31.5. | 17:05 Uhr | Leichtathletik | Goldenes Oval Dresden So langsam geht es los mit der Wettkampfsaison für die deutschen Leichtathletinnen. In Dresden wird es beim internationalen Sportfest vor allem schnell: Star-Sprinterin Gina Lückenkemper gibt ihr Deutschland-Debüt in diesem Sommer. Mit ihr am Start ist der Großteil der deutschen Sprinterinnen-Elite. Und die 400-Meter-Nachwuchshoffnung Johanna Martin will – frisch dem Abistress entronnen – die Norm für die Europameisterschaften knacken. Ebenfalls auf der Bahn steht die Langhürden-Spezialistin Eileen Demes. Und das alles live im Hauptprogramm der Öffentlich-Rechtlichen, im ZDF.

01.06 – 07.06. | 3x3-Basketball | Weltmeisterschaften Nach der Goldmedaille bei den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris darf sich das deutsche Team um Britta Daub, Ama Degbeon, Marie Reichert und Laura Zolper in Warschau mit den Besten der Welt messen. Für die auf Platz sechs gesetzten Deutschen stehen vier Gruppenspiele gegen China, die Philippinen, Italien und Lettland an. Alle Spiele werden live auf dem FIBA3x3-YouTube-Kanal übertragen.

05.06. & 09.06. | Fußball | WM-Qualifikation Der deutschen Auswahl stehen bei den anstehenden Länderspielen gegen Norwegen und Slowenien mit Klara Bühl (FC Bayern München), Sophia Kleinherne (VfL Wolfsburg), Kathrin Hendrich (Chicago Red Stars) und Marie Müller (Portland Thorns FC) gleich vier Nationalspielerinnen zur Verfügung, die verletzungsbedingt in den vergangenen Spielen pausieren mussten. Zwei Siege sollen es sein, um Platz eins zu sichern und damit das Ticket für die WM 2027 in Brasilien zu lösen. Übertragen werden die Spiele im Free-TV und im Livestream: am 05.06. um 20:35 Uhr in der ARD sowie am 09.06. ab 18:00 Uhr im ZDF

07.06. | 06:15 Uhr | Langdistanz-Triathlon, IRONMAN Hamburg European Championship Wenn am Hamburger Jungfernstieg tausende Athlet*innen waghalsig in die Alster springen, dann ist IRONMAN-Zeit. Im Fokus stehen dabei unter anderem die rund 30 weltbesten Athletinnen, die sich im Rahmen der Europameisterschaften über 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2 km Laufen duellieren und um sechs Quali-Plätze für den IRONMAN auf Hawaii kämpfen. Als Titelverteidigerin gilt Laura Philipp dabei erneut als Favoritin. Wir drücken ihr die Daumen (und das nicht nur, weil unser Interview mit ihr bereits im Kasten ist). Eine Übertragung gibt es auf dem IRONMAN-YouTube-Kanal sowie auf der offiziellen Homepage der Pro Series

ERSTE WIRD MAN NICHT ALLEIN, kurz: ERSTE, ist ein Newsletter, ein Magazin, ein Podcast, eine Mission. Wir schreiben die Geschichten des Sports der Frauen neu. Abonniert diesen Newsletter, wenn ihr ebenfalls findet, dass Profisportlerinnen mehr Sichtbarkeit verdient haben. Und schreibt uns! Wir freuen uns über jegliche Hinweise, Ideen und Vorschläge – und über neue, noch nicht erzählte Geschichten. [email protected]

Unser nächster Newsletter erscheint am Donnerstag, den 11. Juni.